Raubtier-Asyl in Ansbach ohne neue Bleibe: Muss nun Tiger Boris getötet werden? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.03.2026 09:03

Raubtier-Asyl in Ansbach ohne neue Bleibe: Muss nun Tiger Boris getötet werden?

Ein Tiger als Zünglein an der Waage: Solange Boris noch lebt, wollen die Verantwortlichen des Vereins in Wallersdorf bleiben. Darum haben die Ehrenamtlichen jetzt beim Vermieter gebeten. (Archivbild: Antonia Müller)
Ein Tiger als Zünglein an der Waage: Solange Boris noch lebt, wollen die Verantwortlichen des Vereins in Wallersdorf bleiben. Darum haben die Ehrenamtlichen jetzt beim Vermieter gebeten. (Archivbild: Antonia Müller)
Ein Tiger als Zünglein an der Waage: Solange Boris noch lebt, wollen die Verantwortlichen des Vereins in Wallersdorf bleiben. Darum haben die Ehrenamtlichen jetzt beim Vermieter gebeten. (Archivbild: Antonia Müller)

Ein Damoklesschwert schwebt über dem Raubtier- und Exotenasyl: Am Dienstag, 31. März, endet der Pachtvertrag für das Areal im Ansbacher Ortsteil Wallersdorf. Der Verein steht dann offiziell ohne Grundstück da. Die Hoffnung haben die Verantwortlichen indes noch nicht aufgegeben. Lässt sich der Vermieter auf einen Kompromiss ein?

Der Serval Bagheera, die eurasischen Luchse Rokko und Anubis sowie Tiger-Senior Boris: Das sind vier der neun Tiere, die derzeit im Raubtier- und Exotenasyl am Ortsrand von Wallersdorf leben. Mit viel Herzblut sorgt das Team des gleichnamigen Vereins dafür, dass die Tiere ein gutes Leben haben.

Keine neue Fläche in Sicht

So weit, so gut: Doch die Arbeit der Verantwortlichen ist schon lange nicht mehr unbeschwert. Seit Jahren gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Verein und dem Eigentümer des Grundstückes. Diese gipfelten sogar in einer gerichtlichen Auseinandersetzung um den Zugang zum Tiger-Café und mündeten schließlich darin, dass der Vermieter den Pachtvertrag zum 31. März gekündigt hat.

Seitdem ist guter Rat teuer. Die Verantwortlichen suchen hinter den Kulissen nach einer Lösung. „Wir wissen absolut nicht, wie es weitergeht”, sagt Vereinsvorsitzende Petra Schmidtke. Ein neues Grundstück ist nach ihren Worten noch nicht gefunden, die Verantwortlichen haben auch keines in Aussicht.

Staatliche Aufgaben werden erfüllt

Erschwert wird die Suche nach Lösungen durch den engen finanziellen Spielraum des Vereins, der vor allem durch Spenden und Mitgliedsbeiträge getragen wird. Der im Jahr 2007 gegründete Verein kümmert sich um Raubkatzen und exotische Tiere aller Art, die aus illegalen oder schlechten Haltungen stammen. In Wallersdorf werden also staatliche Aufgaben erfüllt. Eine Förderung vom Freistaat Bayern gibt es dafür allerdings nicht.

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Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Reptilienauffangstation in München. Laut einer Pressemitteilung des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz wird diese jährlich mit 340.000 Euro unterstützt. Zudem hat das Umweltministerium einer Förderung von knapp 15 Millionen Euro für den Neubau der Auffangstation in Neufahrn im Landkreis Freising zugestimmt.

Verantwortliche hoffen auf einen Kompromiss

Das sind Summen, von denen die Verantwortlichen in Wallersdorf nur träumen können. Trotz der schwierigen Voraussetzungen wollen Petra Schmidtke und ihr Team nicht aufgeben. Sie haben sich mit einem Kompromiss-Vorschlag an den Anwalt des Vermieters gewandt. Dieser sieht vor, dass der Verein auf dem Grundstück bleiben darf, bis der 19-jährige Tiger Boris nicht mehr lebt.

Das hat einen einfachen Grund: Bei den übrigen Tieren des Vereins bestehen gute Chancen, dass sie im Fall der Fälle in andere Einrichtungen vermittelt werden können. Seit Monaten werden die guten Kontakte genutzt, um entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

18 Stunden ist Karakal „Feder” in einer Transportbox in ihr neues Zuhause in Spanien unterwegs. (Foto: News5/Markus Zahn)
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Schmidtke: „Wir hängen in der Luft”

Bei Tiger Boris sieht das indes anders aus, wie Petra Schmidtke sagt. Bei ihm ist es schwierig bis unmöglich, ihn weiterzuvermitteln. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass das Tier mehr oder weniger grundlos eingeschläfert werden muss. „Das wollen wir auf gar keinen Fall”, hält die Vereinsvorsitzende fest. Ob sich der Vermieter darauf einlässt? Eine Antwort stehe noch aus, so Schmidtke. „Wir hängen in der Luft.”

Unabhängig davon, ob der Vermieter dem Kompromissvorschlag zustimmt oder nicht, steht der Verein ab dem 1. April nicht auf der Straße. Gesetzlich ist geregelt, dass die Tiere nicht obdachlos werden dürfen, wie Schmidtke betont. Bereits im Dezember skizzierte Schmidtkes Vorgänger Manuel Buck, wie es ab April weitergeht, sollte bis dahin keine Lösung gefunden werden. Demnach würde die Stadt dem Verein das Gelände wieder zuteilen. In der Folge würde sich wahrscheinlich das Veterinäramt einschalten und schauen, dass die Tiere vermittelt werden können.

Die Vorsitzende gibt sich kämpferisch

Das wäre das Worst-Case-Szenario, das gleichzeitig das Aus für den Verein und die Auffangstation bedeuten würde. Doch daran wollen die Verantwortlichen um Petra Schmidtke noch keinen Gedanken verschwenden. Hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen weiter mit Hochdruck an einer Lösung für die Probleme. „Wir hoffen, dass wir doch noch ein Grundstück finden”, gibt sich die Vorsitzende kämpferisch.

Menschen, die über ein passendes Grundstück verfügen, oder einen Tipp haben, wo eine solche Fläche eventuell zu finden ist, bittet Schmidtke, sich beim Raubtier- und Exotenasyl zu melden. Die Verantwortlichen sind per E-Mail unter der Adresse info@raubkatzenasyl.org zu erreichen.

Der Text wurde erstmals am 27. März 2026 publiziert.


Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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