Auch im Landkreis Ansbach hat die Polizei am Mittwochmorgen Wohnungen bei der bundesweiten Razzia gegen die verbotene rechtsextremistische Vereinigung „Artgemeinschaft“ durchsucht. Drei der acht Mitglieder, deren Räumlichkeiten im Freistaat durchsucht wurden, leben hier. Insgesamt waren 50 Polizisten in Bayern im Einsatz, wie das Innenministerium mitteilt.
Es wurden im Schillingsfürster Ortsteil Neuweiler und im Dombühler Ortsteil Kloster Sulz zwei Wohnungen von Mitgliedern der „Artgemeinschaft” durchsucht. Bei den Razzien wurde niemand festgenommen, FLZ-Informationen zufolge waren keine Spezialeinheiten im Einsatz.
Im Schillingsfürster Ortsteil Altengreuth durchsuchten die Polizisten die Wohnung von Ute L., sie soll die Schatzmeisterin des Vereins gewesen sein. Sie ist zudem die Ex-Frau von Frank Rennicke. Der rechtsextreme Liedermacher ist eine Schlüsselfigur der Neonazi-Szene.
Es wurden bei den Durchsuchungen in Bayern zum Beispiel Datenträger, Dokumente und Geld sichergestellt. Für die Sicherheitsbehörden geht es vor allem darum, das Vereinsvermögen zu sichern.
Im März 2008 erwarb Frank Rennicke ein 1000 Quadratmeter großes Anwesen in der Gemeinde Insingen, wohnte aber mit seiner Großfamilie und der damaligen Ehefrau Ute im zwölf Kilometer entfernten Altengreuth. Auf dem Anwesen fanden Medienberichten zufolge Veranstaltungen der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend”, einer Imitation der Hitler-Jugend, statt.
Neben seinem Liedgut widmete sich der Familienvater auch der Rekrutierung von jugendlichem Nachwuchs. Federführend wirkte er unter anderem an der „Schulhof-CD” der NPD mit, die kostenlos an Jugendliche verteilt wurde.
Das Innenministerium bestätigte bereits 2007, dass sich die „Heimattreue Deutsche Jugend” in Altengreuth getroffen hat. Am Rande eines Zeltlagers kam es demnach zu Auseinandersetzungen. Ein Kamerateam einer freien Journalistin wurde von Rennicke angegriffen. Das damalige Strafverfahren konnte wegen widersprüchlicher Aussagen nicht endgültig geklärt werden.
Bei der „Artgemeinschaft“ handelt es sich laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann um eine bundesweit aktive neonazistische, neuheidnische und religiös-völkische Organisation. Sie bilde eine zentrale Schnittstelle für die gesamtdeutsche Neonaziszene.
Die Ideologie der Organisation gehe von der Überlegenheit der nordisch-germanischen „Menschenart“ aus. Neben dieser rassistischen Grundannahme umfasse die Ideologie auch völkische, sozialdarwinistische und antisemitische Elemente.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat die Gruppierung verboten, die mit vollem Namen „Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“ heißt. In einer Mitteilung beschrieb Faeser sie als „sektenartige, zutiefst rassistische und antisemitische Vereinigung“.
Die Ministerin begründete ihre Entscheidung auch mit dem Kindeswohl. Sie sagte: „Diese rechtsextremistische Gruppierung hat versucht, durch eine widerwärtige Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen neue Verfassungsfeinde heranzuziehen.“ Bundesweit wurden in zwölf Bundesländern bei 39 Mitgliedern des Vereins Wohnungen durchsucht.