Seit 1978 ist Ursula Ilgenfritz Lehrerin an der Oskar-von-Miller-Realschule in Rothenburg. Und so fiel ihr 1999 eine Aktion des Gastronomieverbandes auf – dieser suchte eine besondere Aktion zu Ostern.
Ilgenfritz lebte früher in der Gegend von Bamberg, darum war sie oft in der Fränkischen Schweiz. Dort gibt es einen besonderen Brauch, erzählt sie: „Im Mittelalter wurden die Brunnen kurz vor Ostern dort gesäubert und mit Eiern verziert. So beteten die Menschen für neues Leben.” Mit der Idee einen Osterbrunnen auch in Rothenburg zu schmücken, meldete sich Ilgenfritz beim Gastronomieverband und fand gleich Unterstützung.
Im Jahr 2000 schmückte sie erstmals den Röderbrunnen vor dem Markusturm. Warum gerade den? Die Antwort ist ganz einfach: „Weil dort am meisten los ist”, antwortet Ilgenfritz. Doch für sie war die erste Schmückung eines Osterbrunnens eher mickrig, gemessen an heutigen Maßstäben. Jahr für Jahr wuchs die Anzahl an Eiern und die Dekorationen. Dabei startete Ilgenfritz auch Versuche mit verschiedenen Materialien. Einst spendete Käthe Wohlfahrt 2000 Plastikeier: „Doch diese blichen in der Sonne aus. Und Touristinnen und Touristen fassten sie immer an und kratzten so die Farbe ab.”
Darum verwendet Ilgenfritz heute echte, ausgeblasene Eier. 2500 Stück sind es mittlerweile geworden. Ab und an muss sie mal die Farbe auffrischen, sonst halten sie sich gut. Diese am Röderbrunnen anzubringen ist natürlich viel Arbeit. Darum ist Ilgenfritz froh, viele Helfer und Helferinnen aus dem Freundeskreis zu haben. Elisa Hardung und Julia Kotliarova binden mit ihr den Buchs: „Das sind ungefähr 90 Stunden Arbeit.” Und auch die vier Schülerinnen Lea Schöller, Anna Milkovic, Leonie Klaus und Vianne de Candido aus der achten Klasse von Ilgenfritz' ehemaliger Schule unterstützten beim Schmücken.
Lea Schöller ist 15 Jahre alt: „Der Osterbrunnen hier ist schon Tradition und es macht Spaß für Rothenburg was zu tun”, erklärt sie ihre Motivation, „die Teamarbeit verbindet und fördert den Zusammenhalt. Es ist gut, wie alle an einem Strang ziehen.” Ihre Klassenkameradin Anna Milkovic (14), sagt: „Ich war neugierig, wie der Aufbau funktioniert.”
Ilgenfritz ist mittlerweile 78 Jahre alt. So langsam macht sie sich Gedanken, wer das Projekt irgendwann übernehmen könnte. Auch ist sie immer glücklich über Menschen, die beim Schmücken helfen wollen. Sie ist stolz auf die von ihr initiierte Tradition: „Sie fiel nur einmal während Corona aus. Die Rothenburger sprechen mich schon immer an, wie schön er ist. Wenn ein Ei kaputtgeht, sagen sie mir gleich Bescheid.” Denn gerade das ist für die Organisatorin ein Ärgernis: „Viele Touristen begrapschen die Eier und testen, ob sie echt sind oder heben ihre Kinder auf die Brüstung, damit sie besser sehen können. Dabei machen sie viel kaputt.”