Rekordkulisse in der 2. TT-Bundesliga: Windsbach siegt im Derby gegen Hilpoltstein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.12.2025 09:34, aktualisiert am 07.12.2025 16:46

Rekordkulisse in der 2. TT-Bundesliga: Windsbach siegt im Derby gegen Hilpoltstein

Vor der Windsbacher Rekordkulisse von 328 Zuschauern schlug der heimische TSV den TV Hilpoltstein mit 6:2. (Foto: Martin Rügner)
Vor der Windsbacher Rekordkulisse von 328 Zuschauern schlug der heimische TSV den TV Hilpoltstein mit 6:2. (Foto: Martin Rügner)
Vor der Windsbacher Rekordkulisse von 328 Zuschauern schlug der heimische TSV den TV Hilpoltstein mit 6:2. (Foto: Martin Rügner)

Die Show war gelungen. Vor einer Rekordkulisse von 328 Zuschauern siegte der TSV Windsbach im Mittelfranken-Derby der 2. Tischtennis-Bundesliga am Samstagabend deutlich gegen den TV Hilpoltstein. Am Sonntag ließ der neue Tabellenzweite einen Kantersieg in Passau folgen.

Schon um 17 Uhr zum Warmspielen strömten die ersten Zuschauer in die Halle. Eine Stunde vor dem Start war die Derbystimmung greifbar. Als um 17.15 Uhr der Leberkäse geliefert wurde, konnte aus Sicht von TSV-Mannschaftsführer Andreas Staudacher schon nicht mehr viel schiefgehen. Doch dann begann das erste Aufeinandertreffen der beiden Vereine in 2. Liga ja erst so richtig.

Ungewohnte Windsbacher Schwäche im Doppel

Und in den Eingangsdoppeln zeigte Windsbach ungewohnte Schwächen. Mit der besten Doppelbilanz der Liga angetreten, musste die Heimmannschaft einen Rückschlag hinnehmen. Das Duo Bojan Tokic/Chen Chien-An fand gegen Alexander Flemming/Jan Valenta kaum einen Rhythmus. Direkt vor dem Hilpoltsteiner Fanblock gewannen die Windsbacher den ersten Satz noch, bauten dann aber ab und verloren 1:3.

Am Nebentisch war es zwischen Tom Schweiger/Jakub Folwarski und Matthias Danzer/Martin Buch Andersen ausgeglichener. Eigentlich lag das Momentum bei 2:1-Führung im vierten Satz beim TSV-Duo, Andersen haderte mächtig mit sich. Doch die Hilpoltsteiner fanden einen Weg aus dem Loch und siegten 3:2.

Doppelweltmeister sorgte für gute Stimmung

„Das war nicht geplant”, rekapitulierte Staudacher die Doppel. „An dem Punkt, haben wir gedacht, es könnte schon knapp werden.” Tokic schnappte sich nach der Niederlage ein Stück Kuchen zur Stärkung. Für ihn war der Abend als Aktiver an der Platte allerdings beendet. Für die Einzel rückte Petr David an Position 4 ins Team.

Doch zunächst war das vordere Paarkreuz gefragt. Dort zeigte der Taiwanese Chen gleich seine Klasse. Der Doppelweltmeister von 2013 fegte den amtierenden Bayerischen Meister Danzer mit 3:0 aus der Box vor den Hilpoltsteiner Fans. Der erste Dämpfer für die bislang frenetischen Gästefans.

Ein frustrierter Alexander Flemming greift zum Bierkrug

Nebenan beackerte Schweiger den Tisch mit TVH-Spitzenspieler Flemming. Das ruhige Talent der Windsbacher gegen das emotionale Urgestein, das seit 2009 mit Hilpoltstein in der 2. Liga spielt und zweifacher Deutscher Meister im Doppel ist. Nach bitteren Punktverlusten bot Flemming mal dem Schiedsrichter seinen Schläger an, mal griff er nach einem Bierkrug im Publikum. Frustriert verlor er 2:3 und Schweiger hatte für Windsbach ausgeglichen.

Dann kam das vielleicht entscheidende Match. Während der Tscheche David gegen den weiterhin nervös wirkenden Andersen – Olympia-Teilnehmer 2024 für Dänemark – in einem verbissenen Duell 3:0 gewann, musste Folwarski gegen Valenta lange kämpfen. Der Windsbacher Defensivallrounder geriet gegen den tschechischen Angreifer zunächst zu oft unter Druck. Valenta führte schon 2:0, als Folwarski zu seinem Spiel fand. Mit 11:8 und 11:5 glich er aus.

