„Warum ist Rothenburg so, wie es ist?“ Unter anderem diese Frage will die neue Dauerausstellung im RothenburgMuseum beantworten. Zu sehen ist sie ab 30. März – unter dem Titel „Der Rothenburger Weg“.
Seit mehr als 150 Jahren „gilt Rothenburg ob der Tauber als die mittelalterliche, die romantisch-märchenhafte, ja malerische Stadt schlechthin“, schreibt der Tourismus-Service (RTS) in der Information zur Ausstellung. Und: „Rothenburgs Stadtbild ist heute weltbekannt, Ensembles wie das Plönlein oder der Markusturm samt Röderbogen werden weltweit kopiert und dank Künstlicher Intelligenz inzwischen zu völlig neuen Foto-Arrangements kombiniert.“
Doch „woher rührt die deutschlandweit und international einzigartige Attraktion des Rothenburger Stadtbilds, was begründete sozusagen den Mythos Rothenburg und wie schaffte es die Stadt, trotz 40 Prozent Kriegszerstörung heute als intakt und authentisch wahrgenommen zu werden?“
All diesen Fragen sollen in der von Kuratorin Edith von Weitzel-Mudersbach und Co-Kurator Architekt Hanns Berger realisierten Dauerausstellung nachgegangen werden. Planerisch umgesetzt wurde sie von dem Architekten Tom Macht aus Dresden.
Das Ziel: Die „Erkenntnisse zweier wissenschaftlicher Kolloquien“ aus den Jahren 2019 und 2021 sowie die Inhalte der Ausstellungen „Pittoresk“ und „Rothenburg in London“ zu verarbeiten, erklärt der RTS. Zeitlich spanne die Ausstellung einen „weiten Bogen vom Ende der reichsstädtischen Zeit 1802 bis in die Gegenwart“. Zahlreiche Gemälde, Grafiken, Radierungen von nationalen und internationalen Künstlern stellten im „Rothenburger Weg“ das „malerisch-pittoreske Rothenburg in den Mittelpunkt“.
Postkarten und Reiseführer veranschaulichten, wie sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein „immer wiederkehrender Motivkanon an Stadtansichten erst national, dann international durchsetzte und Touristen aus aller Welt nach Rothenburg führte“. Weiter heißt es in der Ausstellungsankündigung: „Dank der Entwicklung von Fotografie und Farbdruck finden bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts Motive der Rothenburger Architektur den Weg in die Massenmedien: Zeichnungen, Skizzen und Gemälde werden vielfach reproduziert.“ Diese weltweit verbreiteten „Rothenburg Images“ nehmen laut dem RTS „auf die Selbstwahrnehmung der Stadt Einfluss“.
Fortwährend „optimiert sie sich in ihrer baulichen Gestalt im Sinne ihrer Inszenierung als Gesamtkunstwerk“ und bekräftige damit folgenden Aussage des Kunsthistorikers Georg Dehio aus dem Jahr 1908: „Die Stadt als Ganzes ist Denkmal.“
Dazu stellt der RTS fest: „Um 1900 war Rothenburg ob der Tauber bereits das Idealbild einer deutschen alten Stadt. In den Diskussionen um das Neue Bauen ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts diente Rothenburg als Musterbeispiel für die malerische, dem sogenannten Heimatstil verpflichtete Stadt.“ Der Nationalsozialismus instrumentalisierte dies, so der RTS. Am 31. März 1945 versanken nach dem Bombardement durch neun Tonnen Brandbomben 40 Prozent der Altstadt in Schutt und Asche. Archivbilder des zerstörten Teiles der Stadt und dessen Wiederaufbau, Filmausschnitte und Installationen sollen den Besucherinnen und Besuchern diese Zeit anschaulich näherbringen.
Weiter heißt es: „Im Wiederaufbau wurden trotz Materialknappheit und wirtschaftlicher Not beispielhafte Lösungen gefunden, die Rothenburg ob der Tauber bis auf den heutigen Tag eine stilbildende Alleinstellung sichert.“
Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bereiche der Altstadt seien „beim Wiederaufbau bewusst so gestaltet“ worden, „dass Stadtstruktur und Stadtbild unabhängig von der Gestalt der Einzelgebäude möglichst unverändert wiederentstehen“.
Für den RTS steht fest: „Kein Stadtbild in Deutschland ist derart mustergültig in den ersten Jahren des Wiederaufbaus erstanden und wird bis auf den heutigen Tag als ,Rothenburger Weg‘ fortgeschrieben.“
Doch auch Herausforderungen der Zukunft werden in der Ausstellung beleuchtet, etwa folgende Fragen: „Wie ist es beispielsweise um den Konflikt ,Denkmalschutz/Leben in der Altstadt‘ vor dem Hintergrund der energetischen Sanierung von Gebäuden bestellt? Wie kann die Stadt alternative, nichtfossile Energien nutzen? Passt Photovoltaik auf Altstadt-Dächer? Wie sehen mögliche Lösungen für Wohnraum im Altstadtbereich aus?“
Ab Sonntag, 30. März, ist die Ausstellung im RothenburgMuseum täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.