Protestfahrt nach Brüssel: Bauern aus dem Kreis NEA demonstrieren gegen „Mercosur” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.12.2025 07:00

Protestfahrt nach Brüssel: Bauern aus dem Kreis NEA demonstrieren gegen „Mercosur”

Die Landkreisvertreter reihten sich ein in die große Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. (Foto: Bayerischer Bauernverband/Andrea Seiß)
Die Landkreisvertreter reihten sich ein in die große Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. (Foto: Bayerischer Bauernverband/Andrea Seiß)
Die Landkreisvertreter reihten sich ein in die große Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. (Foto: Bayerischer Bauernverband/Andrea Seiß)

In der belgischen Hauptstadt Brüssel protestierten Landwirte gegen das „Mercosur”-Freihandelsabkommen. Heuballen brannten, Kartoffeln blockierten Straßen. Bei der zuvor friedlichen Demo waren auch einige Landwirte aus dem Landkreis um BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff aus Herbolzheim vertreten. Sie fürchten durch Mercosur um ihre Existenz.

Jürgen Dierauff ist eigentlich kein Gegner von Freihandelsabkommen per se, sagt er. Im Gegenteil: Jahrelang habe er davon profitiert. Chinesen kauften Schlachtreste, denn dort wird von Kopf bis Fuß alles vom Tier gegessen. Die fetten Bäuche sicherten sich die Russen, als perfekte Ergänzung zum Wodka. Doch mit der Krim-Annexion durch Präsident Wladimir Putin 2014/15 endeten die Handelsbeziehungen mit Russland, die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest ließen die Schweineausfuhren nach China einschlafen. Seitdem sind auch die Schweinehalter im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim in der Krise.

Das Freihandelsabkommen mit Mercosur würde auch hierzulande einige Landwirte schwer treffen. Günstiges Fleisch aus Südamerika würde den Markt fluten, deutsche und fränkische Produkte könnten da nicht mithalten. Die Auflagen in Deutschland seien wesentlich höher, „die Kosten werden nach oben getrieben – dadurch sind wir weltweit nicht mehr konkurrenzfähig”, betont der BBV-Kreisobmann.

Antrieb genug für Jürgen Dierauff und rund zehn weitere Mitstreiter aus dem Landkreis, sich in einem Bus aus Würzburg auf den Weg nach Brüssel zu machten. Sie werden am Ende rund zehn Prozent der bayerischen Teilnehmer ausmachen. Abfahrt: früher Donnerstagmorgen, 2.30 Uhr. Rechtzeitig zur Demo waren die Franken, die mit drei Bussen anreisten, dann vor Ort. „Alles war hervorragend organisiert, der ganze Straßenzug mit Lautsprechern ausgestattet”, lobt Dierauff. Entsprechend konnten alle rund 10.000 Demo-Teilnehmer auch verstehen, was da ins Mikrofon gesagt wurde.

Von Ausschreitungen nichts mitbekommen

Was der Landkreis-Delegation aufgefallen ist: „Die Italiener waren sehr stark vertreten”, im Gegensatz zu den Deutschen. Dierauff zeigt sich leicht enttäuscht, er habe mehr erwartet. Der Protestzug setzte sich in Bewegung, am Ende bei der Auflösung schien alles gut zu sein. „Von den Ausschreitungen haben wir selbst erst aus der Presse erfahren”, sagt Dierauff.

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Die Landkreis-Landwirte hatten es sich in einer Kneipe Richtung Bahnhof bei einem Bier gemütlich gemacht, zwei hatten sich nach den Schreckensmeldungen aber noch auf den Weg gemacht, um zu schauen, was vor sich geht. Letztlich sahen sie noch brennende Heuballen, die Polizei hatte Wasserwerfer eingesetzt. Dierauff formuliert es flapsig: „Vielleicht ist bei der Demo nicht jeder Teilnehmer voll auf seine Kosten gekommen.”

Der Schweinehalter hofft, dass die Forderungen der Landwirte erhört werden. Stichwort Bürokratie: „Da ist noch sehr viel Luft nach unten.” Die Auflagen seien hoch, stiegen Jahr für Jahr weiter. Als Beispiel nennt der Herbolzheimer die Pflanzenschutzmittel, deren Verwendung künftig noch umfangreicher dokumentiert werden muss. Und schon jetzt gefährdeten Lebensmittel aus Billiglohnländern die regionale Produktion, deren Produkte teurer angeboten werden müssten.

Prämien für weniger Zuckerrüben

Als Beispiel nennt der BBV-Funktionär „Südzucker”, auch die Ochsenfurter Zuckerfabrik, in die Landwirte aus dem Landkreis ihre Rüben liefern. Südzucker habe für nächstes Jahr eine Prämie angeboten, wenn die Bauern zehn Prozent weniger Zuckerrüben anbauen. „Sie sind froh über jeden Zucker, den sie nicht haben.” Eine kuriose Situation, denn eigentlich sollte die Fabrik ja ein Interesse an möglichst hohen Chargen haben. Aber das Zuckerrohr aus Südamerika könne zur harten Konkurrenz werden, „zur Unzeit”.

Klar, auf der Welt sei nichts gleich, das ist auch Jürgen Dierauff bewusst, aber: „Wir heben uns bei den Auflagen exorbitant von den anderen ab.” Das könne er nicht verstehen. Hinzu kommt, dass die EU die Zuwendungen pro Hektar deutlich senken will. Dierauff zitiert den CEO einer großen Schlachtfirma: „Ihr werdet schon sehen, in fünf Jahren ist in Deutschland nur noch Geld für drei Dinge da: Soziales, Verteidigung und Zinsen.” All das passe aus seiner Sicht nicht mehr zusammen und gefährde landwirtschaftliche Existenzen, auch wenn „Freihandel per se nicht schlecht” sei.

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