Die evangelische Gemeinde in Segringen feiert am Sonntag Kirchweih. Während bei diesem Anlass an die Wiederweihe von St. Vinzenz vor 20 Jahren und die damalige Innenrenovierung nach einem Orgelbrand erinnert wird, steht bereits die nächste Herausforderung an: ein Sanierungsprojekt mit einem Kostenvolumen von 1,5 Millionen Euro.
Eigentlich, so erzählt Pfarrer Dr. Markus Roth, wollte die Kirchengemeinde in dem Ortsteil von Dinkelsbühl nach der bereits längere Zeit zurückliegenden Erneuerung des Innenraumes nun das Äußere des Gotteshauses in den Blick nehmen. Aufgrund schadhafter Ziegel sollte das Dach neu eingedeckt werden. Ins Auge gefasst wurden zudem Arbeiten am Mauerwerk, bei denen beispielsweise Witterungsspuren am Turm, den die Segringer Glockenhaus nennen, beseitigt werden.
Im Vorgriff auf die gewünschte Dacheindeckung untersuchten schließlich Architekt Sepp Ruhland und ein Statiker die Tragfähigkeit des Dachstuhls. Dabei zeichneten die Fachleute ein alarmierendes Bild vom Zustand der Holzkonstruktion: Im Bereich des Langhauses traten erhebliche Schäden durch Feuchte und Pilzbefall zu Tage. „Die Schädigungen reichen von den Schwellen bis in die Auflagebereiche der Zerrbalken“, schreibt Ruhland in seinem Bericht. An den Traufpunkten müssen schadhafte Hölzer entfernt und die fehlenden Stellen ergänzt werden.
Architekt Ruhland wies außerdem auf eine nur noch eingeschränkte Begehbarkeit des Dachbereichs hin. Auf eine Nutzung als Lagerraum sollte nach Ansicht des Fachmannes sogar ganz verzichtet werden. Um das Tragwerk von Chor, Langhaus und Turm sanieren zu können, müssen die Außenfassaden eingerüstet werden.
Wie das Großprojekt finanziell gestemmt werden kann, ist derzeit noch unklar. Die Kirchengemeinde mit rund 900 Seelen, bei der die Baulast von St. Vinzenz liegt, müsse nach derzeitigem Stand eine Million Euro mobilisieren, sagt Pfarrer Roth. 500.000 Euro, inklusive der Zuschüsse, wolle die Landeskirche übernehmen.
In den geschätzten Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro sind die von der Kirchengemeinde angedachten Steinarbeiten im Außenbereich und die neue Dacheindeckung bereits enthalten. Im Sommer werde eine Kommission vor Ort sein, berichtet Markus Roth. Dann soll die Finanzierung besprochen werden. Womöglich, so Roth, werde das Projekt in Abschnitten gestemmt. Auch die Möglichkeiten für Eigenleistungen sowie für weitere Zuschüsse müssten noch eruiert werden. Dabei sei die Verwaltungsstelle behilflich.
Von außen könne der Laie die immensen Schäden an der Statik des geschichtsträchtigen Kirchenbaus freilich nicht erkennen, erläutert Pfarrer Roth und hebt die Bedeutung des Bauwerkes hervor, an dem sich annähernd tausend Jahre Kirchengeschichte ablesen ließen. Die urkundliche Ersterwähnung Segringens geht auf das Jahr 1164 zurück. Die Kirche wird in ihren ältesten Teilen auf 1180 datiert.
Im Dezember 2002 war es zu dem eingangs erwähnten Brand auf der Empore gekommen. Die dann erforderliche Innenrenovierung wurde bis zur Kirchweih im Jahr 2004 abgeschlossen. So gibt es am Kirchweihsonntag, 14. April, einen Blick zurück, aber auch einen nach vorn auf das bevorstehende Projekt, das für die Gemeinde ein finanzieller Kraftakt ist und bei dem sie auch auf Spenden angewiesen sein wird.
Am Sonntag findet um 10 Uhr in St. Vinzenz ein Festgottesdienst statt. Um 11 Uhr folgt ein Minigottesdienst und um 17 Uhr ein Gospelkonzert mit dem Wassertrüdinger Chor „more than words“. Die Hälfte der Spenden ist für die Segringer Kirche bestimmt. Das Konzert ist gleichsam der Auftakt zur Spendenaktion der Kirchengemeinde.