Es geht vornehmlich ums liebe Geld, aber auch um seit vielen Jahren schwelende Streitigkeiten und um ein Detail eines Mietverhältnisses: Dem Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf droht dieser Tage eine juristische Schlammschlacht.
Im Normalfall kümmert sich Manuel Buck um den verbliebenen Tiger, um einen Serval und andere Raubkatzen, die vermeintlichen Tierfreunden von den zuständigen Behörden aufgrund schlechter oder nicht artgerechter Haltung weggenommen wurden und die in Wallersdorf eine neue Bleibe fanden. Doch dieser Tage sind nicht die Vierbeiner das bestimmende Thema für den Vereinsvorsitzenden Buck, die anderen ausgebildeten Tierpfleger und die ehrenamtlichen Unterstützer. Vielmehr sehen sich die Mitglieder des Raubtier- und Exotenasyls einer Auseinandersetzung mit dem Vermieter des Areals vor Gericht gegenüber.
Dieser Streit, der nun vor der 2. Zivilkammer des Landgerichts Ansbachs in die erste Runde ging, schwelt bereits seit vielen Jahren. Mit dem nicht angekündigten Auswechseln der Schlösser zum Tiger-Café, das bislang vom Verein genutzte Lager-, Aufenthalts- und Büroräume beinhaltet, überschritt der Vermieter aus Sicht der Vereinsverantwortlichen aber eine Grenze. Diese Räume werden für Kinderpartys nach Führungen und vor allem zur monatlichen Durchführung des Tages der offenen Tür genutzt – die Haupteinnahmequelle des gemeinnützigen Vereins, wie Buck vor Gericht deutlich machte.
„Wir müssen ja irgendwie Geld verdienen. Die Spenden am Tag der offenen Tür sind ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung des täglichen Bedarfs der Tiere”, sagte Buck zur Begründung, warum der Verein nun eine einstweilige Verfügung gegen den Vermieter erwirken will. Verlangt wird darin der freie Zugang zu den Räumlichkeiten, in denen Plüschtiere zum Verkauf und verderbliche Waren für den Tag der offenen Tür gelagert werden.
Kern der Auseinandersetzung ist die strittige Frage, ob das in ein angrenzendes Wohnhaus integrierte Tiger-Café Bestandteil des Mietvertrages ist. Der nach eigenen Worten „auf die 80 zugehende” Vermieter bestreitet das. Er bestand vor Gericht darauf, dass lediglich die Gehege und der Außenbereich im Pachtzins enthalten sind. Das Tiger-Café sei über viele Jahre lediglich aus Gefälligkeit dem Verein überlassen worden.
Mit dem Antrag, gegenüber den Vereinsmitgliedern ein Betretungsverbot auszusprechen, scheiterte Dr. Johannes Heu, der Rechtsanwalt des Vermieters. „Das Verfahren ist nicht dazu gedacht, eine endgültige Lösung herbeizuführen”, begründete Richter Dr. Michael Tiedemann die Ablehnung des Antrags.
„Gibt es denn die Möglichkeit einer Einigung?”, wollte der Richter von beiden Parteien nach einem zähen Hin und Her wissen. „Jederzeit könnt ihr euer Glump haben”, gab der Vermieter zu Protokoll. Zugang zum Tiger-Café werde er aber nicht gewähren.
Auf eine damit verbundene Senkung der Pacht, die Vereins-Anwältin Michaela Hegendörfer ins Spiel gebracht hatte, wollte sich der Mann mit dem Verweis auf einen ohnehin geringen Betrag aber partout nicht einlassen. „Er kann den Rest auch kündigen, dann haben sie gar nichts”, drohte Anwalt Heu.
„Ich habe den Eindruck, dass nicht nur der Raum das Thema ist”, zeigte sich Richter Tiedemann einigermaßen überrascht über die offensichtliche Unversöhnlichkeit. Vereinsvorsitzender Buck hatte zuvor die lange Vorgeschichte der Streitigkeiten skizziert und das Jahr 2015 als Beginn der Differenzen ausgemacht. „Da ging das Ganze los, nach dem Aus seiner Lebensgefährtin im Verein.”
Die Korrespondenz mit dem Vermieter hat der Verein seit 2012 dokumentiert. Dabei fanden sich laut Anwältin Hegendörfer einige Schriftstücke, die belegen sollen, dass das Tiger-Café seit Jahren Teil des Mietverhältnisses ist. Allerdings gab die Anwältin die Schriftstücke erst im Gerichtssaal an den Richter weiter, was ihr juristisches Pendant als „nicht formgerecht eingereicht” kommentierte. Tiedemann ließ zunächst aber noch offen, ob er die Schreiben bei seiner Urteilsfindung berücksichtigen kann.
Die Entscheidung über die einstweilige Verfügung, die bereits am Freitag hätte verkündet werden sollen, wurde zunächst verschoben. Tiedemann brachte eine Mediation ins Spiel, um „eine Gesamtbereinigung herbeizuführen”. Vieles deutet aber auf eine Fortsetzung in einer Hauptverhandlung hin. Dahingehend will das Raubtier- und Exotenasyl auch Schadensersatzansprüche prüfen. An diesem Sonntag hätte eigentlich wieder ein Tag der offenen Tür stattfinden sollen. Er wurde abgesagt.