Sie lernen Mittelfranken kennen – und vielleicht auch lieben: 18 Jugendliche sind in diesem Jahr der Einladung des Rotary Clubs Ansbach gefolgt. Während der 39. Jugendwoche treffen sie Teilnehmer aus aller Welt.
Die Teenager zwischen 16 und 18 Jahren – darunter zwölf Mädchen – verbringen ein ganzes Jahr in Deutschland. Viele wohnen seit August bei Gastfamilien und haben die fremde Sprache schon gut gelernt. Zur Veranstaltung der Ansbacher Rotarier ist ein Großteil aus Nordrhein-Westfalen angereist, berichtete die Jugenddienstbeauftragte Andrea Eisen-Kemmerling. Sie werden von zwei Studierenden der Augustana-Hochschule, Lukas und Laura Mohr, betreut und sind im Begegnungszentrum Mission Eine Welt in Neuendettelsau untergebracht.
In diesem Jahr nehmen Jugendliche aus zehn Nationen teil. Am stärksten vertreten sind die Gäste aus Brasilien. Die anderen Jugendli- chen kommen aus Bolivien, Deutschland, Ecuador, Frankreich, Japan, Kolumbien, Mexiko, Taiwan und den USA. Dass so viele Südamerikaner dabei sind, macht sich bemerkbar, wie Eisen-Kemmerling feststellte: „Da ist schon Pfeffer in der Kiste.“
Die Teilnehmer seien nett und aufgeweckt, erzählte sie weiter. „Sie sind sehr interessiert an der deutschen Kultur und den Gegebenheiten in Franken. Sie freuen sich schon auf die fränkische Bratwurst, weil ich Werbung dafür gemacht habe.“
Der Rotary Club hat für die Jugendlichen, die am Sonntag angekommen sind, ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt: Unter anderem besichtigten sie den Audi-Standort Neckarsulm, erkundeten Neuendettelsau bei einer Abendwanderung, nahmen an einer Virtual-Reality-Tour über das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg teil oder stellten in der Schmalzmühle bei Röckingen Käse her.
In Ansbach wurden sie von OB Thomas Deffner empfangen und tauchten anschließend bei einer Stadtführung in die Markgrafen-Zeit ein. Bevor sie sich am Samstag in alle Winde zerstreuen, verbringen sie noch einen Tag in Würzburg und bekommen eine Führung durch das Kriminalmuseum in Rothenburg.
Ein besonderer Höhepunkt der Jugendwoche ist stets der Festabend auf Burg Colmberg, bei dem die Jugendlichen ihre Talente zeigen können. „Einige spielen Klavier und haben schon das Instrument im Begegnungszentrum genutzt“, sagte die Jugenddienstbeauftragte Eisen-Kemmerling. Auch die Rotary-Präsidentin Dr. Gudrun Winkler-Dittrich freute sich, dass die Teilnehmer dabei kaum Schüchternheit an den Tag legen. „Wenn man immer denkt ,Ach, ich mache etwas falsch, ich kann das nicht‘, kommt man nicht voran.“
Bevor es losgehen konnte, mussten sie aber noch üben. Das verriet die Brasilianerin Stella Espíndula vor der Veranstaltung. „Die anderen Mädchen aus Brasilien und ich planen einen Tanz.“ Passend zur typisch südamerikanischen Lebensfreude: „Wir feiern sehr gerne.“ Als typisch deutsch bezeichnete die 16-Jährige dagegen die Pünktlichkeit.
Clara Bernardes (17) stammt ebenfalls aus Brasilien und sieht das genauso: „In Brasilien ist niemand so pünktlich.“ Besonders mag sie in Deutschland die Architektur und Feste wie die Kirchweihen. Toll sei außerdem das Zugfahren. „Es gibt keinen Zug in Brasilien“ – zumindest ist das Eisenbahnnetz längst nicht so ausgedehnt wie in Deutschland.
Auch in Bolivien existiert kein flächendeckendes Schienennetz. Deshalb findet Ignamar Mercado (18) das Reisen hier viel einfacher als in ihrer Heimat. „Es ist gut, wenn man jeden Tag in eine andere Stadt fahren kann.“ Aufgefallen ist ihr außerdem, dass es in Deutschland ganz andere Speisen gibt. „In Bolivien essen wir immer viel Fleisch und es gibt viel Reis.“ Hier werden dagegen mehr Kartoffeln und viel Gemüse verspeist. Ein Faible hat sie für Currywurst mit Pommes entwickelt.
Die hat auch der Japaner Gakuto Suzuki (16) zu seinem deutschen Lieblingsgericht erklärt. „Ich finde, das Essen ist sehr gut.“ Dem Jugendlichen ist auch aufgefallen, dass die Schulausbildung und die Politik in Deutschland ganz anders sind als in seiner Heimat. Außerdem seien die Menschen im Gegensatz zu den Japanern sehr offen. „Ich finde das so schön.“
Die Brasilianerin Paola Verdejo (16) genießt in Deutschland die Freiheit. Sie hat allerdings bemerkt, dass die Deutschen manchmal etwas länger Zeit brauchen, um aufzutauen. „Aber wenn man mit ihnen in Kontakt kommt, sind sie sehr nett.“