Es ist ein Haus wie kein anderes. Gestiftet hat es im Jahr 1882 der langjährige Bürgermeister Georg Leonhard Dornberger. Doch das prägnante Gebäude droht zu verfallen. Was aus ihm werden könnte, haben sich Studierende von zwei Hochschulen überlegt. Ihre Ideen präsentierten sie der Dorfgemeinschaft – natürlich im Dornberger-Haus.
Sein größter Raum ist proppenvoll. Die Begrüßung übernimmt Stephanie Hassel. Sie lebt seit ihrer Kindheit auf der anderen Straßenseite und kämpft seit Jahren für den Erhalt des Hauses in der Mitte des Dorfs mit rund 130 Einwohnern. Dafür wurde sie im November 2024 mit dem Ehrenamtspreis der Fränkischen Landeszeitung ausgezeichnet. Sie führt den Verwaltungsrat der Dornberger-Stiftung, der das Gebäude gehört. Unermüdlich hat die zweifache Mutter Wege gesucht, wie man für die nächsten Generationen erhalten kann. Inzwischen gibt es eine kleine Hoffnung. CSU und Freie Wähler haben im bayerischen Landtag 150.000 Euro für erste Schritte gegen den Verfall lockergemacht.
Über das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim entstand ein Kontakt zu dem Architekten Markus Schlempp. „Für mich ist es ganz toll zu spüren, dass die Leute hier etwas machen wollen“, beschreibt er seine Erfahrungen seit seinem ersten Besuch im Sommer. Der Zimmermann und Architekt hat ein eigenes Atelier bei Basel und ist Professor in Bamberg und Coburg. Dort hat er unter anderem ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt aufgebaut, mit dem neue Wege gesucht werden, um ältere Häuser zu sanieren und zu ergänzen.
Heute lädt Professor Schlempp zum Seminar nach Ezelheim. Die Stühlen reichen nicht, Bierbänke werden hereingetragen. Dann beginnt auf der Leinwand der Blick in die Zukunft. Ihn wagen Studierende aus Bamberg und Coburg, die im Oktober in dem Ortsteil von Sugenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) waren. Ihre Fachgebiete sind weit gespannt, von Architektur und Innenarchitektur bis zum Denkmalschutz und digitalen Techniken.
Sie haben Ideen entwickelt, was aus dem Haus, seinem großen Garten, der alten Holzlege und dem Platz davor werden könnte. Ihr Professor hat die Arbeiten eng begleitet. „Wir haben wöchentlich zusammengesessen. Es ist ein sehr breites Spektrum geworden“, erklärt Markus Schlempp. Jeder Vorschlag ist mit Plänen, Zeichnungen und technischen Berechnungen ausgearbeitet, die Konzepte werden als Semesterarbeit benotet, auf ihnen kann man aufbauen.
Eine verbindliche Vorgabe war, dass das Dorf auf jeden Fall einen Saal braucht, in dem sich bis zu rund 90 Personen treffen können. „Der Saal war die größte Herausforderung“, sagt Schlempp, dann überlässt er den Studierenden das Wort. Der Beamer leuchtet. Es gibt Zeichnungen, Fotos, Illustrationen und im lockeren Plauderton leicht verständliche Erklärungen, warum wer was wie machen würde.
Elf Arbeiten werden von den Studierenden der zwei oberfränkischen Hochschulen präsentiert. Vier Stunden lang staunen die Zuhörer, wie viele verschiedene Ideen die jungen Leute vor ihnen entwickeln. Mal entsteht der gewünschte Saal im Haus, mal in einem Anbau. Küche natürlich immer, mal mit einem Café für die Stammtische, mal mit mehr Platz für die großen Veranstaltungen.
Hier noch ein eigener Ausschank im Garten für die Sommerfeste, dort eine große Terrasse an der Westfassade, an der so schön die Sonne untergeht. Kleinere Räume für Vereine, Kinderbetreuung und die Jugend, variabel trennbar oder mit den vorhandenen Wänden. Einige holen mächtig aus, präsentieren neue Treppenhäuser außen oder reißen eine Seitenfassade auf, andere wollen möglichst wenig verändern. Fluchtwege, Brandschutz, Energiekonzept, Haustechnik, Barrierefreiheit, Toiletten, alles bedacht.
