Maria Bromma (geborene Müller) kam am 7. Februar 1926 in Berolzheim auf die Welt. Am Samstag feiert sie ihren 100. Geburtstag im Seniorenheim Neumühlenweg in Bad Windsheim im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel bei bester Gesundheit.
Ihr Alter sieht man der betagten Frau nicht an, ganz im Gegenteil: Sie ist geistig topfit und achtet sehr auf ihr Äußeres. Im Gespräch strahlt sie pure Lebensfreude aus und interessiert sich für ihre Mitmenschen und Umgebung, betonen Tochter Sonja und Sohn Robert Bromma. Die frisch 100-Jährige kennt heute noch alle Bewohnerinnen und Bewohner und deren Geschichten aus ihrem früheren Wohnort Berolzheim, telefoniert regelmäßig mit vielen Bekannten und Freunden aus dem Bad Windsheimer Ortsteil.
Auch politisch ist sie stets auf dem Laufenden – regional und überregional. Sie schaut im TV regelmäßig Nachrichten und hört Radio. Im Heim werden den Bewohnerinnen und Bewohnern zudem jeden Tag die aktuellsten Neuigkeiten der Tageszeitung vorgelesen. Da nimmt die Jubilarin gerne teil, da das Augenlicht bei ihr nachgelassen hat und sie selbst nicht mehr lesen kann. Früher war das eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Sie las neben der Windsheimer Zeitung am liebsten Psychothriller.
Doch so schön und unterhaltsam war Brommas Leben nicht immer. Mit Grauen erinnert sie sich noch an die Nazizeit zurück. Sie war 13 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, erinnert sich Maria Bromma beim Besuch unserer Zeitung im Pflegeheim. Ihr Vater habe mit der jüdischen Bevölkerung gerne Geschäfte gemacht und sein Vieh verkauft. Daraufhin drohte man ihm, ihn ins Konzentrationslager nach Dachau zu bringen, sollte er damit nicht aufhören, erinnert sich die Frau an die fürchterliche Zeit. Wer nicht spurte, lebte gefährlich.
Wenn Maria Bromma nicht gerade im Schulunterricht war, musste sie viel auf dem Bauernhof arbeiten, da sie keine Geschwister hatte, erzählt das Geburtstagskind weiter. „Meine Mutter, die 1897 geboren wurde, hat alle Kornfelder noch per Hand ausgesät”, erklärt sie mit Respekt. Zur Schule musste sie montags bis samstags ins drei Kilometer entfernte Kaubenheim bei „Wind und Wetter” laufen. An Sonntagen fand stets die sogenannte Christenlehre statt – im Anschluss musste sie darüber einen Aufsatz schreiben. Aber die Mühen zahlten sich aus: „In Deutsch und Geschichte hatte ich immer eine Eins.“
Mit ihrem Mann Alois war Bromma stolze 70 Jahre lang glücklich verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden, als der junge Mann vom Großvater als Knecht auf den Hof geholt wurde. Der gebürtige Schlesier landete nach dem Krieg (er kam aus der Gefangenschaft in England) zum Schuften in Bad Windsheim. Dafür erhielt er 50 Pfennig.
Maria und Alois Bromma verliebten sich, heirateten und bekamen drei Kinder. Zur Hochzeitsfeier wurde ein Schwein geschlachtet, erinnert sich die Witwe noch gut. Von 1956 bis 1972 war ihr Mann Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Berolzheim – er bekam für sein Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz. Ende der 1950er Jahre verkauften sie den Hof und zogen in ein Einfamilienhaus. Urlaube hatten die Brommas selten gemacht. Der Besuch der Insel Krim mit der CSU blieb ihr aber in guter Erinnerung. Alois Bromma starb 2020.
Maria Bromma ist laut ihrer Kinder, die sie regelmäßig besuchen, zeitlebens eine Frau gewesen, die mit wenig zufrieden war. Und die Arbeit habe sie fit gehalten. „Ich habe nie viel gegessen”, sagt die schlanke Frau. Als sie ins Heim kam, nahm sie anfangs durch die guten Speisen zu. „Das Essen ist hier exklusiv”, sagt die 100-Jährige. Durch regelmäßige Gymnastik (dreimal pro Woche) habe sie nun aber wieder ihr Wunschgewicht erreicht. Das will sie nun auch halten, darauf achtet sie penibel. Zum festen Alltagsprogramm gehört bei Maria Bromma auch das regelmäßige Gedächtnistraining. Ihr Geheimnis darüber hinaus: Bis heute nimmt die rüstige Seniorin so gut wie keine Tabletten.
Als sie mit 97 Jahren ins Heim ging, sagte sie: „Ich möchte 100 Jahre alt werden.” Das ist nun erreicht. Ihr nächstes Ziel sind jetzt die 101 Jahre. Mit ihren Kindern Robert und Sonja (ein Sohn, der bereits verstorben ist, ist in ihren Gedanken dabei), den sechs Enkeln und acht Urenkeln wird am Samstag im Heim gefeiert. Der stellvertretende Landrat Hans Herold und Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel haben ihren Besuch ebenfalls angekündigt.