In Zweierreihe mit professionellem Outfit rollte die Gruppe auf den Hof des Bezirksrathauses in Ansbach. Dort warteten nicht nur ein Radler-Imbiss mit Bananen, sondern auch Peter Daniel Forster, der Präsident des Bezirkstags. Er unterstrich mit dem Empfang die politische Unterstützung für das Projekt am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen. „Europa ist der Garant, dass wir in Frieden und Freiheit miteinander leben können. Und das seit 80 Jahren”, sagte Forster.
Deshalb unterstütze der Bezirkstag die Fahrt, die die Gruppe mit 23 Schülerinnen und Schülern, drei Lehrkräften und den Lenkern von zwei Begleitfahrzeugen zu zentralen Stätten der europäischen Geschichte und politischen Institutionen führen wird. Dazu gehören die Schlachtfelder von Verdun und Sédan, auf denen in den Weltkriegen hunderttausende deutscher und französischer Soldaten getötet wurden.
„Wir müssen uns nicht mehr in den Schützengräben gegenüberstehen”, betonte der CSU-Politiker den Frieden nach drei Kriegen zwischen den früheren Erzfeinden mit Millionen von Toten. Er sei sicher, dass die Gruppe durch ihr Projekt tiefe Einblicke gewinne. Die politischen Prozesse in der Europäischen Union seien nicht immer leicht, so Forster. „Es gibt auch in der Politik Marktschreier, die versuchen, billige, schnelle Lösungen zu transportieren. Aber so einfach ist Europa nicht.” Der Bezirkstagspräsident wünschte viel Freude und eine unfallfreie Fahrt. „Das ist für euch sicher ein unvergessliches Erlebnis.”
Christian Jechnerer dankte für den Empfang. „Das unterstreicht die Wertschätzung unseres Programms. Wir fahren nicht nur von A und B, sondern uns geht es um die Hintergründe.” Die Fahrt unter dem Titel „Europäische Institutionen in bewegten Zeiten” sei gerade angesichts der aktuellen Probleme in der Welt inhaltlich wichtig.
Mit Albert Schweitzers Zitat „Glück allein vermehrt sich, wenn man es teilt” verwies Jechnerer auf das starke Gemeinschaftsgefühl für die Teilnehmer. Der Studiendirektor für Französisch und Englisch hat schon zahlreiche Projekte zur deutsch-französischen Freundschaft realisiert. Auch aus Ansbach leitete er eine Radfernfahrt in die französische Partnerregion Nouvelle-Aquitaine.
Für sein langjähriges Engagement verlieh ihm der Bezirk Mittelfranken im März die Partnerschaftsmedaille. Im Juni zeichnete ihn der Bayerische Landessportverband mit dem Ehrenamtspreis aus. Das Gründungsmitglied der Herrieder Aquathleten habe den Radsport und die Völkerverständigung in Mittelfranken über Jahre hinweg mit außergewöhnlichem Engagement geprägt, heißt es in der Laudatio. Christian Jechnerer habe zahlreiche Jugendliche und Vereine aus Bayern und Frankreich durch gemeinsame Fahrten, Trainingslager und Begegnungen zusammengebracht, lobte die Jury. Er sei ein „Brückenbauer zwischen Generationen, Nationen und Vereinen”.
Den Landkreis Ansbach kannte die Erlanger Gruppe schon von einer ihrer Trainingsfahrten. Auf einer 146 Kilometer langen Schleife hatte sie im Mai auch Windsbach, Wolframs-Eschenbach und Neuendettelsau besucht. Zur ersten Etappe am Freitag durch den Landkreis Ansbach gehörte ein Picknick vor den Toren der Stadt Herrieden und der Besuch im Museum der französischen Fremdenlegion im Schloss Schillingsfürst. Nach Übernachtungen in Schwäbisch Hall und Pforzheim begab sich das Team auf die Spur des Namenspatrons ihrer Schule in Straßburg, wo der Friedensnobelpreisträger, Arzt, Philosoph und Musiker Albert Schweitzer studiert und gearbeitet hat.
Hier standen Institutionen der Europäischen Union wie das Parlamentsgebäude ebenso auf dem Tourplan wie am Donnerstag in Luxemburg und am Ziel in Brüssel. Dort bedankt sich der Freistaat Bayern am Dienstag bei den Teilnehmern der Radfernfahrt mit einem Weißwurstessen in der bayerischen Vertretung.