Rothenburg: Wasserkraft als wichtige Säule der Energiewende | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 25.09.2024 08:00

Rothenburg: Wasserkraft als wichtige Säule der Energiewende

Zum Thema Wasserkraft hatten (von links) Dr. Thomas Schmiedeke, Lothar Schmidt, Hans-Josef Fell und Anian Pauli etliches beim Symposium des Fördervereins Taubermühlenweg zu sagen. (Foto: Gerhard Krämer)
Zum Thema Wasserkraft hatten (von links) Dr. Thomas Schmiedeke, Lothar Schmidt, Hans-Josef Fell und Anian Pauli etliches beim Symposium des Fördervereins Taubermühlenweg zu sagen. (Foto: Gerhard Krämer)
Zum Thema Wasserkraft hatten (von links) Dr. Thomas Schmiedeke, Lothar Schmidt, Hans-Josef Fell und Anian Pauli etliches beim Symposium des Fördervereins Taubermühlenweg zu sagen. (Foto: Gerhard Krämer)

Mit dem Thema „Wasserkraft – eine wichtige Säule der Energiewende“ scheint der Förderverein Taubermühlenweg um seinen Vorsitzenden Lothar Schmidt einen Nerv getroffen zu haben. Gut 100 Zuhörende füllten den Ochsen-Saal.

Deutschlandweit spielt die Wasserkraft bislang eher eine geringe Rolle. Regional hat sie aber einen ganz anderen Stellenwert. Was es allerdings schwierig macht, das sind die langen bürokratischen Wege, bis eine Genehmigung endlich in den Briefkasten flattert.

Darüber kann das Mühlenvereinsmitglied Dr. Thomas Schmiedeke, Besitzer der Dorfmühle Pfaffenhofen bei Burgbernheim, mittlerweile mehrere Lieder singen. Wie ein solches Genehmigungsverfahren abläuft, das beschrieb der Referent für Wasserkraftwerke bei der IHK München und Oberbayern, Anian Pauli. Der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete und Präsident der Energy-Watch-Group, Hans-Josef Fell, stellte in der dreistündigen Veranstaltung die Bedeutung der regenerativen Energien und die der Wasserkraft im Besonderen vor.

Viele Gäste aus dem Nachbarlandkreis

In seinem von den Zuhörenden, die unter anderem auch aus dem Nachbarlandkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim kamen, mit Interesse verfolgten Vortrag ging Fell auf den Klimawandel ein. Er sprach den Zusammenhang fossiler Energien mit Kriegen, Hitzewellen und Flutkatastrophen an. Zu letzterem Stichwort nannte er das Ahrtal. An der Ahr hätte Biodiversität geschaffen werden sollen, weswegen unter anderem Wehre entfernt worden seien. Wären diese belassen worden, wäre die Katastrophe möglicherweise nicht so schlimm gewesen, habe ihm ein Fachmann gesagt.

Fell stellte dazu fest: „Mühlen machen sehr viel mehr als sauberen Strom.“ Wasserkraft leiste ihren Beitrag zum Hochwasserschutz, insbesondere auf regionaler Ebene. Zu Fells Bedauern sei die Stromerzeugung aus Wasserkraft heute noch immer auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2002. Dabei seien sie gerade im Winter stark, wenn die Sonne schwach sei. „Damit sind Wasserkraftwerke eine wichtige Ergänzung“, sagte Fell.

Weitere Stromausgleichslieferanten seien die Bioenergie und die Geothermie. Wasserkraftwerke könnten das ganze Jahr laufen, damit seien sie verlässlich. Es bestehe ein enormes Ausbaupotenzial. Auch an der Tauber sei es möglich, Anlagen zu reaktivieren. Deutschlandweit könnten so 28 Terrawattstunden an zusätzlichem Strom erzeugt werden.

Kritik an langer Verfahrensdauer

Flüsse könnten aber noch weiter genutzt werden. Eigentlich seien sie nämlich mittlerweile zu warm. Diese Wärme könne man nutzen und über Wärmetauscher Energie erzeugen.

Das wegen der Wasserkraft die Fischsterblichkeit höher sei, wies Fell zurück. Zum einen gebe es mittlerweile moderne Technik, zum anderen vertilgten Kormoran und Fischotter täglich weit mehr Fische, als durch ein Wasserkraftwerk getötet würden. Mit Wasserkraft hat, was viele nicht wissen, auch die IHK zu tun. Sie ist nämlich nach den Worten von Anian Pauli als Träger öffentlicher Belange bei allem, was die Energiewirtschaft betrifft, zu beteiligen – zum Beispiel bei Neubauten, Reaktivierungen oder auch beim Bau von Fischtreppen. Allerdings, dies räumte Pauli auf Nachfrage von Lothar Schmidt ein, verhindere eine Nichtbeteiligung nicht die Genehmigung. Pauli kritisierte die lange Verfahrensdauer.

Die energiewirtschaftliche Bedeutung liege – Stand 2021 – deutschlandweit bei etwa 2,5 Prozent. Doch jede kleine Anlage habe ihre Daseinsberechtigung. Zudem sei die Stromerzeugung bei Mühlen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Er könnte und möchte mit seiner Mühle Strom erzeugen, darf aber nur Getreide mahlen: Mühlenbesitzer Schmiedeke ist seit 2007 bemüht, die Mühlen der Bürokratie zu durchdringen. Eigentlich müsste er nur dauerhaft Wasser aufs Mühlrad laufenlassen.

Biber dürfen nicht gestört werden

Doch müsste jetzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht werden. Die sei aber nach seinen Worten schwierig. Denn Biber befinden sich im Mühlbach. Die dürfe er nicht stören. Die Tiere bauten aber die Fischtreppe zu, die er frei halten müsste.

Eigentlich sollten aufsteigende Fische in einer Reuse gefangen werden, um den Nachweis der Tauglichkeit der Fischtreppe zu erbringen. Wenn diese aber zugebaut wird? Diese Art der Bürokratie war auch für viele Zuhörende schwer zu verstehen. Jetzt hofft Schmiedeke auf eine Kompromisslösung, um doch noch Strom produzieren zu dürfen.

In der Diskussionsrunde waren die Beiträge breit gefächert. Sie reichten von fehlender Sicherheit bei Investitionen wegen sich rasch ändernder Vorschriften, über die Stromvermarktung bis zu den bekannten Netzproblemen, weswegen der Strom nicht zu jedem Zeitpunkt dorthin fließen kann, wo er eigentlich gebraucht wird. Kritisiert wurde auch die in Teilen der Politik ablehnende Haltung gegenüber Wasserkraftwerken. So seien kleinere Kraftwerke gar als umweltschädlich eingestuft worden.

Mühlenbesitzer Schmiedeke regte an, wieder einen Wasserkraftwerkstammtisch einzurichten. Ein Teilnehmer im Ochsen wünschte sich, an diesem auch PV-Betreibende teilhaben zu lassen.


Von Gerhard Krämer
north