„Hätte ich ihn bloß nicht hineingeschrieben, diesen blöden Satz: Es wird regnen, wenn Gatsby beerdigt wird“, entfuhr es dem Intendanten der Feuchtwanger Kreuzgangspiele, Johannes Kaetzler, beim Empfang nach der Premiere des ersten Abendstückes. Die war in der Tat verregnet, doch Ensemble wie Publikum trotzten tapfer den Unbilden.
Er wolle es kurz machen, kündigte Bürgermeister Dr. Ulrich Grünwald an. Dann wurde die Liste der anwesenden Ehrengäste doch recht lang – angeführt vom ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günter Beckstein, einem treuen Besucher der Kreuzgangspiele. „Ich habe mit dem Ensemble mitgefroren und mitgefiebert. Aber es war die richtige Entscheidung, im Kreuzgang zu bleiben“, sagte er. Es sei trotz des Wetters ein wunderschöner Theaterabend geworden. Und die besondere Gewandung des Publikums habe einen speziellen Effekt gehabt. „Wenn man auf mehrere 100 Plastiktüten blickt, dann stellt sich doch tatsächlich die Vorstellung des im Roman beschriebenen Meeres ein.“
„Ich möchte meinen großen Respekt für das Schauspielerteam zum Ausdruck bringen, das trotz der widrigen Umstände mit voller Leidenschaft gespielt hat“, sagte Regierungsvizepräsidentin Birgit Riesner in ihrem Grußwort. Ein Theaterfeuerwerk sei versprochen und mehr als eingelöst worden. „Der Kreuzgang hat wieder geliefert.“ Es gehöre Mut dazu, mit „Der große Gatsby” einen der größten Romane des 20. Jahrhunderts als Theaterstück aufzuführen. Mit seiner ewig zeitlosen Botschaft beeindrucke er auch heute noch.
Die Abgründe, die sich hinter all dem Glanz verbergen, die Sehnsucht nach Anerkennung, die Tragik der Figur Gatsbys, all dies seien Themen, in denen wohl jeder etwas für sich wiederfinde. “Das Theater hält uns den Spiegel vor”, so Riesner. Es zeige damals wie heute eine Gesellschaft im Wandel. „Diese Inszenierung ist ein gelungenes Gesamtkunstwerk mit herausragenden Darstellenden in einer stimmigen Umsetzung.“
„Die Kreuzgangspiele sind das kulturelle Herzstück unserer Region“, erklärte Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster. Der Gatsby-Stoff sei faszinierend und komme in der einzigartigen Atmosphäre des Kreuzgangs voll zur Geltung. Er zeige auch, wie eng Aufstieg und Fall beieinanderlägen. Das könne jeden treffen und deshalb sei es wichtig, dass stets der Mensch im Zentrum stehe und nicht Titel oder Amt. Mit diesem Intendanten, der nun schon seit 2008 vor Ort weile, sei der Kreuzgang inzwischen zu den „Kaetzler-Festspielen“ mutiert.
„Sind wir nicht alle wahnsinnig?“, fragte prompt der so Gelobte, der als letzter an das Rednerpult trat. „Was würde wohl ein Alien davon halten, wenn er uns dabei zusähe, wie wir zwei Stunden bei diesem scheußlichen Wetter ausharren, um uns ein Bühnenstück anzusehen?“ Bedeute das nicht, dass Kultur immer noch hochgeschätzt würde, sinnierte Kaetzler sichtlich bewegt.
„Ihr habt eine tolle Arbeit geleistet“, fuhr der Intendant und Regisseur an sein Ensemble gewandt fort. Dem allgemeinen Dank folgte der spezielle an Dramaturgin Dr. Maria Wüstenhagen, die die Idee hatte, den „Gatsby” zu zeigen. „Sie hat mit großem Einsatz zum Gelingen dieses Projektes beigetragen.“ Sie sei ein Geist, der die Kreuzgangspiele präge.