Ein Heißluftballon stürzt über dem Waldgebiet bei Pahres ab. Ein Hubschrauber überfliegt das Unglücksgebiet. Die Feuerwehr fährt Wege ab. BRK-Hundestaffeln wurden angefordert und sollen das Gebiet nach Opfern absuchen. Dies war glücklicherweise nur das Szenario für eine zweitägige Prüfung, der sich 40 Rettungshundeteams stellten.
Diese fand in Reinhardshofen und Pahres statt. Mensch-Hundeteams aus ganz Bayern nahmen daran teil, um ihre turnusgemäße Einsatzfähigkeit zu checken. „Die Überprüfung muss alle zwei Jahre wiederholt werden, um die Zuverlässigkeit für den Ernstfall sicherzustellen”, erklärte Hartmut Schneider, Fachdienstleitung Rettungshund im BRK Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im Gespräch mit unserer Redaktion nach der Veranstaltung. Die hiesige Gruppe nahm daran nicht aktiv teil, sondern brachte sich mit 25 Aktiven als Opfer oder in anderen Funktionen ein. Sechs Hunde-Mensch-Teams von ihnen werden demnächst in Kehlheim zur Prüfung antreten.
In Reinhardshofen und Pahres galt es für jeden Prüfling, ein Waldgebiet von 4,5 Hektar nach zwei vermissten Personen abzusuchen. Laut Szenario hatten sie sich im Korb des Heißluftballons befunden, der sich von der Ballonhülle gelöst hatte. Über die genaue Zahl der Vermissten und die mögliche Schwere ihrer Verletzungen war nichts bekannt. 30 Minuten Zeit hatte jedes Mensch-Hunde- Team als reine Suchzeit für die Vermissten zur Verfügung. Bevor sich der Hundeführer und sein Vierbeiner auf den Weg machten, galt es erst einmal, Infos beim Einsatzleiter einzuholen, um die Lage zu erkunden.
So wurden etwa mögliche Gefahren und Risiken im Suchgebiet abgefragt. Gibt es offene Steinbrüche, stark befahrene Straßen oder Bahnlinien? Wurde der Jagdpächter informiert, dass Rettungshunde frei im Wald herumlaufen? „Dies alles ist wichtig, um eine Risikoeinschätzung machen zu können”, informierte Schneider. Ausgehändigt wurde zudem eine Karte. Nachdem noch der Wind geprüft worden war und sich der Prüfling grob im Wald orientiert und die Himmelsrichtung bestimmt hatte, konnte die Suche beginnen.
Für diese wurde dem Vierbeiner noch die Schabracke, die Kenndecke mit dem Logo des BRK-Bayern angezogen, so ist der Hund im Einsatz deutlich sichtbar und gekennzeichnet. Das Geschirr enthält zudem ein Glöckchen, damit man den Vierbeiner hört, und Licht, damit er gerade bei Einsätzen im Dunkeln erkennbar ist, führte der hiesige Fachdienstleiter aus. Nun begannen die Flächenhunde in ihrem Einsatzgebiet, frei laufend, zu stöbern und nach menschlichem Geruch zu suchen. Die gefundene Person wurde mit lautem Bellen gemeldet. „Der Hund verbellt so lange neben dem Opfer, bis der Hundeführer da ist.”
Nach dem erfolgreichen Fund wurde das Tier mit einem Leckerli oder seinem Spielzeug belohnt. „Triebfeder unserer Hunde ist der Spaß an der Zusammenarbeit mit ihrem Hundeführer. Die Tiere machen diese Suche ohne Druck und völlig freiwillig”, unterstrich Schneider. Zurück zum Szenario: Der Hundeführer oder die Hundeführerin, die alle eine Sanitätsausbildung haben, kümmerten sich nach dem Auffinden des Opfers um dieses, sprachen es an und übernahmen die Betreuung und Erstversorgung. Gleichzeitig forderten sie weitere Versorgungskräfte bei der Leitstelle an.
Hierfür sei es, so Schneider, wichtig, den Fundort genau zu beschreiben, damit weitere Hilfe so schnell wie möglich hinzukommen kann. „Prüfungen, wie in Pahres und Reinhardshofen sind Momentaufnahmen mit allen Stärken und Schwächen.” Nicht alle 40 Teams bestanden sie. Aber mit 85 Prozent sei die Erfolgsquote sehr hoch gewesen. Wer es nicht schaffte, kann in vier Wochen zur Wiederholung antreten.
Bei den meisten teilnehmenden Vierbeinern (60 bis 70 Prozent) hatte es sich um erfahrene Hunde gehandelt, mit versierten Führern. In anderen Fällen, war es für die Vierbeiner das erste Mal, dass sie bei einer solchen Prüfung mitmachten, auch manche Herrchen oder Frauchen sind noch nicht so lange bei der Rettungshundestaffel. Seien diese sehr aufgeregt, übertrage sich das aufs Tier, da dieses sehr stark auf den Menschen fixiert sei.
Bis die Mensch-Hundeteams die in der Prüfung geforderte Leistung erbringen können, bedarf es eines intensiven Trainings. Zehn bis zwölf Stunden investieren die Aktiven, die alle ehrenamtlich agieren, wöchentlich, auch am Wochenende. Hinzu kommt, dass die Hundeführenden noch eine 127 Stunden umfassende theoretische Ausbildung absolvieren müssen. Derzeit hat die hiesige BRK-Rettungshundestaffel zehn geprüfte Flächenhunde und drei geprüfte Mantrailer. Letztgenannte werden verstärkt angefordert und in ganz Mittelfranken bis nach Oberfranken eingesetzt. Die Flächenhunde werden etwa einmal im Monat zum Einsatz gerufen.
„Und das bei jedem Wetter, von minus 10 Grad bis 38 Grad plus. Das muss man mögen”, resümierte Hartmut Schneider, der genau dies tut. Seit 2006 ist er nun schon mit seinem dritten Hund im Team und das mit großer Begeisterung. Er selbst hat die Entscheidung nie bereut.