Raubkatzen-Tierpfleger kümmern sich um Schwäne: Das steckt hinter der Aktion | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 30.10.2024 19:40

Raubkatzen-Tierpfleger kümmern sich um Schwäne: Das steckt hinter der Aktion

Der mit den Schwänen spricht: Tierpfleger Manuel Buck gelang es, die Jungtiere schnell aus ihrem bisherigen Refugium zu locken. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der mit den Schwänen spricht: Tierpfleger Manuel Buck gelang es, die Jungtiere schnell aus ihrem bisherigen Refugium zu locken. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der mit den Schwänen spricht: Tierpfleger Manuel Buck gelang es, die Jungtiere schnell aus ihrem bisherigen Refugium zu locken. (Foto: Florian Pöhlmann)

Im Normalfall beschäftigt sich Manuel Buck mit Tigern, Raubkatzen oder auch Frettchen. Eben, alles was spitze Zähne hat. Der zoologische Leiter des Raubtier- und Exotenasyls in Wallersdorf wurde nun aber zu einem eher ungewöhnlichen Einsatz gebeten: Fünf junge Schwäne mussten aus einem Löschweiher bei Elpersdorf umgesiedelt werden.

Gerufen worden war Buck von einem Mitarbeiter eines nahen Logistikunternehmens, auf dessen Gelände im Gewerbepark West die Tiere in den zurückliegenden Tagen mal mehr, mal weniger intensiv spaziergegangen waren. Die dort ankommenden Zulieferer hatten die aufgrund ihres noch grauen Gefieders gut als erst ein paar Monate alt einzuschätzende Schwäne wohl mit Brot gefüttert, mutmaßt Manuel Buck. Das tierische Quintett zeigt tatsächlich wenig Berührungsängste und scheint an Brot gewohnt, das er ihnen entgegenhält.

Brot ist nicht gut für die Schwäne

Gut sei eine solche Ernährung grundsätzlich nicht für Schwäne, erklärt der Tierpfleger, weil Brotreste kein vollwertiges Futter darstellen und bei den Tieren zu Verdauungsproblemen und anderen Krankheiten führen können. „Aber wie willst Du den Lkw-Fahrern das erklären? Das kriegst du nicht raus aus den Menschen.“ Buck zuckt mit den Schultern. Falsch verstandene Tierliebe.

Eines aus dem Wurf der anfangs wohl sechs Jungtiere war in den vergangenen Tagen bereits auf dem viel befahrenen Areal überfahren worden. Auf der anderen Seite des Löschwasserteiches fließt der Verkehr auf der Staatsstraße ohne Unterlass in Richtung Autobahn. Gefahr war also in Verzug, als ein Mitarbeiter des Unternehmens die Nummer des Raubtier- und Exotenasyls wählte. „Klar machen wir das. Müssen wir ja, wir sind ja ein Tierschutzverein“, sagt Buck. Diesmal also Schwäne statt gefährlicher Exoten.

Eine Verbindung inmitten der Gruppe

Die Idee, die Tiere in die nur wenige Kilometer entfernten Höfer Weiher umzusiedeln, lag nahe. Doch als Buck zusammen mit Kollege und Tierpfleger Benjamin Koch an diesem regnerischen Mittag am Gewerbegebiet ankommt, denken die Tiere zunächst nicht daran, das Wasser zu verlassen. Auf engem Raum haben sie den Schnabel mal unter Wasser, mal werfen sie einen Blick ans Ufer.

Das könnte Sie auch interessieren

Dort liegen jetzt verstreut ein paar Brotkrumen. Buck ist sehr leise, bewegt sich gebückt und langsam in Richtung der Tiere. Er geht in die Knie, bröselt ein paar Brotkrumen in den Händen und scheint mit den fünf Schwänen im Flegelalter tatsächlich eine Art Verbindung aufzunehmen.

Drei Schwäne sind schnell eingefangen, der Rest hat sich ins Schilfgras verkrümelt. Tierpfleger Benjamin Koch hat sie im Dickicht entdeckt. In einer Anglerhose stapft er durch den Weiher auf die Tiere zu. Buck und Katrin Schülein von der Freizeitoase Schmalenbach, die zu Hilfe geeilt ist, haben sich positioniert: Reichlich erschöpft wirkend, lassen sich die beiden verbliebenen Schwäne fast bereitwillig einfangen.

Schnelle Rückkehr

Es vergehen nur Minuten, ehe sich die Schwäne nach und nach ans Ufer trauen und mit ihren großen, platten Füßen etwas wacklig wirkend auf Buck zu trotten. Der Tierpfleger sitzt jetzt quasi inmitten der Gruppe. Als seine Hand vorschnellt und sich den neugierigsten der Schwäne schnappt, bleibt der Rest erstaunlich gelassen. Die linke Hand am Hals, den Körper eingeklemmt unter dem anderen Arm: So bringt Buck die Jungtiere schnell und sicher in die Transportboxen. Von den Elterntieren ist derweil nichts zu sehen.

Lediglich ein leises Fiepen ist aus den Transportboxen zu hören. Ein paar Minuten später werden die Tiere im Höfer Weiher wieder in die Freiheit entlassen. Doch nur drei Tage später sind die fünf Schwäne wieder zurück. Sie durchstreifen den Gewerbepark – weil sie an leicht zu ergatterndes Futter gewöhnt sind. „Die Tiere sind die Leidtragenden“, findet Manuel Buck.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north