Schärferes Handyverbot in Schulen: So gehen Ansbacher Lehranstalten damit um | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 18.10.2025 06:58

Schärferes Handyverbot in Schulen: So gehen Ansbacher Lehranstalten damit um

Spiele am Handy begeistern viele Jugendliche, das Suchtpotenzial ist dabei hoch. Laut Studien hängen Jugendliche in Deutschland im Durchschnitt täglich über fünf Stunden am Smartphone.  (Foto: Lara Hausleitner)
Spiele am Handy begeistern viele Jugendliche, das Suchtpotenzial ist dabei hoch. Laut Studien hängen Jugendliche in Deutschland im Durchschnitt täglich über fünf Stunden am Smartphone. (Foto: Lara Hausleitner)
Spiele am Handy begeistern viele Jugendliche, das Suchtpotenzial ist dabei hoch. Laut Studien hängen Jugendliche in Deutschland im Durchschnitt täglich über fünf Stunden am Smartphone. (Foto: Lara Hausleitner)

Viele Jugendliche hängen ständig am Handy. Daher wird der Ruf lauter, Smartphones aus der Schule zu verbannen. Das fordert auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: Erst ab der achten Klasse soll die private Handy-Nutzung künftig gestattet sein. An manchen Ansbacher Schulen gilt diese Regel schon längst – auch für höhere Klassen.

Derzeit schließt das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz eine private Handy-Nutzung nur an Grundschulen aus. An weiterführenden Schulen obliegt die Entscheidung der jeweiligen Bildungseinrichtung. Die Folge ist, dass bayernweit ganz unterschiedliche Regeln gelten: vom kompletten Handyverbot auf dem Schulgelände oder dem Verbot nur für Schülerinnen und Schüler der unteren Klassen bis zum Verbot von Handy-Spielen, während etwa das Abrufen von Mails gestattet ist. Laut Söder soll das grundsätzliche Verbot nun von Grundschulen auf die Unterstufe an weiterführenden Schulen und somit bis zur 7. Klasse ausgeweitet werden.

Wir haben an einigen Ansbacher Schulen nachgefragt, wie aktuell vorgegangen wird, um die Jugendlichen im schulischen Alltag vom Mobiltelefon weitgehend fernzuhalten und zu verhindern, dass in Pausen und Freistunden ununterbrochen gechattet oder exzessiv am Handy gespielt wird.

Ausgewiesene Zonen fürs Smartphone

Am Theresien-Gymnasium dürfen Handys nur in zwei ausgewiesenen Bereichen privat genutzt werden, berichtet Schulleiterin Andrea Pfeiffer. „Das ist zum Beispiel ein überdachter Bereich im Freien, der speziell gekennzeichnet ist. Hier dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Handys bis morgens um 7.55 Uhr und in den Pausen verwenden.”

Allerdings gibt es am Theresien-Gymnasium Tablet-Klassen bereits ab der Unterstufe; die Nutzung von Tablets ist also zum Lernen erforderlich und daher im Schulhaus erlaubt. „Das ist eine Grauzone, weil die Tablets zwar Filter drauf haben, aber manche Schülerinnen und Schüler trotzdem Schlupflöcher finden“, sagt Pfeiffer. Eine Nutzung der Tablets ausschließlich für schulische Zwecke sei somit nicht immer garantiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kompletter Handy-Entzug an der Fachoberschule

An der Ansbacher Fachoberschule sind die Smartphones der Schülerinnen und Schüler während der Unterrichtszeit abzugeben, erklärt Schulleiter Gernot Helmreich. Die Geräte werden eingesammelt und in eine Tasche gepackt. „Der Grund für das scharfe Durchgreifen ist, dass die Handys ein wahnsinniger Störfaktor für die Konzentration sind”, so Helmreich. Wenn das Smartphone zwar ausgeschaltet, aber griffbereit sei, hätten viele Jugendliche den Drang, immer wieder nach neuen Nachrichten zu schauen. Die Schülerinnen und Schüler müssten dann ständig zur Toilette – um dort das Handy zu checken.

