Mit zwei ausverkauften Aufführungen der Johannes-Passion mit dem Windsbacher Knabenchor ist die Bachwoche zu Ende gegangen. „In den vergangenen zehn Tagen tauchten über 14.000 Besucher bei 38 Konzerten und Veranstaltungen intensiv in den musikalischen Bach-Kosmos ein“, teilt Pressesprecher Christian Mall mit.
Dazu kamen noch rund 1000 Besucher beim Eröffnungsgottesdienst und ebenfalls etwa 1000 Gäste insgesamt bei den ebenfalls kostenfreien Bach-Sprechstunden.
„Der Etat der Bachwoche beträgt rund eine Million Euro“, führt Mall aus. „Er wird zu knapp 70 Prozent durch den Verkauf von Eintrittskarten erwirtschaftet.“ Die Auslastung beim diesjährigen Musikfest habe bei „über 80 Prozent“ gelegen.
Insgesamt wurden allerdings deutlich weniger Eintrittskarten verkauft als vor der Pandemie: Bei der Bachwoche 2019 waren rund 20.000 Tickets ausgegeben worden, beim Musikfest 2017 etwa 21.000. Der Grund ist laut Christian Mall die geringere Anzahl an Konzerten in diesem Jahr. Es gab zum Beispiel keine Konzerte an den Nachmittagen mehr, sondern nur noch vormittags und abends.
Bei der Versammlung des Vereins der Freunde der Bachwoche wies Intendant Dr. Andreas Bomba ebenfalls auf die „vorsichtigen Planungen“ und die deswegen geringere Anzahl der Konzerte hin. Denn niemand habe in der Planungsphase voraussehen können, wie sich die Lage nach Corona entwickeln würde.
Auch während der Pandemie hatte eine Bachwoche stattgefunden: Bei dem Musikfest 2021 waren rund 9000 Karten verkauft worden, weil an den Veranstaltungsorten Abstände eingehalten werden mussten. In der Johanniskirche zum Beispiel konnten statt 1000 Plätzen nur 400 belegt werden.
Diesmal waren mehrere wegen der Pandemie ausgefallene Angebote wie die Workshops für Kinder und Jugendliche, eine Landpartie nach Ellingen und die Mitmachformate „Ansbach singt“ und „Ansbach klingt“ wieder möglich, wie der Pressesprecher erklärt. Das Bachwochen-Team mit Intendant Bomba an der Spitze freue sich besonders darüber, „dass nach der Corona-Ausgabe 2021 nun wieder Normalität in Ansbach herrschte, auf den Bühnen wie fürs Publikum“.
Zu erleben waren internationale Bach-Interpreten wie etwa der Cembalist und Organist Jean Rondeau, die Pianistin Claire Huangci und der Pianist Evgeni Koroliov sowie der Blockflötist Maurice Steger. Chor- und Orchesterkonzerte gaben das Freiburger Barockorchester, Solomon’s Knot aus England, die Gaechinger Cantorey unter Hans-Christoph Rademann, das Stuttgarter Ensemble il Gusto Barocco sowie das La Cetra Barockorchester Basel.
„Bei fast der Hälfte aller Konzerte wurden ausschließlich Werke von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Viele Programme spielten die Künstlerinnen und Künstler exklusiv nur für die Bachwoche in Ansbach“, so Christian Mall. Wie auch in den vergangenen Jahren kamen rund 50 Prozent der Besucher aus Ansbach und Umgebung; das weitere Publikum reiste aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Vereinzelt seien auch Buchungen aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Südkorea und den USA zu verzeichnen, schildert Mall.
Aus Sicht des bei dem Musikfest eingesetzten Sicherheitsdienstes „ist alles völlig problemlos verlaufen“, wie dessen Chef Andreas Schmidt berichtet. „Es gab überhaupt keine Vorfälle“, keine Störungen von außen. Die Ersthelfer des Roten Kreuzes waren ebenfalls nicht gefordert – was vielleicht auch am recht regnerischen Wetter lag. Niemandem machte folglich sommerliche Hitze zu schaffen.
Getragen wird die Bachwoche Ansbach GmbH von zwei Gesellschaftern: Die Stadt Ansbach und der Verein Freunde der Bachwoche Ansbach sind zu je 50 Prozent beteiligt. Das nächste Musikfest findet 2025 statt – vom 1. bis zum 10. August.
Enttäuscht waren in diesem Jahre etliche Musikfreunde von der hiesigen Gastronomie: „Wo bekommt man in Ansbach nach 21 Uhr noch was zu essen?“ Diese Frage wurde am Rande des Musikfests immer wieder gestellt. Von ratlosen Bachwochen-Gästen von auswärts. „Dann bleibt jetzt bloß ein Döner“, sagte eine Besucherin am Samstagabend nach der Johannes-Passion schulterzuckend.
Das Thema ist nicht neu, offenbar hat sich die Situation aber verschärft wegen des in der Gastronomie herrschenden Personalmangels. Wie ein Gast aus München, der seinen Namen in diesem Zusammenhang nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtete, sei die Enttäuschung in seinem Bachwochen-Freundeskreis groß: Es sei in diesem Jahr besonders schwierig, nach den Konzerten noch ein Abendessen in schönem Ambiente zu bekommen. Denn bei den Lokalen, die nach 21 Uhr noch Speisen anbieten, seien die Kapazitäten begrenzt. Und bei anderen Wirtschaften sei die Küche schon geschlossen.
Im Bachwochenbüro ist das Problem bekannt, immer wieder beklagen sich Gäste wegen der mangelnden gastronomischen Möglichkeiten. Die meisten Konzerte sind schon kurz nach 21 Uhr beendet, weil auf Pausen verzichtet wird – also relativ früh. Bereits um diese Zeit gebe es aber nicht genug Optionen, erklärte Pressesprecher Christian Mall.
Thema war dies auch bei der Hauptversammlung des Vereins der Freunde der Bachwoche. Das Problem sei ernst zu nehmen, so Jürgen Fitschen, der Vorsitzende. Er stimmte Oberbürgermeister Thomas Deffner zu, dass Stadt und Bachwoche keine Restaurants eröffnen können. Fitschen gab noch einen Aspekt zu bedenken: „Für die Betreiber ist es wichtig, dass es kommerziell sinnvoll ist. Und da ist das Umfeld, glaube ich, nicht ganz förderlich, wenn die Bürger der Stadt nicht geneigt sind, gutes Geld für gutes Essen auszugeben.“ Das mache es für die Betreiber schwierig, denn nur für eine Woche alle zwei Jahre könnten sie sich nicht ins Zeug legen.