Sie stehen beinahe da, als wären sie erst vorgestern vom Band gelaufen: Der Star beim Traktortreffen im Rahmen des Heubergfestes in Bertholdsdorf war ein 84-Jähriger.
Ein „Deutz F2 M315“, so die exakte Bezeichnung des Herstellers, glänzt in seiner originalgetreuen grauen Lackierung im Sonnenlicht. Baujahr 1940 weißt das gewienerte Typenschild im Fahrzeuginneren aus, top restauriert, entsprechend funktionstüchtig und zugelassen: fraglos ein Schmuckstück.
Hier finden Sie mehr Fotos des Oldtimer-Treffens.
Noch zwei Jahre mehr auf dem Buckel hat ein Hanomag gleich ein paar Meter weiter, vier Freunde dieser beinahe schon historischen Fahrzeuge fachsimpeln davor. „Hydraulische Breme, alle vier Räder“, sagt ein Mann und lässt das so anerkennend wie nur irgendmöglich klingen. „Stimmt“, sagt ein anderer nach Begutachtung der Vorderräder und der ebenfalls dort verbauten Hydraulikbremse und packt den Eindruck der Experten in einen Satz: „Wow, damit kann man auf die Arbeit fahren.“
Auch Willi Scheuerpflug ist begeistert von Traktoren, die in Franken nach einem ehemaligen Ackerschlepper nur Bulldog genannt werden. Scheuerpflug ist heute zu dem Fest mit seinem Schlüter, Baujahr 1957, die paar Kilometer aus Petersaurach her in den kleinen Gemeindeteil von Windsbach gefahren.
Wobei „Fahrt“ falsch wäre, macht der 64-Jährige schnell klar: Genuss trifft es schon eher, wenn Scheuerpflug auf einen seiner insgesamt sechs „Kracher“, wie er sie liebevoll nennt, bei sich zu Hause steigt. „Dann fahre ich abends eine Stunde ´rum, das ist für mich Entspannung.“
Rund 20 Traktoren stehen hier am Ortsrand von Bertholdsdorf so fein säuberlich aufgereiht, als möchten sie gleich über die nahen Äcker pflügen. Könnten sie wohl auch noch, wenn sie müssten. Jedes Fahrzeug tuckert satt vor sich hin – die Besitzer stecken viel Zeit in ihr liebstes Hobby. Etwa in die Suche nach Ersatzteilen und in die Wartung der Motoren. „Da steckt Herzblut drin“, versichert Scheuerpflug.
Nicht wenige aus den Reihen der Liebhaber dieser alten Traktoren sind in der Landwirtschaft aufgewachsen. „Da bist du als kleiner Bub draufgesetzt worden und musstest lenken. Nach und nach bist du da eingespannt worden“, erinnert er sich an seine Kindheitstage und die erste Begegnung mit so einem schnaubenden Gefährt. Heute lacht er darüber, geblieben ist sein Faible dafür. „Das hast du dann im Blut.“
Gerade tuckert Johann Peipp mit einem Eicher-Diesel gemächlich aufs Gelände. Der 81-Jährige kommt aus Dechendorf und pflegt seine Leidenschaft im dortigen Humboldt-Club, benannt nach einem ehemaligen Hersteller. Sein Oldtimer wurde 1964 gebaut. „Das weiß ich genau. Da wurde mein erster Sohn geboren.“
Peipp lächelt verschmitzt hinter seiner verspiegelten Pilotenbrille, die er zur schwarzen Lederjacke und der grünen Baseball-Cap gewählt hat. Fraglos auch ein König der Landstraße. „Ich habe ein Drittel meines Arbeitslebens darauf verbracht“, erzählt Peipp und klingt ein wenig stolz, als er davon berichtet, dass sein Eicher-Diesel auch im sechsten Jahrzehnt beim Kartoffel-Stecken und der Heu-Ernte gute Dienste tut.
„Wir achten auf unsere Fahrzeuge“ gibt Willi Scheuerpflug noch mit auf den Weg: „Wenn du das Alte pflegst, musst du nichts Neues kaufen, hat es immer geheißen.“