Eine Schleppjagd ist kein Wettbewerb. Die Freude am reitsportlichen Erlebnis in reizvoller Landschaft steht für die Teilnehmenden im Vordergrund. Anspruchsvoll sei sie aber durchaus wieder gewesen, die Auflage 2024 in Schillingsfürst, erklärte Mitorganisator Armin Schöbel aus Ansbach.
Ziel solcher jagdlichen Spezialveranstaltungen ist es nicht, Wildtiere aufzuspüren und zu erlegen. Diese Spektakel sind vielmehr unblutige Angelegenheiten mit reinem Freizeitcharakter. Das Teilnehmerfeld bewegt sich über eine durch Auslegung einer Hundefährte vorgegebene Strecke. Das erledigt der vorausreitende Schleppenleger.
Später setzt sich die aus Vertretern der organisierenden Vereine bestehende Equipage mit den Hundemeuten in Bewegung. Hinter dieser Gruppe folgt das Feld mit allen übrigen Teilnehmenden.
Zusammen mit etwas mehr als 40 Hunden der Rasse Beagle gingen laut Schöbel rund 45 Reiterinnen und Reiter an den Start. Viele davon gehören den beiden die Schleppjagd veranstaltenden Gruppen an. Das sind für die Schillingsfürster Veranstaltung dieser Art traditionell der Verein Frankenmeute mit Sitz in Bad Königshofen, der auch Mitglieder in Stadt und Landkreis Ansbach hat, und die befreundete Organisation Vogelsbergmeute e. V. aus Hessen.
Eine wichtige Rolle kommt bei einer Schleppjagd der Jagdherrschaft zu. Diese Aufgabe teilten sich bei dem Schillingsfürster Spektakel zum dritten Mal die Familien Girg aus dem oberbayerischen Weilheim, Skarday aus Augsburg und Tiefenthaler aus Creglingen. Mitgliedern dieser Familien kam auch die Ehre zu, das Jagdfeld hinter Equipage und Hundemeute anzuführen.
Ältester Teilnehmer zu Pferd war der 84-jährige Benno Fischer, der in der Nähe von Roth lebt. Die weiteste Anreise hatten mit über 300 Kilometern Gäste aus dem Westerwald.
Bevor es auf die Strecke ging, wurde das Jagdfeld standesgemäß im Schlosshof begrüßt. Für die musikalische Begleitung sorgte das in Lauf an der Pegnitz beheimatete zehnköpfige Ensemble „Trompes Franconiennes“. Die Spezialhörner dieses Namens, die in dieser Gruppe gespielt würden, hätten eine lange Tradition, erklärt Armin Schöbel. Sie seien in früheren Zeiten bei Hetzjagden als Kommunikationsmedium der einzelnen Gruppen untereinander zum Einsatz gekommen.
Bei der Eröffnung im Schlosshof erläuterte Frankenmeute-Präsident Dr. Armin Kirchdorfer, was den Reiz einer Schleppjagd ausmacht. Es sei diese besondere Symbiose zwischen Traditionspflege und modernem Pferde- und Hundesport, meinte er. Bürgermeister Michael Trzybinski bezeichnete das Spektakel als bedeutenden Termin im Veranstaltungskalender der Stadt und wünschte einen guten Verlauf. Pfarrerin Birgit Schwalbe segnete das Jagdfeld.
All das habe offenbar gefruchtet, meinte hinterher Armin Schöbel, denn auf der Strecke sei nichts Gravierendes passiert. Einer Reiterin sei zwar ein Malheur in Form eines Sturzes zugestoßen. Ihr Pferd und sie seien aber unverletzt geblieben und weitergeritten.
Die Strecke mit ihrem abwechslungsreichen Geländezuschnitt und zehn zusätzlich aufgestellten Hindernissen sowie der teilweise relativ weiche Boden hätten dem Teilnehmerfeld durchaus einiges abverlangt, meinte Armin Schöbel. Das mache aber auch den besonderen Reiz der Schillingsfürster Veranstaltung aus und verhelfe ihr zu einem guten überregionalen Ruf.
Im nächsten Jahr sei in jedem Fall wieder eine Schleppjagd in Schillingsfürst geplant, so Schöbel, der ausdrücklich auch den Landwirten dankte, „die uns entgegenkommen und den Ritt über ihre Grundstücke erlauben“.