Der Hennen-Schlachthof in Wassertrüdingen, der wegen massiver Tierschutzverstöße in der öffentlichen Kritik steht, bestätigt, dass es sich um seine Mitarbeiter handelt, die in Videoaufnahmen einer Tierrechtsorganisation Hühner quälen.
Die Tierrechtsorganisation Aninova hatte Aufnahmen veröffentlicht, in denen Tiere geboxt, getreten, mit Eisenstangen geschlagen werden und ihnen der Hals umgedreht wird. Mit insgesamt fünf versteckten Kameras soll ein Rechercheteam über 500 Stunden Videomaterial gesammelt haben. Die Aufnahmen sind in der Lebendannahme des großen Schlachthofs in Wassertrüdingen entstanden, teilte der Anwalt des Unternehmens auf Nachfrage der Redaktion mit.
Einen Zusammenschnitt der Aufnahmen von etwa 25 Minuten habe Aninova den Betreibern des Schlachthofs übermittelt. Darauf seien vier Mitarbeiter der Lebendannahme zu sehen, die „zum Teil sehr gravierende Tierschutzverstöße begangen haben”, räumt der Anwalt ein. Diese vier der insgesamt 16 Mitarbeiter habe das Wassertrüdinger Unternehmen „umgehend freigestellt” und ihnen am Dienstag gekündigt. „Über weitere Schritte wird kurzfristig entschieden werden”, heißt es in der Stellungnahme.
An jedem Schlachttag sind Tierärzte des Veterinäramts Ansbach vor Ort. Nach Angaben des Landratsamts sind in letzter Zeit keine Verstöße entdeckt worden. Eine Kontrolle durch die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) am vergangenen Donnerstag habe keine Auffälligkeiten ergeben, so der Anwalt des Hennen-Schlachthofs.
Jedoch liegen der Redaktion Informationen vor, dass in der Vergangenheit Verstößen gegen das Tierschutztransportrecht von Behördenseite nachgegangen wurde.
Zusätzlich zu den amtlichen Tierschutzkontrollen ist der Betreiber verpflichtet, einen eigenen Tierschutzbeauftragten anzustellen, so das Landratsamt Ansbach. Der Betrieb in Wassertrüdingen verfüge über einen solchen Beauftragten. „Der Tierschutzbeauftragte hat zur Aufgabe, die Kontrolle des eingesetzten Personals und die Einhaltung und Eignung der Arbeitsanweisungen sicherzustellen”, so die Behörde. Mehrfach pro Tag würden seit Jahren Tierschutzkontrollen in dem Hennen-Schlachthof stattfinden, informiert dessen Anwalt. Alle 16 Mitarbeiter der Schlachtabteilung seien geschult und würden über den erforderlichen Nachweis für den Umgang mit den Tieren verfügen.
Der Schlachtbetrieb ist aufgrund der aktuellen Vorwürfe bis auf Weiteres eingestellt. Neues Geflügel für die Schlacht darf ebenfalls nicht angenommen werden. „Wann die Schlachtungen wieder aufgenommen werden, ist momentan nicht absehbar”, so das Unternehmen. Dennoch dürften die fertigen Tiefkühl-Geflügelprodukte weiterhin ausgeliefert werden, heißt es.
Bei der Staatsanwaltschaft Ansbach war am Montag eine Strafanzeige von Aninova gegen einzelne Mitarbeiter des Betriebs eingegangen, wie Oberstaatsanwaltschaft Jonas Heinzlmeier noch am selben Tag bestätigt hatte. Diesbezüglich schreibt der Anwalt des Schlachthofs: „Selbstverständlich unterstützt unsere Mandantin die KBLV und die Staatsanwaltschaft umfassend bei der Aufklärung aller Vorwürfe.”