„Weiterhin sterben in Bayern regelmäßig streng geschützte Vogelarten an den Folgen von Vergiftungen“, berichtet der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in einer Pressemitteilung. So auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Hier habe man heuer einen toten Rotmilan gefunden. Diagnose des LBV: Carbofuran.
Dieses Gift ist ein Insektizid, also unter anderem genau dafür da, Tiere zu töten. „Wir gehen in solchen Fällen davon aus, dass die Täter vorsätzlich handeln und weisen einmal mehr darauf hin: Das illegale Töten geschützter Tierarten ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine ernstzunehmende Straftat, die nicht folgenlos bleiben darf. Wir bringen jeden dieser Fälle zur Anzeige“, erklärt Dr. Andreas von Lindeiner. Er ist Landesfachbeauftragter für Naturschutz beim LBV.
Bereits im Mai wurde der Rotmilan in der Nähe von Lipprichhausen tot aufgefunden. Dieser Vogel gehörte zum EU-life-Projekt „Eurokite“, das dem Schutz des Rotmilans dient, berichtet der LBV. Im Rahmen dieses Projekts wurden Rotmilane mit GPS-Sendern ausgestattet, um durch ein lückenloses Monitoring Aufschluss über die häufigsten Todesursachen dieser geschützten Art zu gewinnen.
Als der Sender des Vogels über längere Zeit keine Bewegung mehr meldete, wurde eine Projektmitarbeiterin zur Fundstelle geschickt. Vor Ort entdeckte sie den Rotmilan tot, mit Fleischresten im Schnabel. Die anschließenden Untersuchungen ergaben: Der Rotmilan war laut dem LBV mit Carbofuran vergiftet worden, einem hochtoxischen, in der EU seit Jahren verbotenen Kontaktgift, das sowohl für Vögel als auch für Menschen gefährlich ist.
„Besonders alarmierend ist, dass der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim seit mehreren Jahren als Brennpunkt für derartige Straftaten bekannt ist. So wurde erst im Sommer 2023 ein Uhu in der Nähe von Schauerheim vergiftet aufgefunden“, erklärt Andreas von Lindeiner.
Es sei schwer, solche illegale Wildtiertötungen aufzuklären. Deshalb hoffen die Naturschützer auf Mithilfe aus der Bevölkerung. „Wer draußen unterwegs ist und einen toten Wildvogel oder einen Köder findet, sollte unbedingt die zuständige Polizeiinspektion informieren und uns über www.tatort-natur.de Hinweise geben“, sagt Franziska Baur von der Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS), die mit dem LBV kooperiert.
In einigen Fällen, wie etwa einem weiteren aktuellen Fall im Landkreis Neustadt, gehen der LBV und die GLUS nicht von vorsätzlichem Handeln aus. So wurde bei einem dort tot aufgefundenen Weißstorch nachgewiesen, dass er an dem Wirkstoff Ibuprofen verendete, der wohl ein Nierenversagen verursachte.
Vermutlich hatte das Tier Medikamentenreste auf eine Mülldeponie in der Nähe gefressen. „Viele Menschen entsorgen ihre Medikamente vorschriftsgemäß im Hausmüll und folgen damit den Empfehlungen ihrer Kommunen. Umso tragischer ist es, wenn durch dieses vermeintlich korrekte Verhalten Wildtiere sterben“, so Andreas von Lindeiner.