Ein Ort der Begegnung und Gemeinschaft. Das soll das neue Gemeindehaus in Bad Windsheim für die Menschen werden. Am Freitag wurde nun Richtfest gefeiert. Jeder, der wollte, konnte sich in dem Bauwerk verewigen.
Vertreter der Kirche, der Politik, aber auch der am Bau beteiligten Firmen waren auf der Baustelle am Holzmarkt zusammengekommen. Der Bad Windsheimer Posaunenchor begleitete das Richtfest musikalisch. „Schützt auch das Dach vor Regen, die Mauer vor dem Wind, so ist doch allerwegen, an Gott allein gelegen, ob wir geborgen sind“, zitierte Bad Windsheims Dekan Jörg Dittmar bei seiner Begrüßung einen alten Richtspruch.
Er dankte zahlreichen Unterstützern des Projekts – unter anderem den Nachbarn, die stets verständnisvoll den Lärm auf der Baustelle ertragen hatten, oder auch den Spendern, ohne deren finanzielle Unterstützung es nicht ginge. Auch Dittmars Vorgängerin Karin Hüttel, die kürzlich in den Ruhestand verabschiedet wurde und das Vorhaben seit den Anfängen begleitet hatte, war gekommen.
„Das Leben ist wie eine Baustelle“, sagte Jörg Dittmar. Nicht immer ist alles piekfein. Da passieren Fehler, die es zu korrigieren gilt. Hinter dem Gesicht, im Inneren, und hinter dem Bauzaun zeigt sich das Leben. Die Welt und die Gesellschaft verändern sich. Immer wieder müssen Situationen neu bewertet werden. Und manchmal müssen Menschen es aushalten, dass nicht alles perfekt läuft und Geduld mit sich haben. Im Gemeindehaus soll am Ende der Geist der Gemeinschaft erblühen. Gott werde so in der Stadt erlebbar gemacht.
Reinhard Streng, stellvertretender Landrat, überbrachte die Grüße des Landkreises und Bürgermeister Jürgen Heckel, die der Stadt Bad Windsheim. „Hier wird Leben stattfinden“, war sich Letztgenannter sicher. Viele Menschen würden zusammenkommen, alle sollen sich willkommen fühlen. Architekt Rainer Kriebel gab einen kurzen Einblick zum aktuellen Stand und zollte besonders den Handwerkern Respekt, denn Bauen sei in diesen Zeiten schwer. Die Gäste bekamen im Anschluss Gelegenheit, an einer Führung über die Baustelle teilzunehmen.
Das Dach des baldigen Gemeindehauses zierte derweil, wie es sich traditionell für ein Richtfest gehört, ein bunt geschmücktes Bäumchen, das Gemeindereferentin Johanna Schilder organisiert hatte. Droben am Gerüst warteten während der Grußworte schon geduldig zwei Zimmermänner auf ihren Einsatz. Schnell war der Richtspruch gesagt und der Wein getrunken, schon zerschellte das erste Glas auf dem Boden. Ein zweites durfte heil bleiben, das steckte sich der Zimmermann in die Jackentasche, ehe ein Regen aus Süßigkeiten auf Kinder und Erwachsene herunterprasselte.
Rund vier Millionen Euro wird das Gemeindehaus kosten, erklärte Susanne Thürauf von der Steuerungsgruppe des Projekts auf Nachfrage der Redaktion. Finanziert wird es durch Zuschüsse der Bayerischen Landeskirche, LAG Aischgrund, dem Bayerischen Jugendring und der Aktion Mensch. Spenden und Rücklagen der Kirchengemeinde dienen ebenfalls der Finanzierung, so Susanne Thürauf. In rund einem Jahr ist die Fertigstellung des Gemeindehauses geplant, sagte Dittmar.
Die Gäste bekamen dann noch die Chance, sich für immer im Gemeindehaus zu verewigen. Jeder, der wollte, durfte einen Nagel in einer Holzwand versenken, die dann im großen Saal des Gemeindehauses eingebaut wird. Zwar noch mal verkleidet, „aber wir wissen ja, dass sich die Nägel darunter befinden“, meinte Jörg Dittmar, der den Anfang machte und zum Hammer griff.