Psychische Erkrankungen: Hier sind Wut und Trauer in Rauschenberg erlaubt | FLZ.de

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Psychische Erkrankungen: Hier sind Wut und Trauer in Rauschenberg erlaubt

Viele fühlen sich allein, wenn ein Familienmitglied psychische Probleme hat. Für sie gibt es spezielle Beratungs- und Gruppenangebot, die helfen können. (Foto: Evi Lemberger)
Viele fühlen sich allein, wenn ein Familienmitglied psychische Probleme hat. Für sie gibt es spezielle Beratungs- und Gruppenangebot, die helfen können. (Foto: Evi Lemberger)
Viele fühlen sich allein, wenn ein Familienmitglied psychische Probleme hat. Für sie gibt es spezielle Beratungs- und Gruppenangebot, die helfen können. (Foto: Evi Lemberger)

Eine psychische Erkrankung hat oft lebensverändernde Auswirkungen für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen. Dies betonten die Leiterin des Sozialpsychiatrische Dienstes, Johanna Kottek, und Yvonne Munro, Leiterin der Psychosozialen Beratungsstelle–Suchtberatung, in der Sitzung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft in Rauschenberg (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim).

Geleitet wurde sie von PSAG-Geschäftsführer Thomas Trautner. Um dem Umfeld zu helfen, gibt es speziell Gruppen für Angehörige. Sie bieten die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und emotionale Entlastung zu erfahren. Darüber hinaus haben sie einen psychoedukativen Ansatz. Das heißt, es wird Wissen vermittelt.

Viele Menschen sind Macher

„Wir wollen die Angehörigen stärken“, betonen Johanna Kottek und Yvonne Munro. Das Angebot des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) wird gut angenommen. Neben jenen, die etwa wegen Depressionen, Angstzuständen, Zwängen, Belastungsstörungen, psychosomatischen Beschwerden, bipolaren Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, suizidalen Gedanken, seelischen Belastungen im Alter, Krankheiten, Familien- und Partnerschaftsproblemen anrufen, melden sich etliche Bezugspersonen. So ist es auch bei der Suchtberatung. „Wir erleben diese Menschen als Macher. Sie organisieren viel, übernehmen Verantwortung. Etliche sind deshalb stark erschöpft.“

Oft kreist viel um die Frage, wie man es hinbekommt, dass Partner oder Partnerin keine Suchtmittel mehr konsumieren, so Munro. „Einige sind schon seit ihrer Kindheit mit dem Thema Sucht konfrontiert durch die Eltern oder die Großeltern.“ Manchmal wird die Sucht unbewusst unterstützt, indem der Angehörige beispielsweise beim Arbeitgeber entschuldigt wird, und ihr oder ihm viele Arbeiten abgenommen werden.

Etliche schaffen es nicht, solche Beziehungen, die ihnen nicht gut tun, zu beenden. In der Gruppe für betroffene Angehörige sollen verschiedene Handlungsansätze erarbeitet werden. Eine pauschale Lösung für alle Probleme gibt es aber nicht. „Man darf gegenüber dem Süchtigen auch Wut, Trauer und Enttäuschung empfinden. Man muss lernen, Verantwortung abzugeben“, erklärt Munro.

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Wichtig sei, das betont auch Johanna Kottek, dass Angehörige auch an sich denken, etwas für sich tun und ihr Selbstwertgefühl stärken. Immer wieder erleben die Fachleute bei ihnen Schuld- und Schamgefühle, das Gefühl versagt zu haben, etwa beim Thema Sucht, wenn ihre Kinder betroffen sind – auch wenn diese schon erwachsen sind.

Dauerhafte Belastung für die Familien

Beim Sozialpsychiatrischen Dienst melden sich viele Angehörige, wenn jemand aus dem Umfeld neu erkrankt ist, da sie mehr über die Diagnose erfahren wollen. Wie soll ich mit der Erkrankung umgehen? Wie verhalte ich mich richtig? Das sind oft gestellte Fragen. Häufig sind auch die Angehörigen chronisch-psychisch krank. Der Grund: Gerade wenn Partner oder Kinder schon lange betroffen sind, ist die dauerhafte Belastung für das Umfeld auf einem hohen Niveau. Wichtig sind in der Angehörigengruppe deshalb der Austausch, Frust-Abbau sowie das Thema Selbstfürsorge. Es gilt, Ressourcen zu aktiven und sich nicht in der Pflege zu verlieren.

Der SpDi ist unter der Rufnummer 09161/873571 zu erreichen, die Psychosoziale Beratungsstelle /Suchtberatung unter 09841/2859. Beides sind Angebote der Diakonie.

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