Die Sonne schien an jenem Tag, der das Leben einer kleinen Familie aus Gerhardshofen für immer verändern sollte. Roman Belender, 33 Jahre alt, wollte früher Feierabend machen, das Wetter fürs Cabrio nutzen und seinen Sohn Levi aus dem Kindergarten abholen. Was dann passierte, hat aus dem jungen Vater einen Rollstuhlfahrer gemacht.
Seine Partnerin Olivia Trzcinski, 33 Jahre alt, erinnert sich genau an den Moment, als die Ahnung zur Gewissheit wurde. Sie hatte Roman Belenders Strecke im Sinn, als im Radio die Meldung kam, dass die B8 wegen einer Hubschrauberlandung gesperrt sei. Sie schrieb ihm schnell eine WhatsApp – doch die Häkchen blieben grau, er hat sie nicht gelesen. „Ich habe es sofort gespürt, dass die den Hubschrauber wegen Roman angefordert hatten“, sagt sie. Während sie zu Hause bangte, war der Rettungshubschrauber bereits auf dem Weg ins Nürnberger Südklinikum.
Roman Belender schildert den Unfall nüchtern: Auf Höhe von Emskirchen habe plötzlich Starkregen eingesetzt. Als er einfädeln musste, klappte das nicht – er überholte. Dann kam das Aquaplaning, das Heck brach aus, er erinnert sich nur noch an einen Schlag gegen den Kopf, dann wurde alles schwarz.
Als er wieder zu sich kam, merkte er es bereits: Er konnte seine Beine nicht mehr spüren. Der dominante Gedanke jedoch war ein anderer: Jemand müsse dringend seinem Vater Bescheid sagen, dass Levi noch im Kindergarten wartet.
In der Klinik dann operierten ihn zwei Ärzteteams insgesamt acht Stunden lang. Eine gequetschte Lunge, gebrochene Rippen, eine zerfetzte Speiseröhre – die Chirurgen stabilisierten Roman Belender Stück für Stück. Doch das Gefühl in den Beinen kehrte nicht zurück. Wenige Tage später wurde er in die renommierte Unfallklinik Murnau verlegt.
„Genau an dem Tag, an dem wir eigentlich den Ferienflieger nach Thailand nehmen wollten“, erzählt Olivia Trzcinski. Sie habe damals noch gehofft, ihr Lebensgefährte werde bald wieder laufen können, doch die Murnauer Ärzte machten diese Hoffnung zunichte: Das MRT und die elektrophysiologische Diagnostik zeigten irreversible Nervenschäden. Die Diagnose lautet: kompletter Querschnitt auf Höhe des vierten Brustwirbels, Roman Belender werde nie wieder laufen können.
„Ab dem Zeitpunkt haben die Therapeuten mich bloß noch für den Rollstuhl geschult“, sagt Roman Belender. Doch er zweifelt an der Endgültigkeit dieses Urteils. Denn wenn seine Lebensgefährtin ihn berührt, spürt er es – anders als es sich früher angefühlt hat, aber deutlich. Die Ärzte winkten ab: Die motorischen Fasern reagierten nicht, nur wenige seien noch aktiv. Doch das junge Elternpaar will das nicht einfach hinnehmen.
Sie recherchieren im Internet: Israel und Brasilien gelten weltweit als führend bei der Erforschung von Therapien zur Reaktivierung geschädigter Nerven – durch die Programmierung von Stammzellen aus Eigenfett oder durch modernste Operationstechniken. Die Erfolge internationaler Forscher gaben dem Paar neuen Mut.
Und tatsächlich: Nach einer ersten Kontaktaufnahme und der Übersendung aller Unterlagen, antworten die israelischen Spezialisten: Roman Belender sei demnach grundsätzlich für ihre Therapie geeignet. Doch diese Hoffnung hat einen hohen Preis. Allein die Behandlung in Israel kostet rund 125.000 Euro – darin nicht eingerechnet sind Flüge und Unterkunft, denn Olivia Trzcinski und Sohn Levi würden ihn begleiten.
Zu Hause prägen bereits jetzt Hilfsmittel den Alltag: Treppenlift, Pflegebett im Wohnzimmer, Geräte zur Muskel- und Nervenstimulation, Medikamente, der Rollstuhl. Auch beim vierjährigen Levi hat das alles Spuren hinterlassen. Er sieht täglich, was die Lähmung des Vaters bedeutet. Das Paar kämpft nicht zuletzt auch für ihn.
Olivia Trzcinski hat deshalb eine Spendenkampagne gestartet: „Wenn ein Moment alles verändert – und wir nicht aufgeben“. Der Titel ist Programm. Zudem hoffen sie darauf, dass das FLZ-Leserhilfswerk ebenfalls etwas beisteuert. „Jede Spende zählt“, sagen die beiden. Roman Belender hat dabei noch einen ganz besonderen Ansporn: „Denn dann werde ich niederknien und Olivia den romantischsten Heiratsantrag machen.“
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