Seit weit mehr als einem Jahrzehnt war der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses im Ansbacher Ortsteil Neuses im Gespräch. Nun sollen die Überlegungen tatsächlich konkret werden: Der Bauausschuss des Stadtrates brachte ein neues Domizil für die ehrenamtlichen Brandschützer auf den Weg. Für viel Geld.
1899 wurde die Wehr in dem am westlichen Rand Ansbachs an der B13 gelegenen Ort gegründet, rund 125 Jahre später dürfen die aktuellen Aktiven jetzt darauf setzen, dass eine lang kursierende Idee realisiert wird. Auf dem Platz der in die Jahre gekommenen Immobilie, die abgerissen wird, soll ab Ende 2025 ein modernes Feuerwehrgerätehaus entstehen.
„Im Prinzip ist das ein relativ großes Einfamilienhaus“, beschrieb Dr. Frank Simons, Leiter Hochbauamt und Bauordnungsamt der Stadt, den geplanten Neubau, der nach einem Vor-Ort-Termin mit den Verantwortlichen der Feuerwehr und einem Fachplaner in Holzständerbauweise errichtet werden soll. „Das Gebäude wird an die dörfliche Struktur angepasst“, versprach Simons in Bezug auf die beinahe idyllische Umgebung in Neuses.
Die Eckdaten lesen sich entsprechend einfach und formal: geschlechtergetrennte Umkleiden, eine Unisex-Toilette, zwei Stellplätze, ein Schulungszimmer und ein Aufenthaltsraum unter dem Giebel. Die vorgesehene Dachterrasse, sicher nicht essenziell für die Grundbedürfnisse einer Wehr, ist eine Art willkommener Beifang: Dieser Aufenthaltsplatz ergebe sich aus der baulichen Struktur, führte Simons aus.
Derzeit gehören der Wehr in Neuses, die von Frank Schlötterer kommandiert wird, 50 aktive Mitglieder an, darunter sieben Frauen. Ihre Einsätze bestreiten die Brandschützer mit einem Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSF-W), das in Strüth stationiert ist. Zwei Tragkraftspritzenanhänger sind bislang in den Gerätehäusern in Neuses und Wasserzell untergebracht. Teil der Planungen ist dabei, dass das Gebäude in Wasserzell aufgelöst wird und im Neubau in Neuses aufgeht.
Die dafür anfallenden Kosten bezifferte Hochbauamt-Chef Simons nach aktuellem Stand auf rund 1,7 Millionen Euro. Die Förderung auf Grundlage der Feuerwehrzuwendungsrichtlinie des Freistaates beträgt 254.000 Euro – ein entsprechender Antrag soll bis Januar 2025 eingereicht werden, was den Eigenanteil der Stadt immerhin minimiert. Doch auch so musste wohl nicht nur Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) aufgrund der Kalkulation schlucken.
„Das ist preislich schon eine Hausnummer. Das ist nicht schön, was so etwas kostet“, meinte Deffner in Anspielung auf die Kassenlage der Stadt, die sich in den folgenden Jahren nach Auskunft der Kämmerei in der jüngsten Vorberatung zum Haushalt noch deutlich verschlechtern dürfte.
Auf der anderen Seite verteidigte Deffner die hohe Ausgabe, schließlich opferten die ehrenamtlichen Feuerwehrler ihre Freizeit und stünden zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, um drohenden Gefahren zu begegnen. Die Konsequenz für das Stadtoberhaupt ist klar: „Es ist unsere Verpflichtung, für eine entsprechende Ausstattung zu sorgen.“
Allerdings, das räumte auch der Oberbürgermeister ein, soll doch noch „die ein oder andere Kostenoptimierung“ geprüft werden. „Darüber werden wir noch einmal sprechen“, kündigte Deffner vor einer noch ausstehenden Zusammenkunft der Bauverwaltung mit Stadtbrandrat Steffen Beck an. Den Dachausbau wird die Feuerwehr Neuses selbst übernehmen, diese Eigenleistung ist bereits geregelt.
BAP-Stadtrat Dr. Norbert Bucka, als Notarzt bestens vertraut mit den örtlichen Gegebenheiten, sprach sich im Ausschuss ebenfalls sehr deutlich für einen Neubau aus. Die bisherigen Gerätehäuser in Neuses und Wasserzell seien stark in die Jahre gekommen und „mehr oder minder baufällig“, schilderte Bucka in deutlichen Worten den aktuellen Zustand.
Obendrein sei die Wehr in Neuses mit der in dem Bereich unfallträchtigen Bundesstraße 13 sowie den drei in der Nähe liegenden Kliniken so etwas wie die letzte Bastion Ansbachs im westlichen Ausläufer der Stadt. Entsprechend nannte Bucka den nun erfolgten Baubeschluss „eine strategische Entscheidung“, die angeraten sei: „Weiter warten wird nicht billiger.“
Ein Vorvertrag mit einem Nachbarn besteht bereits, einen Teil seines Grundstücks für die Neubaufläche zu erwerben. Eine zusätzliche Erweiterung ist jedoch ausgeschlossen. „Das ist der einzige Wermutstropfen. Aber wir sind froh, dass da endlich der Deckel drauf ist“, resümierte Gerhard Sauerhammer (CSU).