60 – 30 – 90: Das sind keine Traummaße, sondern eine seltene Reihung von runden Geburtstagen im Januar: Vater Richard wurde 60, Junior Felix 30, und Opa Hans Henninger wird am 27. Januar 90 Jahre alt. Damit nicht genug: Seine Ehefrau Irma wurde im Dezember 90. Sie ist – wie er – noch fit und kocht zweimal pro Woche für die ganze Familie.
Hans Henninger war weder Abgeordneter noch Landrat, aber ihn kennt fast jeder im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Nicht weil er sich wichtig machte und sich selbst ins Blickfeld rückte, sondern weil er half und unterstützte, wo immer man ihn brauchte – auch über seinen Bauernhof und sein Dorf Ottenhofen hinaus. Sein Engagement in 16 Ehrenämtern wurde unter anderem mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik gewürdigt.
Kein Zweifel: Hans Henninger hatte ein erfülltes Leben, das jedoch alles andere als verheißungsvoll begann. Weil sein Vater im Krieg gefallen ist, wurde er mit acht Jahren Halbwaise. Doch ist er dankbar, dass er und seine zwei Brüder einen guten Stiefvater bekamen.
Nach der Schulzeit bereitete sich Hans Henninger auf die Übernahme des elterlichen Hofs vor und besuchte zunächst die Uffenheimer Landwirtschaftsschule. Nach der Gehilfenprüfung und einer Fremdlehre legte er 1963 die Prüfung als Landwirtschaftsmeister ab und bildete fortan unter anderem zwölf Lehrlinge aus. Ab 1961 war er Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im ersten Ehrenamt.
Später wurde er im BBV-Kreisvorstand aktiv und amtierte sechs Jahre als stellvertretender BBV-Kreisobmann. 1963 berief man ihn in die Siebenerei Ottenhofen und von 1989 bis 2010 hatte er den Vorsitz der Feldgeschworenenvereinigung Bad Windsheim und Umgebung inne. Auch gehörte er 16 Jahre lang dem Meisterprüfungsausschuss seines Berufsstandes an und unterrichtete kurzzeitig Absolventen des Berufsgrundschuljahrs in Theorie und Praxis.
Anfang der 1970er-Jahre wählten ihn die Mitglieder des Maschinen- und Betriebshelferrings Uffenheim-Bad Windsheim zum zweiten und nach Ablauf von zwölf Jahren zum ersten Vorsitzenden. Dieses Amt versah er 15 Jahre. Seinen Betrieb stellte er immer wieder für pflanzenbauliche Versuche und Ausbildungsmaßnahmen zur Verfügung.
1962 war er mit Irma Boß aus Marktbergel vor den Traualtar getreten. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Mittlerweile sind die Henningers Großeltern von fünf Enkelkindern. Seit ihr Sohn Richard 1990 den Betrieb übernahm, sind die Eltern aus der Verantwortung, aber weiterhin aktiv. Nicht ganz so gern wird es allerdings von seinen jungen Leuten gesehen, dass er immer noch lieber selbst im Wald mitarbeitet, wo man ihn in seinem Alter eigentlich nur noch gemütlich spazieren sehen möchte.
Ein Problem, das viele seiner Generation haben, – nämlich dass die Jungen die alten Geschichten nicht mehr hören wollen – hat der Opa im Hause Henninger nicht. Im Gegenteil: „Es wird still im Raum, wenn der Senior von früher und von gestern erzählt“, wird aus seinem Umfeld berichtet. Weil er das gut und unaufdringlich macht, ist er auch jeden Freitag in seiner Lieblingsgastwirtschaft gern gesehen.
Hans Henninger ist auch im hohen Alter ein kommunikativer und am Geschehen interessierter Mensch. Neben Freunden hatte er als Besucher unter anderem einmal eine Delegation aus China und englische Berufsschullehrer sowie Walter Scheel in dessen Zeit als Bundesaußenminister auf seinem Hof zu Gast.
Wie er in seinem Umfeld geschätzt wird, zeigt sich auch dadurch, dass er zur Eröffnung des über den Ort hinaus bekannten „Bulldogdretzens“ den Korso mit seinem Dieselross mit 22 PS, Baujahr 1938, anführt. Mit dabei sind jeweils auch Oldtimer, die eigentlich längst von der Bildfläche verschwunden sind: Schlepper ab elf PS aus den 1950er-Jahren mit Markennahmen, die kaum mehr jemand kennt: von Holder, Bautz, Kramer, Lanz-Aulendorf, Kramer und dem Schmotzerkombi als Spezialschlepper für Hackarbeiten.