Emotionale Wortmeldungen, Misstrauen gegenüber der Verwaltung, schwindelerregende Zahlen: Einmal mehr hat sich der Gemeinderat mit dem Neubau der Grund- und Mittelschule in Neuendettelsau befasst. Das Gremium ist sich uneins, wie das Vorhaben realisiert werden soll. Das Projekt steht mehr denn je auf der Kippe.
„Der Neubau der Grund- und Mittelschule ist das bedeutendste und folgenschwerste Projekt unserer Gemeinde in der gesamten Nachkriegszeit“, sagte Bürgermeister Christoph Schmoll (SPD). Deshalb sei es die Pflicht, keine leichtfertigen Entscheidungen zu treffen, sondern konstruktiv und intensiv über alle Vor- und Nachteile sowie Optionen zu diskutieren, führte Schmoll aus.
Gleichzeitig ist es die Pflicht der Gemeinde, ehrlich gegenüber den Bürgern zu sein. „Fake-News wie von Donald Trump verunsichern und spalten unsere Gesellschaft.“ Der Bürgermeister appellierte, beim Austausch der Argumente ehrlich zu bleiben und Tatsachen anzunehmen, „auch wenn sie unangenehm sind“.
Eine unangenehme Tatsache steht bereits fest: Die Planungen für den Neubau am Altstandort wurden gestoppt, weil das Vorhaben „trotz aller Bemühungen finanziell nicht machbar ist“, betonte Schmoll. „Nur der Neubau am Sportpark hat Aussicht auf Erfolg.“ Das bringt die Gemeinde aber in eine Zwickmühle, denn bei einem Bürgerentscheid im Jahr 2022 hat sich eine Mehrheit für den Altstandort entschieden.
Wie groß die Zwickmühle ist, belegte Geschäftsleiter Stefan Grün mit Zahlen. Die Verwaltung hat in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Planungsbüro nochmals mehrere Varianten angeschaut und Kosten hochgerechnet. Demnach würde der abschnittsweise Bau im Bestand nach derzeitigem Stand bei rund 56 Millionen Euro liegen. Ein Neubau auf der grünen Wiese würde mit 53,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Geht man zurück zum Sportpark, würden etwa 47,5 Millionen Euro fällig. Zum Vergleich: Vor dem Bürgerentscheid wurde diese Variante auf etwa 37 Millionen Euro geschätzt.
Verwaltung und Planer haben aber auch eine Variante durchgerechnet, die Christian Scheuerpflug ins Spiel gebracht hat. Der SPD-Gemeinderat schlägt einen Teilneubau mit Sanierung vor, der über mehrere Jahre, laut Grün zehn bis 20 Jahre, gestreckt werden soll. Die Verantwortlichen kamen hierfür auf Kosten in Höhe von 93,6 Millionen Euro.
Der Vorschlag stieß in der Verwaltung auf Verwunderung. Einerseits wurde dieses Vorgehen bereits im Jahr 2018 einstimmig vom Gemeinderat abgelehnt. Andererseits besteht dabei die Gefahr, dass es keine oder nur geringe Fördermittel gibt und dass die zuständige Schulaufsichtsbehörde die Genehmigung verweigert, wie Schmoll und Grün deutlich machten.
Der Finanzierungsbedarf liegt je nach Variante zwischen 13,01 und 35,77 Millionen Euro, wie Grün sagte. Eine Kreditaufnahme von zehn bis 15 Millionen Euro könne sich die Gemeinde leisten. „Die Zahlen sprechen für sich“, hielt er fest. Das Thema bewege die Verwaltung. Sollte der Gemeinderat beschließen, den Vorschlag von Scheuerpflug zu verfolgen, dann werde das so umgesetzt, betonte Grün. Aber die Verwaltung „übernimmt dafür in keiner Weise Verantwortung“, wurde er deutlich. „Das ist ein finanzielles Himmelfahrtskommando.“
Scheuerpflug, der selbst Architekt ist, verteidigte naturgemäß seinen Vorschlag, der „aus meinen persönlichen und fachlichen Einschätzungen“ besteht. Dieser sieht vor, in einem ersten Schritt einen Neubau an der Reuther Straße zu realisieren und kleinere Sanierungsmaßnahmen an der Grundschule zu absolvieren.
In einem zweiten Schritt soll es den Ersatzneubau für die Mittelschule geben. „Das wäre 2045 möglich.“ Scheuerpflug ist davon überzeugt, dass man durch das Strecken des Projektes die Kosten gering halten kann. Jeder Neubau entspricht nach seinen Worten dann dem jeweils aktuellen Stand. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Eine Generalsanierung in der Zukunft kann dann auch Stück für Stück erfolgen.
Scheuerpflug empfindet den Sportpark, obwohl er vorher anders gestimmt hat, nicht mehr als geeigneten Standort. Er habe das Gefühl, dass die Verwaltung mit Gewalt zurück zum Sportpark wolle. „Diese Beschuldigung weise ich massiv zurück“, konterte Bürgermeister Schmoll. „Wir haben eher versucht, die Varianten auf dem Altstandort noch schönzurechnen.“ Aber: „Es widerspricht jeglicher Realität.“
Der Rathauschef erklärte zudem, dass die Verwaltung viele Annahmen von Scheuerpflug widerlegt habe – zum Beispiel, dass die Statik der Grundschule keine weiteren Lasten mehr verträgt, Stichwort Photovoltaikanlage. „Sie gehen also davon aus, dass wir alle Müll reden?“ Scheuerpflug: „Ich glaube, man kann viele Punkte auch anders sehen.“
Im Gemeinderat zeigte sich kein eindeutiges Bild, welches Vorgehen letztlich zum Zug kommt. Ein Beschluss soll im April gefasst werden. Was aber etwa von Bernd Meyer (SPD), Georg Meier (Grüne) und Marcus Schomber (CSU) kritisiert wurde, ist der Umgang untereinander bei diesem Thema. Auch dass der Verwaltung nicht vertraut werde, sei keine Grundlage, betonte Schomber (weiterer Bericht folgt).