Den Ideen gemeinsam ist der Wunsch, das alte Haus zu einem lebendigen Zentrum für alle Generationen zu machen. Ein Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Denn eines, schmunzelt Professor Schlempp, sei ihnen schon beim ersten Besuch klar geworden. „Gefeiert wird hier gern – super.“
Oft geht ein Raunen durch die Reihen, überrascht, anerkennend oder kritisch. Alle dürfen fragen, alle bleiben aufmerksam. Am Ende gibt es kräftig Applaus. „Es waren Ideen dabei, auf die wir selbst nicht gekommen wären“, sagt Stephanie Hassel. „Es ist wichtig, dass wir jetzt Pläne haben und zeigen können, was möglich wäre.“ Sie erwartet in den nächsten Wochen eine rege Diskussion. „Über die Richtung, in die wir dann gehen wollen, entscheiden wir gemeinsam im Dorf.“
Die Dornberger´sche Stiftung, deren einst ordentliche Rücklagen schon durch die Inflation zwischen den Weltkriegen aufgezehrt wurden, verfügt nicht über die Mittel, um eine Sanierung selbst zu finanzieren. Über mögliche Kosten der einzelnen Konzepte will Professor Markus Schlempp nicht spekulieren. „Wir können einen schönen Blumenstrauß an Inspirationen liefern. Dann muss alles seinen geregelten Gang gehen.“
Wenn die grobe Richtung geklärt ist, legen die Ezelheimer Vereine zusammen, um über ein Gutachten zur Statik eine belastbare Kostenschätzung zu bekommen, kündigt Stephanie Hassel an. „Ich bin sehr froh, dass so viele mithelfen.“ Klar sei angesichts der finanziellen Lage, dass man eine pragmatische Lösung mit vertretbaren Folgekosten brauche.
„Da habt ihr eine gute Aufgabe“, meint Professor Schlempp. „Wir sind für Rückfragen gerne da und stehen zur Verfügung, wenn ihr Fragen habt.“ Ein besondere Rolle wird der Denkmalschutz spielen, unter dem das 1905 fertiggestellte Haus steht. Bei der kniffligen Suche nach einer Lösung für diese beispiellose Herausforderung sind neben der Gemeinde auch das Amt für Ländliche Entwicklung in Ansbach und die Landtagsfraktionen von CSU und Freien Wählern dabei.
Werner Stieglitz, CSU-Abgeordneter aus Markt Erlbach, ist seit einem Jahr im engen Kontakt mit den Initiatoren und verfolgt die komplette Präsentation im Dornberger-Haus. „Man spürt, das sich die Studenten auch emotional in dieses Gebäude und in Ezelheim eingebracht haben. Ich bin begeistert, wie das vor Ort angenommen wird. Man hängt sehr an dem Haus.“
Stieglitz kündigt am Ende der Präsentation weitere politische Unterstützung für das Projekt an. Hier sei er sich mit Gabi Schmidt, der Landtagsabgeordneten der Freien Wähler aus Uehlfeld, einig. „Ich kann versprechen, wir werden das ganz eng weiter begleiten. So etwas steht und fällt mit der Dorfgemeinschaft.“
Nach den nächsten fachlichen Schritten müsse entschieden werden, wofür die bereit stehende Ersthilfe von 150.000 Euro verwendet wird, so Stieglitz gegenüber der Fränkischen Landeszeitung. „Es ist ein wichtiger Punkt, die Dorfgemeinschaft zu stärken.“ Sie brauche einen zentralen Ort, an dem sie zusammenkommen kann. „Das lebt nur, wenn man Menschen hat, die sich engagieren und vorangehen. Hier haben wir das mit Stephanie Hassel – und die Dorfgemeinschaft steht dahinter“, lobt der Landtagsabgeordnete. „Ich freue mich, wenn es jetzt weitergeht und das Haus aus dem Dornröschenschlaf herauskommt.“