Die Abgabe-Pflicht habe anfangs zu Diskussionen geführt, erzählt Helmreich. „Manche Schüler haben reagiert, als müssten sie mit ihrem Telefon einen Teil ihrer Identität abgeben.” An der FOSBOS Triesdorf, die Helmreich ebenfalls leitet, werde auf ein Einsammeln der Mobiltelefone verzichtet, die Geräte müssen aber ausgeschaltet bleiben. Ein komplettes Handy-Verbot solle es weder in Ansbach noch in Triesdorf geben, weil die Schülerinnen und Schüler von FOS und BOS bereits 16 Jahre und älter seien, so der Schulleiter. „Wenn wir bei uns jüngere Schüler hätten, würde ich mich für ein Verbot einsetzen.”

Demokratische Abstimmung am Carolinum

Am Gymnasium Carolinum galten bisher verschiedene Handy-Nutzungskonzepte für die unterschiedlichen Klassenstufen, was nun unabhängig von Söders Vorstoß geändert worden ist. „Unsere neue Regelung wurde zuerst im Schülerparlament diskutiert und Handlungsbedarf gesehen”, fasst Schulleiter Stefan Exner zusammen. „Im Entscheidungsprozess wurden Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schülerinnen und Schüler beteiligt. Im Schulforum wurde auf Bedenken der Schülerinnen und Schüler eingegangen.” Dieses Schulforum, ein Gremium an allen weiterführenden Schulen, muss beim Thema Hausordnung grundsätzlich eingebunden werden – somit auch bei der Frage nach der Handynutzung im Schulhaus.

Die einstimmige Entscheidung am „Caro” laut Exner: „Handyverbot auf dem Schulgelände und während der Unterrichtszeit. Für die Jahrgangsstufen 10 bis 13 wird ab 13 Uhr ein Arbeitsraum zur Verfügung gestellt zur Nutzung des internetgestützten Arbeitens.” Auch die Lehrkräfte sind angehalten, auf den Fluren ihre Mobiltelefone nicht zu verwenden.

Kontrolle im Einzelfall schwierig

„Am Platen-Gymnasium ist die Nutzung digitaler Endgeräte in Pausen und Freistunden in bestimmten Zonen erlaubt”, schildert Schulleiter Tobias Herber. Allerdings sind auch in diesen Bereichen Handy-Spiele untersagt. „Die Kontrolle ist im Einzelfall schwierig”, räumt Herber ein. „Man entwickelt aber ein gewisses Gespür, wenn zum Beispiel Schüler im Pulk zusammenstehen. Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Debatte zu Handys in der Schule müssen wir das Thema neu diskutieren.”

In der Johann-Steingruber-Realschule bleiben die Mobiltelefone immer und überall ausgeschaltet, erklärt Schulleiter Thomas Häckel. „Die Ausnahme sind Anrufe daheim zum Beispiel bei Krankheit. Dafür darf das Handy verwendet werden, allerdings nur im Sekretariat.” An der Luitpoldschule kommen die Smartphones seit dem vergangenen Schuljahr vor Unterrichtsbeginn in „Handy-Garagen”, wie Schulleiterin Jenny Weid berichtet. Anfangs habe es Proteste gegeben, aber mittlerweile „bekommen wir die Rückmeldung von Schülerinnen und Schülern, dass sie sich besser konzentrieren können”. Wird ein Jugendlicher mit einem Handy erwischt, wird es eingezogen – und die Eltern müssen es abholen.

Gezielter Einsatz im Unterricht ist möglich

All diese Vorschriften gelten nur für die private Nutzung, wie die befragten Schulleiterinnen und Schulleiter betonen. Denn es sei es natürlich möglich, Smartphones gezielt im Unterricht einzusetzen – etwa um mit Erlaubnis der Lehrkraft Lern-Apps zu verwenden. Mithilfe der Regeln solle die Ablenkung vermindert werden; Ziel sei es nicht, einen Rückschritt beim digitalen Lernen einzuleiten.

Zahlen, die auf dem Deutschen Schulportal der Robert-Koch-Stiftung aufgelistet sind und auf verschiedenen Studien basieren, verdeutlichen, wie sehr das Smartphone das Privatleben von Jugendlichen bestimmt. Demnach verbringen Jugendliche in Deutschland pro Woche fast 37 Stunden am Smartphone, also jeden Tag durchschnittlich mehr als fünf Stunden. 50 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen erhalten täglich rund 240 Nachrichten. Ein Viertel dieser Nachrichten gehen während der Schulzeit ein. Und etwa 25 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen nutzen Social-Media-Dienste so intensiv, dass ein Risiko für die physische oder psychische Gesundheit besteht.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
north