Jubelfaust und Luftküsschen für die Fans

Es folgte ein hart umkämpfter fünfter Satz, in dem die Fans beider Seiten ihre wahre Freude hatten. Folwarski lag stets vorne, doch Valenta forderte dem Windsbacher alles ab. Als der Pole den Punkt zum 11:9 im Sack hatte, reckte der die Faust zum Jubel in Richtung der heimischen Fans. Die hatten zuvor schon ein Luftküsschen von David bekommen und waren sich des Sieges ihrer Mannschaft nun fast schon sicher.

Denn nun schritt wieder Chen zur Tat. Er hatte im Einserduell überhaupt keine Probleme mit Flemming und machte mit 11:5, 11:2 und 11:3 kurzen Prozess.

Tom Schweiger gewinnt gegen Kumpel Matthias Danzer

Im Duell der Zweier traf Schweiger in einem spektakulären Vollgas-Match auf seinen Kumpel Danzer. Die beiden sind amtierende Bayerische Meister im Doppel, den Einzeltitel holte sich Danzer im Finale gegen Schweiger. An diesem Abend drehte der Windsbacher den Spieß um. In zwei engen Sätzen setzte er sich durch und brach damit den Willen von Danzer. 11:4 hieß es im dritten und die Zuschauer skandierten „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!”.

Staudacher fasste zusammen: „Wir wussten eigentlich, dass wir in den Einzeln stärker sind. Die Spieler haben das nach dem Rückstand souverän gelöst.” Von einer, so mancherorts kolportierten, „Wachablösung” im mittelfränkischen Tischtennis wollte Staudacher aber nicht reden. Windsbach sei Aufsteiger und Hilpolstein schon 20 Jahre dabei. Einen Sieg bei Tabellenführer Passau wollte der TSV-Manager tags darauf aber trotzdem auch noch einfahren.

In Passau funktionieren auch wieder die Doppel

Den gab es auch – im Handstreich. Diesmal funktionierten auch die Doppel wieder in gewohnter Manier. Passau war als Tabellenführer ins Wochenende gegangen, hatte aber den Südkoreaner Gaon Kim nicht dabei und war gegen stark besetzte Gäste chancenlos. Mit einer 2:0-Führung ging Windsbach in die erste Einzelrunde. Dort schlug Schweiger den Passauer Viktor Yefimov in vier Sätzen, Chen brauchte gegen Elia Schmid wieder nur drei.

Im hinteren Paarkreuz gestand Tokic, der diesmal für Folwarski die Einzel spielte, seinem Gegner Sebastian Schrötter nur zehn Punkte zu und siegte 3:0. David unterlag Leon Benko im einzigen wirklich engen Match in fünf Sätzen, womit Chen mit einem abermaligen 3:0-Sieg im Einserduell gegen Yefimov den Windsbacher Erfolg sicherstellte.

Staudacher blickt auf „eine entspannte Rückrunde”

„Bei Passau hat die Nummer eins gefehlt, das hast du gemerkt. Es war nur ein enges Spiel dabei. Es war nicht ganz überzeugend, aber wir haben gewonnen”, fasste Staudacher zusammen. Windsbach liegt nun als Aufsteiger auf Platz 2 der Tabelle, vom Aufstieg will der Teammanager aber nichts wissen. „Selbst Passau spricht nur vom Klassenerhalt. Es geht sehr eng zu. Wichtig für uns war, dass Saarbrücken keine Punkte in Mainz geholt hat. Wir sind sehr zufrieden und können eine entspannte Rückrunde spielen.”

TSV Windsbach – TV Hilpoltstein 6:2.- Ergebnisse: Schweiger/Folwarski – Danzer/Andersen 8:11, 11:5, 11:4, 10:12, 9:11; Chen/Tokic – Flemming/Valenta 11:9, 4:11, 5:11, 1:11; Chen – Danzer 11:3, 11:6, 11:3; Schweiger – Flemming 11:9, 12:10, 8:11, 12:10; Folwarski – Valenta 8:11, 5:11, 11:8, 11:5, 11:9; David – Andersen 11:9, 11:6, 14:12; Chen – Flemming 11:5, 11:2, 11:3; Schweiger – Danzer 12:10, 11:9, 11:4.

TTC Fortuna Passau – TSV Windsbach 0:6.- Ergebnisse: Yefimov/Schröttner – Schweiger/Folwarski 5:11, 10:12, 13:11, 2:11; Benko/Schmid – Chen/Tokic 6:11, 7:11, 5:11; Yefimov – Schweiger 6:11, 11:7, 9:11, 3:11; Schmid – Chen 7:11, 7:11, 7:11; Benko – David 11:8, 8:11, 13:11, 11:7, Schröttner – Tokic 5:11, 1:11, 4:11; Yefimov – Chen 8:11, 9:11, 5:11.

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