Der Verlängerung des Reiterlesmarktes im Jahr 2025 waren damals intensive Diskussionen im Stadtrat vorausgegangen. Dass am Totensonntag die Buden geschlossen blieben, war für mehrere Gremiumsmitglieder der Grund, die Verlängerung mittragen zu können. 2026 sollen die Buden nun auch an diesem Tag offen sein.
Nach einer kontroversen Diskussion einigte sich das Gremium auf eine Zwischenlösung: Der Markt wird am Totensonntag geöffnet sein, allerdings erst ab 13 Uhr, wenn die Gottesdienste vorbei sind.
Warum stand dieser Tag überhaupt erneut zur Diskussion? Grund ist ein neues Gesetz in Bayern bezüglich der Ladenschlusszeiten. Darin ist festgelegt, dass am Totensonntag der Einzelhandel nicht mehr öffnen darf. Im Vorjahr war dieser Tag verkaufsoffen, sodass Gäste, die an diesem Tag nach Rothenburg kamen und vor verschlossenen Buden standen, eine Alternative hatten.
Die fällt jetzt weg, „die Touristinnen und Touristen können nicht mal mehr zu Käthe Wohlfahrt als Weihnachtsmarktersatz”, betonte Oberbürgermeister Dr. Markus Naser und sprach sich vehement für eine Öffnung des Marktes aus. Es wäre ein „unglaubliches Eigentor”, eine „Katastrophe für die Stadt”, wenn man die Gäste, die „teils extra um die halbe Welt gereist sind”, an diesem Tag enttäuschen würde. Oliver Raapke von der Tourist-Information ergänzte: Etwa 40 Prozent der Gäste kämen aus dem Ausland, viele von ihnen „kennen den Totensonntag gar nicht”. Zudem hätten auch andere Märkte – zum Beispiel in Dortmund, Nürnberg oder Bayreuth – an diesem Tag geöffnet.
„Die Gäste schlagen der Tourist-Info die Türe ein”, warnte Bürgermeister Kurt Förster (SPD). Peter Wack (CSU) erinnerte daran, dass die Verlängerung für das Vorjahr „nur mit knapper Mehrheit beschlossen”, im Nachhinein aber von allen positiv bewertet wurde – selbst von den ehrenamtlichen Budenbetreibern. Dass der Totensonntag als „umsatzstarker Tag” wegfallen solle, sei für viele unverständlich.
Doch es gab im Gremium auch gegensätzliche Ansichten. Der christliche Aspekt stehe für ihn beim Weihnachtsmarkt immer noch im Mittelpunkt, sagte Dr. Wolfgang Scheurer (CSU). Dies spreche gegen die Öffnung. Den Markt zu öffnen sei „reiner Kommerz, ohne Werte”, sagte auch Dr. Dr. Günther Strobl (SPD) – „an diesem Punkt gibt es bei mir kein Pardon”. Dem schloss sich Gabriele Müllender (Grüne) an und sprach ebenfalls von einem Werteverlust. Peter Holstein (FRV) meinte, es sei Pflicht, sich als Besucher oder Besucherin im Vorfeld zu informieren. Eine Öffnung „geht für mich gar nicht”.
Susanne Landgraf (UR) nahm Bezug auf das Statement von Jutta Holzheuer zum Thema, das sie „zum Nachdenken gebracht hat”. Die Dekanin sieht durch die Öffnung die christlichen Werte in Gefahr. Den würdigen Umgang mit Verstorbenen und ihren Angehörigen zu respektieren, könne Touristinnen und Touristen zugemutet werden. Landgraf könne aber auch die Enttäuschung der Gäste verstehen und schlug daher als Kompromiss vor, den Reiterlesmarkt erst mittags nach den Gottesdiensten zu öffnen.
Dieser Vorschlag wurde direkt von Stefan Reihs (SPD) unterstützt und auch Hermann Uhl (FRV) bewertete ihn positiv. Einen stillen Weihnachtsmarkt ohne Musik, aber immerhin mit offenen Buden und erst ab etwa 13 Uhr geöffnet, könne er sich vorstellen. Auch OB Naser konnte sich damit anfreunden und ergänzte den Beschlussvorschlag dahingehend. Für die Jahre 2026 bis 2028 wurde letztendlich mit sieben Gegenstimmen die Öffnung am Totensonntag von 13 bis 19 Uhr beschlossen.
Unkritisch und entsprechend einstimmig fiel die Entscheidung aus, den Weihnachtsmarkt auch 2027 und 2028 um eine Woche zu verlängern. Ebenso traf das Gremium einstimmig die Entscheidung, die Öffnungszeiten von Sonntag bis Donnerstag von 11 bis 19 Uhr sowie freitags und samstags von 11 bis 20 Uhr beizubehalten.