Protest gegen die Erweiterung der Biogasanlage in Leibelbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.09.2025 16:28

Protest gegen die Erweiterung der Biogasanlage in Leibelbach

Der Betrieb aus der Vogelperspektive: Rechts sind die ersten Nachbarhäuser zu sehen. (Foto: Bernd Heller)
Der Betrieb aus der Vogelperspektive: Rechts sind die ersten Nachbarhäuser zu sehen. (Foto: Bernd Heller)
Der Betrieb aus der Vogelperspektive: Rechts sind die ersten Nachbarhäuser zu sehen. (Foto: Bernd Heller)

Der kleine Ortsteil Leibelbach kommt seit einigen Monaten nicht zur Ruhe. Es gärt vor den Toren Herriedens, weil die dortige Biogasanlage baulich erweitert werden soll. Das stinkt den Nachbarn ganz gewaltig, weshalb die Betreiberfamilie nun das Gespräch sucht.

Als der „Energiehof Heller” 1998 an den Start ging, steckte das System, wertvolle Energie aus Abfällen zu gewinnen, noch in den Kinderschuhen. Wenn man so will, waren die Betreiber im Biogasbereich so etwas wie Pioniere. „Wir haben viel Lehrgeld bezahlt”, sagt denn auch Bernd Heller im Rückblick auf die Anfänge des Unternehmens, das er künftig in einer gemeinsamen GmbH mit seinem Vater Robert führen will. Seitdem ist viel passiert, berichtet Bernd Heller. In mehrfacher Hinsicht.

Dazu muss man wissen, dass hier eine Abfallanlage betrieben wird und die Energie nicht aus Mais, Gras oder Getreide erzeugt wird. Konkret sind es Abfälle aus der Lebensmittelindustrie, Reste vom Schlachthof wie Magendarminhalte und Flotatschlämme, die von den Hellers zur Reststoffwertung genutzt werden. Das System wurde in den zurückliegenden zehn Jahren technisch immer wieder nachgebessert, sodass der Austritt von Gasen aus der Vergärung der Abfälle deutlich verringert worden ist, sagt Bernd Heller. Gerade ist wieder mal Westwind, „wie zu 90 Prozent hier”. Sprich: Finden stinkende Gase den Weg ins Freie, bekommen das alles die Nachbarn ab.

„Wir wollen unsere Lebensqualität zurück”

Die haben die Nase gestrichen voll, seitdem im März bekannt wurde, dass die Anlage ausgebaut und optimiert werden soll. An mehreren Stellen im Ort sind deutlich sichtbare Banner platziert, die in großen Lettern auf das Thema schlechthin in der kleinen Ortschaft, in der jeder jeden kennt, aufmerksam machen. „20 Jahre Gestank sind genug” ist da zu lesen. Die Nachbarn sprechen sich dabei eindeutig gegen die geplante Erweiterung der Anlage aus und fordern unmissverständlich: „Wir wollen unsere Lebensqualität zurück.”

Entsprechend sind bei der Offenlegung des Bebauungsplanes Widersprüche im Rathaus von Herrieden eingegangen. In der kommenden Stadtratssitzung wird man sich mit den Contra-Argumenten befassen. Derweil bestreitet Bernd Heller gar nicht, dass es in Leibelbach zu Geruchsbelästigungen kommt. Er wohnt wie seine Eltern selbst auf dem Areal.

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Bereits jetzt unternehme man alles, um die Geruchsemissionen zu minimieren. So erfolgt etwa die Abfallannahme und -verarbeitung in einem geschlossenen System. Die Umgebungsluft wird über den Biofilter gereinigt. Probleme bereitete in der Vergangenheit die Gärrestverdampfungsanlage, doch „jetzt wissen wir, worauf wir da achten müssen”, sagt Bernd Heller nach einer Umstellung auf Aktivkohlefilter und versichert: „Seitdem ist es viel besser.”

Anfallende Abwärme sinnvoll nutzen

Zudem soll die Anlage strenggenommen gar nicht erweitert, sondern in puncto Sicherheit und Effizienz technisch aufgerüstet werden. So ist ein Wärmepufferspeicher geplant, um die von den Motoren anfallende Abwärme „sinnvoll zu nutzen und zu speichern” und somit zur Energiewende beizutragen. In der Planung ist auch noch eine Verbesserung des Abluftstromes. Durch die Entnahme von Säuren wurden die Luftemissionen nochmals sinken, beteuert Bernd Heller. Auf rund 50.000 Euro schätzt er die Kosten, man werde diese Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen. „Wir tun unser Möglichstes. Wir wollen auch nicht, dass es stinkt.”

Sollte der Antrag im Stadtrat keine Mehrheit finden, dürfte die Familie die bestehende Anlage aufgrund bestehender Einspeisevergütungen noch zehn Jahre lang betreiben. Doch strenggenommen geht es vor allem um den dörflichen Frieden. Daher hat Bernd Heller am Freitag, 26. September (17 Uhr), alle Nachbarn und den Herrieder Stadtrat ganz offiziell eingeladen, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. Man habe schließlich nichts zu verbergen, sagt der Betreiber und bringt sein Anliegen auf den Punkt: „Wir wollen Ruhe haben und wieder eine gute Nachbarschaft.”

Das System Biogas-Abfall

So funktioniert die Anlage

In dem etwa 50° C warmen Fermenter läuft im thermophilen Betrieb der biologische Abbauprozess. Unterschiedliche Bakterienstämme bauen schrittweise organische Bestandteile im Ausgangsmaterial ab und erzeugen im letzten Abbauschritt Biogas. Die Abfälle werden hygienisiert und über den Vorlagebehälter dem Fermenter zugeführt.
Das Substrat erwärmt sich und beginnt nach einigen Tagen zu gären. Dabei baut sich die im Verhältnis zu Wasser leichtere organische Masse ab und sinkt nach unten. Die tägliche Zufuhr von frischem Substrat drückt das vergorene Material nach unten und wird über die Nachgärer und den Separator an den Verdampfer weitergegeben. Hier wird überschüssiges Wasser verdampft, und der eingedickte Gärrest geht in das Gärrestlager, wo es bis zur Ausbringung verbleibt.
In den Blockheizkraftwerken wird das in den Fermentern gewonnene und im Gasspeicher zwischengelagerte Biogas verbrannt und zu thermischer und elektrischer Energie umgewandelt.


    Florian Pöhlmann
    Florian Pöhlmann
    Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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