Einmal einen Häuptling aus dem südamerikanischen Peru in den eigenen vier Wänden willkommen heißen. Markus Klein hat das getan. Eine von vielen prägenden Erfahrungen, die er berufsbedingt erleben durfte. Der 57-Jährige ist hauptamtlicher Prediger bei der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG).
Vor rund einem Jahr wurde er nach Bad Windsheim versetzt. Damit ging es für ihn zurück zu seinen Wurzeln, denn Markus Klein ist hier geboren. Aufgewachsen ist der 57-Jährige in Ansbach, ging dort und in Nürnberg zur Schule. Seine Großmutter wohnte am Schüsselmarkt in Bad Windsheim, die Ferien verbrachte er als junger Bub oft bei ihr. „Das war wie Urlaub für mich.“
Sehr gefreut hat es ihn deshalb, nach Bad Windsheim zu kommen. Seine Versetzung hat er bis heute nicht bereut – wenngleich es für ihn und seine Frau Andrea freilich eine Umstellung war, sagt der Vater von vier erwachsenen Söhnen. Zuvor wirkte Markus Klein in Fürth, dort lebte die Familie näher beieinander. „Dann sind wir ausgezogen. Und normalerweise ziehen doch die Kinder aus“, sagt der 57-Jährige und muss schmunzeln. Still sei es da anfangs im neuen Haus gewesen.
Doch die Kleins fanden rasch Anschluss. Die evangelische Kirche oder auch die Elops haben schnell Interesse am neuen Prediger gezeigt, sagt der 57-Jährige. „Auf das Miteinander wird viel Wert gelegt. In der Großstadt lebst du teilweise nebeneinander her, was ich gar nicht böse meine.“ Hier hat man kurze Wege, kennt und schätzt sich. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht.“
Markus Klein ist gelernter Augenoptiker und Hörgeräteakustiker. In der LKG Ansbach war er schon lange aktiv, als vor Jahren der dortige Prediger auf ihn zukam und fragte, ob er sich vorstellen könnte, in den hauptamtlichen Dienst zu wechseln. „Und ehrlich: Das konnte ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht“, erzählt Markus Klein, war er doch damals endlich ausgelernt und in der Lage, gutes Geld zu verdienen.
„Wenn das so sein soll, muss mein Gott mir das auch so zeigen, dass ich es kapiere“, sagte sich der 57-Jährige. Und das tat er mehrmals. Einmal passte Markus Klein einem älteren Herren ein Hörgerät an, unterhielt sich mit ihm über Verschiedenes. Schon fast aus der Ladentür draußen, kehrte der Senior um und meinte wie aus dem Nichts zu ihm: „Und du sollst Pfarrer werden.“ Seine Ausbildung absolvierte er in der Schweiz am theologische Seminar St. Chrischona. Vier Jahre lernte er dort, nach einem Praxis-Jahr in Würzburg, wirkte Markus Klein zwölf Jahre in Schweinfurt, danach 14 Jahre in Fürth und nun in Bad Windsheim.
Wichtiger Baustein auf seinem Weg zum Glauben war für ihn der Christliche Jugendbund Bayern (CJB). Seine beiden älteren Brüder und er waren dort jahrelang aktiv. Dann ging es für den 57-Jährigen zur Bundeswehr. Stationiert war er in der Nähe von Gunzenhausen, nahm regelmäßig an einem Soldatenbibelkreis teil. So manche Erfahrung dort bewegte ihn dazu, seinen Glauben noch aufrichtiger leben zu wollen. Als „das Wirken Gottes an einem selbst“, beschreibt er das.
Die Aufgaben eines Predigers, auch Pastor genannt, und eines Pfarrers ähneln sich heutzutage, sagt der 57-Jährige. Bei Chrischona war es erwünscht, dass man zuvor einen Beruf erlernt hatte. „Wir sind mit der Kirche verwurzelt“, sagt Markus Klein und betont, dass man keine Freikirche sei. Oft gibt es Doppelfunktionen, beispielsweise, wenn Menschen in der LKG und gleichzeitig im Kirchenvorstand aktiv sind. Den Schwerpunkt der LKG sieht er vor allem im Missionarischen und beim Gebet. Ehrenamt spielt eine große Rolle. In Bad Windsheim sind rund 50 Ehrenamtliche dabei, schätzt der Prediger.
„Etwas wird heil, drum heißt unser Jesus Heiland.“
Das Ziel der Christen ist für Markus Klein, den Menschen Jesus nahe zu bringen. Wer mit ihm in Beziehung kommt, verändert sich, sagt er. Das hat der 57-Jährige oft erlebt. „Etwas wird heil, drum heißt unser Jesus Heiland.“ Rausgehen und in Kontakt kommen – das mag Markus Klein. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bereitet ihm Freude, ebenso predigen und verkündigen. „Reden ist meine Stärke, ich bin nicht so der Verwaltungsmensch.“ Ob er die Entscheidung, beruflich neu anzufangen, je bereut hat? „Ich würde es wieder machen“, sagt Markus Klein. So viel Segen habe er dadurch erlebt, beispielsweise auch seine Frau kennengelernt, mit der er „vier richtig coole Kinder“ bekommen hat. Auch sie bringen sich christlich ein. „Du bist als Prediger natürlich Vorbild. Aber wichtig war und ist mir: Sie sollen das gerne machen“, sagt Markus Klein.
Viele Erfahrungen sammelten er und seine Familie durch seinen Job. Beispielsweise, als eben einmal ein Missionar aus Peru mit einem Häuptling zu Gast war, der aus dem Urwald erzählte. Solche Erfahrungen seien prägend gewesen. In all ihren Facetten.