Bürgerinnen und Bürger aus Hohlweiler und Oberlaimbach haben am Montag vor der Scheinfelder Stadtratssitzung gegen das in ihrer Nähe geplante Umspannwerk protestiert.
Am Marktplatz versammelten sich am frühen Abend gut 50 Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Stadtteile, ein Großteil davon mit gelben Westen ausgestattet. Auf Rücken und Revers stand ein großes „Nein”. Die Ablehnung gilt dem geplanten Umspannwerk, das voraussichtlich westlich der beiden Ortschaften errichtet werden soll. Etliche Demonstrationsteilnehmer hatten zudem kleine Schilder mitgebracht. Darauf standen verschiedene Aspekte, was die Bürgerschaft an dem Vorhaben des Übertragungsnetzbetreibers „Tennet” problematisch findet.
Die Sorgen und Ängste gelten dem Standort und der Größe des Umspannwerks. Rund 25 Hektar sind dafür im Gespräch. Die Bürgerinnen und Bürger befürchten insbesondere Lärm beim Bau und „Dauerbrummen” im Betrieb, Flächenversiegelung und andere ökologische Beeinträchtigungen, Folgebelastungen durch den denkbaren Zubau von Speichermodulen sowie eine Wertminderung ihrer Immobilien und eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität.
Negativ seien auch die Auswirkungen aufs Landschaftsbild und damit auf den Tourismus. Auch das Argument, dass solch eine systemwichtige Großanlage zu einem Anschlagsziel werden könnte, wurde ins Feld geführt.
Bürgermeister Claus Seifert gewährte den Demonstrantinnen und Demonstranten, dass sie ihr Anliegen vor Beginn der Ratssitzung im rappelvollen Bürgersaal vorbringen durften. Das tat denn auch eine kleine Abordnung aus Hohlweiler. Birgit Uebelhör, Nina Fichtel und Heike Haupt hatten für Bürgermeister Seifert zudem ein symbolisches kleines Umspannwerk-Modell mitgebracht, das den Vorteil habe, dass der Standort leicht verändert werden kann, sagte Uebelhör augenzwinkernd.
Zudem verlas die Delegation einen offenen Brief, der sich an die gesamte Scheinfelder Bürgerschaft richtete. Darin wird unter anderem sowohl eine Prüfung alternativer Standorte als auch der Dimensionierung der Anlage gefordert.
Auch will die Initiative erreichen, dass es eine Bürgerversammlung zu diesem Thema gibt – und zwar vor der Informationsveranstaltung, die das Unternehmen Tennet für den 8. Oktober in der Wolfgang-Graf-Halle anberaumt hat. Das, so ergab eine Nachfrage unserer Redaktion nach der Sitzung, wird von städtischer Seite nun erwogen. Ins Auge gefasst ist dabei der 2. Oktober, wie Bürgermeister Seifert in Aussicht stellte.
Diese Veranstaltung soll dann ebenfalls in der Graf-Halle sein. Eine konkrete Planung wird dabei allerdings nicht vorgestellt. Denn die gibt es offenbar noch nicht. Jedenfalls wurde etwa der mögliche Standort im nicht-öffentlichen Sitzungsteil nur (aber immerhin) bedingt präzisiert. Dazu waren Vertreter von Tennet sowie der N-Ergie und des Bayernwerks erschienen.
In einer über 60-seitigen Präsentation wurden die Räte – mit dabei war auch eine Markt Bibarter Ratsdelegation um Bürgermeister Klaus Nölp und Oberscheinfelds Bürgermeister Peter Sendner – dabei über eine Vielzahl von Aspekten informiert.
Unter anderem beinhaltet die Präsentation eine „Standort-Such-Historie”. Daraus geht hervor, dass insbesondere zwei Bereiche in Betracht gezogen wurden. Der erste, über einen Quadratkilometer große Bereich reicht vom bestehenden Umspannwerk auf der Markt Bibarter Höhe (im Westen) bis auf etwa 230 Meter an Hohlweiler (im Osten) heran, beziehungsweise von der Staatsstraße Scheinfeld–Markt Bibart (im Norden) bis zum Radweg nahe der Bibart (im Süden). Ausgespart ist dabei das Waldgebiet des Großen Koppenschlags.
Das zweite, etwas kleinere Suchgebiet liegt südlich der Bahnlinie bei Oberlaimbach. Dieser Standort hätte in der Bürgerschaft eventuell eine höhere Akzeptanz. Allerdings sei er von den beiden Netzgesellschaften der N-Ergie und des Bayernwerks noch nicht geprüft worden, hieß es. Zudem wären dort die Anbindungen weiterer Stromproduzenten beziehungsweise Netzkunden verhältnismäßig schwierig.
So zeichnet sich das erstgenannte Gebiet als das von Tennet offenkundig bevorzugte ab. In der Präsentation ist ein möglicher, etwa 30 Hektar großer Standort eingezeichnet, dessen Eckpunkte schätzungsweise gut 300 Meter vom nächstgelegen Anwesen in Hohlweiler und 400 Meter von Oberlaimbach entfernt lägen.
Die Demonstranten fanden offenbar nicht nur in der Bürgerversammlungsfrage Gehör. Auch für ihr inhaltliches Anliegen zeigten Bürgermeister Seifert und die Räte viel Verständnis. So sagte etwa Seifert, der Stadt sei es bislang gelungen, dass bei den Energieprojekten auf ihrem Gebiet Maß und Ziel gehalten wurden.
Dieses Projekt falle hingegen aus dem Rahmen – ohne dass die Stadt große Handlungsmöglichkeiten habe oder es gar verhindern könnte. Es sei eine Angelegenheit, die auf Bundesebene geregelt werde. ÜWG-Obmann Dr. Gerhard Heim lobte die Bürgerinitiative: „Was ihr macht, ist eine gute Sache.”
Auf eine Anmerkung aus dem Kreis der Demonstrantinnen und Demonstranten, dass solche Themen öffentlich statt nicht-öffentlich verhandelt werden sollten, entgegnete Martina Kellner (ÜWG), dass Tennet nicht zu einer öffentlichen Sitzung gekommen wäre. Dem Ratsgremium sei jedoch an den Informationen der Firma gelegen, da man sich selbst noch nicht gut genug in Kenntnis gesetzt fühle.