Premiere in Feuchtwangen: Wie die „Kleine Hexe” durch den Kreuzgang wirbelt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.05.2026 15:13

Premiere in Feuchtwangen: Wie die „Kleine Hexe” durch den Kreuzgang wirbelt

Die kleine Hexe hat keinen leichten Stand bei ihren älteren Kolleginnen (von links): eine Szene mit Tikki Marie Thöne (Knusperhexe), Juliane Krug (kleine Hexe), Sophie Militzer (Kräuterhexe), Philipp Peters (Sumpfhexe), Chantale Schumacher (Muhme Rumpumpel). (Foto: Nicole Brühl)
Die kleine Hexe hat keinen leichten Stand bei ihren älteren Kolleginnen (von links): eine Szene mit Tikki Marie Thöne (Knusperhexe), Juliane Krug (kleine Hexe), Sophie Militzer (Kräuterhexe), Philipp Peters (Sumpfhexe), Chantale Schumacher (Muhme Rumpumpel). (Foto: Nicole Brühl)
Die kleine Hexe hat keinen leichten Stand bei ihren älteren Kolleginnen (von links): eine Szene mit Tikki Marie Thöne (Knusperhexe), Juliane Krug (kleine Hexe), Sophie Militzer (Kräuterhexe), Philipp Peters (Sumpfhexe), Chantale Schumacher (Muhme Rumpumpel). (Foto: Nicole Brühl)

Mit der Premiere des Kinderstücks „Die kleine Hexe“ haben am Samstagnachmittag die Kreuzgangspiele begonnen. Die hinreißende Neuinszenierung des Otfried-Preußler-Klassikers bezauberte Klein und Groß im Kreuzgang bei herrlichem Frühlingswetter.

Konstantin Krisch hat die Bühnenfassung des Stücks erstellt und zugleich die Regie übernommen, seine dritte für das Feuchtwanger Kindertheater. Dr. Maria Wüstenhagen zeichnete für die Dramaturgie verantwortlich. Von Beginn an im Mittelpunkt: Juliane Krug als kleine Hexe, ein sympathischer Wirbelwind, der ein wenig zum Übermut neigt.

Aufregende Abenteuer

Und zur Neugier. So nimmt die Nachwuchs-Hexe ihr Publikum mit zu ihrem aufregenden Abenteuer auf den Blocksberg, wo die großen Hexen die Walpurgisnacht feiern. Dumm nur, dass für die Teilnahme an diesem ausgelassenen Treiben ein Mindestalter von 250 Jahren gilt – und die kleine Hexe zählt gerade mal 127 Lenze.

Ihr kühner Plan, sich unbemerkt unter die Feiernden zu mischen, schlägt fehl. Zur Strafe wird sie von der Oberhexe, eine der Rollen von Marié Detlefsen, dazu vergattert, ein Jahr lang als „gute Hexe“ tätig zu werden. Als Grundlage dafür dient das knapp 1000-seitige Hexenbuch, das auswendig zu lernen ist. Eine echte Fleißaufgabe also. Bleibt allerdings die Frage, was aus Hexen-Sicht „gut“ ist.

Aberwitzige Verwicklungen

Aus dieser Bestrafung ergeben sich einige sehr unterhaltsame Ereignisse, bei denen die kleine Hexe via Zauber allerlei gute Taten vollbringt. Dies darzustellen kostet Krischs Kreuzgang-Inszenierung mit sichtbarem Vergnügen aus. Da gilt es, einen brummigen Förster zu bezähmen, um zwei Kinder glücklich zu machen, da dürfen plötzlich Papierblumen zwecks besseren Verkaufs duften, da wehrt sich endlich ein riesiger Schneemann gegen seine Peiniger und einiges mehr. So entsteht ein hinreißender, kurzweiliger Plot mit aberwitzigen Verwicklungen und grotesken Situationen, die immer wieder für Begeisterung und Lachsalven bei Jung und Alt sorgen.

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Das Bühnenbild, das Werner Brenner konzipiert hat, schmückt eine wandelbare kleine Hütte, die das Zuhause der kleinen Hexe darstellt. Darin wohnt auch der Rabe Abraxas, originell interpretiert von Ben Erik Schröter, der als treuer Weggefährte die kleine Hexe mit Rat und Tat begleitet. Chantale Schumacher gibt als hinterlistige, bös kichernde Muhme Rumpumpel die Gegenspielerin der kleinen Hexe mit sichtbarer Spielfreude. Ihr phantasievolles lila Kostüm sticht unter den insgesamt sehr gelungenen Bühnengewändern, die Michael Kraus geschaffen hat, besonders hervor.

Temporeiche Inszenierung

Obwohl nur sieben Darstellende im Stück, so füllen sie es durch eine Reihe von Doppelrollen zu prallem Leben. Begleitet mit Musik und Gesangseinlagen unter der Leitung von Michael Reffi, sowie Choreographischem von Konstantin Krisch, entsteht packende Dynamik. Die temporeiche Inszenierung ist perfekt auf Kinder zugeschnitten, vermag aber auch Erwachsene mitzunehmen.

Denn bei aller scheinbaren Leichtigkeit schwingt doch eine tiefere Botschaft mit: Es lohnt sich, gut zu sein, auch wenn die Welt das Gegenteil anzustreben scheint. Ein wenig verändert der Schluss, wie so häufig im Kreuzgang, entsteht so ein ganz aktueller Bezug. Die Hexen dürfen hier weiterzaubern, aber nur Positives. Und dann sind die 70 Minuten schon wie im Flug vergangen und lassen ein glücklich verhextes Publikum zurück.


Von MARTINA KRAMER
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