Russland feuert ballistische Rakete auf Ukraine | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.01.2026 03:59

Russland feuert ballistische Rakete auf Ukraine

Die Industriestadt Krywyj Rih wurde von russischen Raketen getroffen. (Foto: Mykola Myrnyi/AP/dpa)
Die Industriestadt Krywyj Rih wurde von russischen Raketen getroffen. (Foto: Mykola Myrnyi/AP/dpa)
Die Industriestadt Krywyj Rih wurde von russischen Raketen getroffen. (Foto: Mykola Myrnyi/AP/dpa)

Ungeachtet laufender Friedensbemühungen hat Russland eine schwere ballistische Rakete auf die Westukraine an der Grenze zu EU- und Nato-Gebiet abgefeuert. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, für das gesamte Land sei am Donnerstag gegen 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst worden. Es habe die Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen Testgelände Kapustin Jar bestanden. Wenig später seien Einschläge im Gebiet Lwiw verzeichnet worden.

Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden, schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen. Dies ähnelt dem Trefferbild von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik (Haselstrauch).

Spekulationen über Mittelstreckenrakete Oreschnik 

Offizielle Bestätigungen für den Einsatz dieser Rakete gab es nicht. „Ob das eine Oreschnik war, ist nicht bekannt“, teilte der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, mit. Darüber müsse das Militär informieren. Bewohner der Region beschrieben die lauten Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.

Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten. 

Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschätzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.

Selenskyj warnte vor schwerem Angriff

Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: „Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.“ Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten. 

Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von Drohnenschwärmen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische Infrastruktur beschädigt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile hätten Schäden verursacht, Wohnhäuser gebrannt.

Außerdem meldete die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit dem Marschflugkörper Kalibr vom Schwarzen Meer aus. Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in den russischen Regionen Belgorod, Orjol und St. Petersburg mit Kampfdrohnen an. 

Harter Frost verschärft Nöte der Ukraine 

Moskau versuche, die Ukraine im harten Frost besonders zu schädigen, sagte Selenskyj: „Russland setzt derzeit mehr auf den Winter als auf Diplomatie, auf ballistische Raketen gegen unsere Energieversorgung und nicht auf Arbeit mit Amerika und Vereinbarungen mit Präsident (Donald) Trump.“ 

Die Temperaturen sollen in der Ukraine ab Freitag fast überall unter den Gefrierpunkt sinken. In Kiew und im nördlichen Teil des Landes werden auf Tage zehn Grad Frost und mehr herrschen. Damit wächst der Druck auf die ohnehin schwer angeschlagene Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem Angriff aus der Nacht zum Donnerstag bereits den schlimmsten Blackout in fast vier Jahren Krieg mit Hunderttausenden Menschen ohne Strom. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt Krywyj Rih wurde eine Frau getötet, es gab mindestens 23 Verletzte.

Russischer Schlag an der Nato-Außengrenze

Der russische Raketenangriff auf Ziele, die nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegen, dürfte sich auch auf die laufenden Verhandlungen über eine Friedenslösung auswirken. Moskau hat bislang nicht reagiert auf die Abstimmung zu Sicherheitsgarantien und einem Wiederaufbau der Ukraine, die zwischen Kiew, den europäischen Staaten und den USA läuft.

Dabei sieht Selenskyj nach den jüngsten Gesprächen in Paris große Fortschritte zu einem bilateralen Dokument mit den USA über Sicherheitsgarantien für sein Land. Das Papier sei nun „im Grunde bereit“ für die Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit Präsident Trump, schrieb er in sozialen Netzwerken.

Berichte: Kreml-Unterhändler sprach in Paris mit Amerikanern

Russland wird in dem Gesprächsprozess von den USA auf dem Laufenden gehalten. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete, der Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijiew sei am Donnerstag in Paris gewesen, einen Tag nach dem Gipfel der Ukraine-Unterstützer in der Koalition der Willigen. Das US-Portal „Axios“ schrieb unter Berufung auf informierte Quellen, Dmitrijew habe in der US-Botschaft in Paris mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen.

© dpa-infocom, dpa:260109-930-518075/1


Von dpa
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