„Bei uns muss eigentlich jeder alles können“, sagt Wolfgang Schütz, Vize-Leiter des Kreisbauhofs in Scheinfeld. Und noch etwas ist dringend nötig, wenn man dem Team angehören will: Man muss anpacken können, belastbar sein und darf Regen, Schnee, Kälte oder Hitze nicht scheuen.
Die Arbeit ist trotz vieler technischer Hilfsmittel oft noch körperlich anstrengend. Trotzdem gefällt sie Wolfgang Schütz und seinen Kollegen. Sie schätzen die Abwechslung, welche die Tätigkeit im Kreisbauhof bietet. Kaum ein Tag ist wie der andere, mit Unvorhergesehenem ist eigentlich ständig zu rechnen. Da gilt es etwa, nach einem Sturm einen umgefallenen Baum von der Fahrbahn zu entfernen, bei Unfällen auf Kreisstraßen Absperrungen und Absicherungen zu tätigen. Wenn es sich um schwere Kollisionen handelt, bedeutet es, auch nachts ausrücken zu müssen. Ja, auch das gehört dazu.
Früh aufstehen heißt es witterungsbedingt auch oft in der kalten Jahreszeit. Wenn der Streckendienst, der sich gegen 3 Uhr zur Kontrollfahrt auf den Weg macht, feststellt, dass Eis und Schnee eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer darstellen, werden die Kollegen informiert. „Vorbeugend streuen wir nicht, erst wenn feststeht, dass es erforderlich ist“, betont Schütz.
Die erste Tour dauert rund vier Stunden. Die zweite Schicht ist bis spät nachts unterwegs und sorgt für geräumte und gestreute Fahrbahnen. Ansonsten ist das Team des Kreisbauhofs in der Regel montags bis donnerstags von 7 bis 16.30 Uhr im Einsatz, freitags bis etwa 12 Uhr.
Etliche der Beschäftigten sind wie der 58-jährige Wolfgang Schütz Quereinsteiger. Er ist gelernter Maurer und schon 23 Jahre beim Kreisbauhof dabei. Andere Kollegen absolvierten zuvor etwa Ausbildungen – ob als Maurer oder Zimmerer, Elektriker, Gärtner oder Maler. Gefragt sind auch Kfz-Mechatroniker für den Fuhrpark und die Gerätschaften. Die Vielzahl der Berufe zahlt sich aus. „So können wir viel selbst machen.“
Beim Kreisbauhof wird zudem ausgebildet – und zwar zum Straßenwärter. Derzeit gibt es einen Lehrling. Aktiv werden können auch Frauen, bisher ist man jedoch eine reine Männerrunde. Diese ist jedoch flexibel.
Zu den Aufgaben des Kreisbauhofs gehört auch die Streckenkontrolle. Rund 400 Kilometer Kreisstraßen werden betreut. „Eine ganz schöne Menge“, stellt Schütz fest. Das wird bei der Runde deutlich, bei der ihn unsere Redaktion begleiten darf. Doch bevor es im orangenen Fahrzeug auf Tour geht, steht ein Rundgang über das weitläufige Gelände des Kreisbauhofs in Scheinfeld auf dem Programm. Dabei fallen der üppige Fuhrpark und das große Materiallager ins Auge.
Alles vom Lastwagen über Unimogs, Bagger, Baugeräte bis hin zu Mäh- und Streugerätschaften – einfach alles, was auf dem Hof lagert und schon im Einsatz ist – wird dringend gebraucht, muss gewartet und bei Bedarf repariert werden. In einer Halle hängen – fein säuberlich geordnet – Unmengen an Verkehrsschildern. „Die benötigen wir alle“, stellt der stellvertretende Leiter fest.
Wieder im Gebäude angekommen, wo unter anderem Verwaltung, Aufenthaltsraum, Umkleiden, Trockenraum für die Arbeitssachen, Büros und Sanitärräume untergebracht sind, zeigt Schütz den Jahresplan, den es abzuarbeiten gilt. Die Liste ist lang: Gräben putzen und mähen, Fugen vergießen, Froschzäune installieren, Rohrköpfe reinigen. Als man im Frühjahr den Unrat einsammelte, kamen Unmengen zusammen. Weniger scheint es nie zu werden.
Nach dem Winter müssen die Streuer gereinigt und die Salzhaufen weggefahren werden. Dann heißt es zudem wieder: Bäume und Hecken zurückzuschneiden. Mit im Boot ist dann auch Richard Krämer, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt.
Die Kontrolle der Brücken ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe, die regelmäßig erledigt wird. Pflasterarbeiten an Schächten, das Reinigen von Rinnen und die Baumschau mit Richard Krämer halten das Bauhofteam bis in den Herbst auf Trapp. Es gilt zudem, Straßenschäden auszubessern und Bankette zu befestigen. „Den Deckenbau erledigt eine Fachfirma im Sommer, wenn die Temperatur passt.“ In den Aufgabenbereich fallen ferner Straßensperrungen. Schütz und seine Kollegen ärgern sich immer wieder über dreiste Autofahrer, die diese nicht beachten.
„Die fahren trotzdem durch, motzen und zeigen den Stinkefinger. Da muss man dann auch noch freundlich bleiben.“ Die Verkehrsteilnehmer seien früher entspannter gewesen. „Die Hemmschwelle sinkt“, merkt Kollege Frank Bruder an und weist darauf hin, dass man auch schon Autofahrer angezeigt habe, die Mitarbeiter sogar bedroht haben.
Viel zu tun haben auch immer die Maler. Sie kümmern sich um die Liegenschaften des Kreises, wie etwa das Landratsamt und Blockschülerheim sowie die Schulen, für die der Kreis zuständig ist. Bei der Tour durch den Landkreis sind zwei Maler am Neustädter Schulzentrum anzutreffen, wo sie gerade Schmierereien an der Überdachung entfernen. Am nächsten Tag sind wieder welche aufgetaucht. Das ist ärgerlich.
„Die Maler tragen die weiße Malerkluft.“ Die anderen Mitarbeiter sind, gut sichtbar, orange gekleidet. Auch bei Umzugsarbeiten und beim Winterdienst helfen die Maler. „Für den Zwei-Schicht-Betrieb im Winterdienst brauchen wir sie.“
Die Arbeitsbelastung am Kreisbauhof ist hoch. Das merkt man schnell. Was immer mehr zunimmt, ist die Verwaltung, resümiert Schütz, der bereits früh morgens schaut, ob jemand krank ist und der prall gefüllte Dienstplan für die Teams geändert werden muss. Es sieht gut aus: Alle sind an Bord.
Das Wetter ist für die an diesem Tag geplanten Arbeiten ideal. Vor Ort muss dann aber festgestellt werden, dass weiteres Arbeitsgerät benötigt wird und die Aufgabe erst am nächsten Tag fortgesetzt werden kann. So ist es beispielsweise am Landratsamt, an dem zwei Leute einen Lichtschacht entfernen sollen. Sie werden ihre Arbeiten erst am Folgetag mit der benötigten Motorflex fortsetzen können, die derzeit andernorts im Einsatz ist. Dann ist wieder einmal Flexibilität gefragt – an Arbeit mangelt es jedenfalls auch an anderer Stelle nicht. Die nächste Baustelle wartet bestimmt – so lautet das Kreisbauhof-Motto.