Sie waren Unternehmer, Führungskräfte und Fachleute auf verschiedenen Gebieten. Als Ruheständler wollen sie ihr Wissen weitergeben, andere begleiten und unterstützen – und zwar ehrenamtlich. Karl-Heinz Langner, Dr. Klaus Kaden und Herbert Bollmann gehören zu den „AktivSenioren”, die als Berater zur Seite stehen.
Auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim arbeitet der bayernweit mehr als 350 Mitglieder zählende Verein „AktivSenioren” eng mit der Wirtschaftsförderung zusammen, bietet unter anderem Sprechtage für Existenzgründer und junge Unternehmen an. Die Männer und Frauen, die Manager-Know-how mitbringen und eine neutrale Außensicht bieten, unterstützen Betriebe im gesamten „Lebenszyklus” – angefangen bei der Gründung bis zur Nachfolgeregelung, die nicht immer leicht ist.
Allein in Bayern stehen in den nächsten Jahren rund 36.000 Betriebe mit mehr als 600.000 Mitarbeitenden vor einem Generationswechsel, heißt es in der Info-Broschüre. Bei strategischen Fragen und betriebswirtschaftlichen Entscheidungen stehen Karl-Heinz Langner, Klaus Kaden und Herbert Bollmann sowie die anderen Aktivseniorinnen und Aktivsenioren kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Seite.
Vor allem Handwerksbetriebe, Familienunternehmen und Start-ups profitierten von diesem Angebot, das „unbürokratisch, individuell und kostenfrei ist”, betont Langner, Regionalleiter Mittelfranken/Oberpfalz. Auch gemeinnützige Organisationen werden bei betriebswirtschaftlichen Aufgaben unterstützt.
Die „AktivSenioren”, die als Impulsgeber, Coaches und Umsetzer agieren, stellen nach eigenen Angaben ein breit gefächertes Branchen-Know-how zur Verfügung. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung können sie auch helfen, ein innovatives Geschäftsmodell auf seine Machbarkeit zu überprüfen oder Expertise zu geben, wie kritische Situationen in jungen Unternehmen zu meistern wären.
Nicht nur Betriebe, auch Kommunen könnten davon profitieren, erklärt das Trio im Gespräch, etwa bei Projekten zur Standortentwicklung. Darüber hinaus engagiert man sich in Schulen und Hochschulen, bietet Bewerbungstraining und Workshops an, Unternehmensplanspiele oder Praxisgespräche, die die berufliche Orientierung und das unternehmerische Denken fördern sollen, erläutert Kaden. Er weist auch auf die enge Zusammenarbeit mit dem Technologietransferzentrum (TTZ) in Neustadt hin. Im Schulterschluss mit regionalen Institutionen sollen neue Perspektiven für die Zusammenarbeit entstehen, Stichwort Netzwerk-Tätigkeit.
Der Landkreis gehört zum Regionalbezirk Mittelfranken. Dort stehen, sagt Bollmann, 59 aktive Mitglieder zur Verfügung. Er verteilt von Erlangen aus die in seiner Region eingehenden Aufträge, steuert diese als Verantwortlicher. Doch was machen die „AktivSenioren” konkret? Rund 80 Prozent der Aufträge bestehen darin, Existenzgründerinnen und Existenzgründer zu begleiten, „von der Geschäftsidee, die wir diskutieren, bis zur Erstellung von Business- und Geschäftsplänen”, erzählt das Trio.
Was sie nicht bieten: juristische und steuerrechtliche Unterstützung. Geschaut wird trotzdem, ob die Liquidität stimmt. Wenn die „AktivSenioren” grünes Licht für eine Idee geben, glauben sie daran, dass es funktioniert. Ein Thema, auf das Unternehmen verstärkt ihr Augenmerk legen müssen, betrifft den Datenschutz und die Software. Auch diesbezüglich schauen die Senioren im Rahmen einer Bestandsaufnahme, ob alles auf dem neusten Stand ist. Gegebenenfalls folgt eine Optimierung.
„Wir sind auch gute Berater für das Thema Krisenmanagement, wenn die Ampel schon auf Gelb steht”, sagen Kaden, Bollmann und Langner. So weit sollte man es aber erst gar nicht kommen lassen, sondern vorher schon Unterstützung anfordern.
Werbung machen die drei auch in eigener Sache. Dem Verein liegt die Gewinnung neuer Mitglieder am Herzen. „Die Branche ist egal”, sagt Ballmann. Er und seine Kollegen würden es begrüßen, wenn sich weitere Fach- und Führungskräfte aus der Region, die im Ruhestand sind, anschließen. Die Drei gehen in der Aufgabe auf, freuen sich, ihr Wissen weitergeben zu können.
Die Neuen werden nicht allein gelassen: „Wir begleiten sie im Tandem”, betont Langner. Der Integrationsprozess und das Partnersystem hätten sich bewährt. Als großes Plus heben sie hervor, dass man flexibel arbeiten könne und eine gute Mischung zum persönlichem Austausch und Homeoffice habe. Gerne würde man den Anteil der Frauen im Verein erhöhen, der noch gering ist. „Die Arbeit macht Spaß.”
Zu tun gibt es genug in den Bereichen „Existenzgründung”, „Unternehmensführung”, „Krisenmanagement”, „Unternehmensnachfolge”, „Geschäftsmodellanalyse”, „digitale Transformation” und im Sektor „Training Praxiswissen”. Möglichkeiten der Kontaktaufnahme bestehen unter www.aktivsenioren.de oder über die Wirtschaftsförderung des Landkreises unter www.kreis-nea.de/region-wirtschaft/wirtschaftsfoerderung.