Jedes Jahr dasselbe Spiel: Voluminöse Daunenmäntel, dicke Rollkragenpullover und Cardigans weichen früher oder später leichteren Stücken - und ziehen am besten in ein Sommerquartier, um Platz im Schrank zu schaffen. „Wenn die Temperaturen über mehrere Tage stabil bleiben – im Frühjahr meist ab circa 15 Grad – ist der ideale Moment“, sagt die Personal Stylistin Ines Thömel.
Dann die Wintersachen einfach fix in Kisten zu werfen, ist aber keine gute Idee. „Winterkleidung sollte sauber und trocken sein, bevor sie eingelagert wird“, so Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale NRW. Getragene Strickteile oder ungewaschene Jacken aus Wolle können sonst Motten anziehen – laut Effers ein häufiger Fehler. Am besten reinigt man die Kleidung also zunächst, lässt sie trocknen und lüftet sie gut aus.
Und: Wie es für unterschiedliche Materialien individuelle Waschempfehlungen gibt, gibt es auch für die Lagerung der Teile jeweils bestimmte Tipps. Kleidung aus pflanzlichen oder synthetischen Fasern kann Effers zufolge zum Beispiel in Kartons, Kisten oder Koffern verstaut werden. Stücke aus Kaschmir oder Seide werden hingegen am besten in luftdicht schließenden Vakuumbeuteln aus dicker Folie aufbewahrt. Ein typischer Fehler wäre laut Effers eine getragene Strickjacke aus Wolle in den feuchten Keller oder in eine dunkle Ecke des Schrankes zu legen. „Das würde Mottenweibchen anlocken und wäre ein gefundenes Fressen für lichtscheue Mottenlarven.“
Stilberaterin Ines Thömel empfiehlt zudem „eine natürliche Mottenabwehr“: Zedernholz oder Lavendel. Das schütze, ohne stark zu riechen. „Man kann zudem Seidenpapier verwenden, um noch schonender zu lagern“, so Stilberaterin Carola Nahnsen. „Für Jacken und Mäntel eignen sich Kleidersäcke.“
Sinnvoll außerdem: Den Saisonübergang für eine Generalüberholung von Klamotten nutzen - und fürs Ausmisten und Sortieren. Ines Thömel empfiehlt, die Garderobe dafür zuerst nach Kategorien zu strukturieren, also Oberteile, Hosen, Strick sowie Outerwear, dann nach Farbgruppen und zuletzt nach Anlässen: also etwa Business, Freizeit, formale Stücke.
Dabei lässt sich dann auch mit einem fixen Blick prüfen: Haben Teile Löcher, gibt es aufgeplatzte Nähte und Co.? „Auch Pflege verlängert die Lebensdauer – von Entpilling bis Nachfärben“, sagt Thömel. Und bei Stücken, die nicht mehr so gut passen, kann man jetzt ebenfalls tätig werden - schließlich braucht man die Winterklamotten erst wieder in einigen Monaten. „Ich bin großer Freund von Änderungsschneidereien und würde dort mit Stücken hingehen, die ich mag, die aber nicht richtig sitzen“, rät Carola Nahnsen.
Alles, was man weder gern noch oft trägt und auch nicht ändern lassen möchte, kann dann weggegeben werden - etwa bei Kleiderspenden oder man verkauft es zum Beispiel auf Online-Plattformen. „Wenn der Schrankinhalt zu viel für einen Nachmittag ist, würde ich mir das Projekt auf zwei Termine aufteilen“, so Carola Nahnsen. Denn die investierte Zeit lohnt sich. „Wenn ich meinen Schrankinhalt wirklich kenne, weiß ich, wer ich bin, wie ich wirken möchte und was mir für die neue Saison noch fehlt“, so die Stilberaterin.
Doch Achtung: Nicht alles, was kein dünnes Shirt ist, muss im Frühjahr aus dem Kleiderschrank verbannt werden. Saisonübergreifend sind unter anderem Denim, Viskose, feiner Strick oder Leder. Merinowolle lässt sich im Frühling und Sommer dank ihrer temperaturregulierenden Eigenschaften ebenfalls tragen. Und auch dünner Kaschmir kann an frischen Frühlings- oder Sommerabenden angenehm auf der Haut sein.
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