Eine exklusive Führung haben Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh und dessen Stellvertreter Herbert Lindörfer im erst vor kurzem eröffneten Praxiszentrum der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) erhalten. Seinen Standort hat es auf dem Gelände der Bayerischen Bauakademie.
Für Joachim Werner-Stolba, Leiter der Fachabteilung Prävention für die Region Süd, ist die Bauakademie als Fort- und Weiterbildungsstätte des bayerischen Baugewerbes ein „ideales Umfeld“ für das Praxiszentrum. Daher fiel die Entscheidung bewusst auf Feuchtwangen, als am bisherigen Standort in Nürnberg der Mietvertrag ausgelaufen sei. Das Gebäude hat die BG BAU von der Bayerischen Bauakademie gemietet und laut Joachim Werner-Stolba entsprechend „modifiziert“.
In dem Praxiszentrum, das eine Gesamtfläche von rund 1100 Quadratmetern hat, werden Seminare rund um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Baugewerbe und Gebäudemanagement angeboten, die theoretisches Grundlagenwissen mit praxisnahen Übungen verknüpfen.
Einzugsgebiet sei theoretisch ganz Deutschland, erklärte Aufsichtsperson Robert Klement. Doch in der Regel werden es wohl Unternehmen aus der Region Süd der BG BAU sein, die ihre Mitarbeitenden für Kurse in Feuchtwangen anmelden.
Derzeit laufe der Betrieb im Praxiszentrum noch „eingleisig“, erklärte Werner-Stolba im Gespräch mit Ruh und Lindörfer. Im nächsten Jahr wird die Kapazität dann hochgefahren. Der Fachabteilungsleiter sprach von rund 50 Seminaren jährlich mit im Schnitt 15 bis 20 Teilnehmenden.
In der Halle des Zentrums werden in unterschiedlichen Übungsfeldern typische Arbeitsplätze im Bauhandwerk und in der Gebäudereinigung abgebildet. So kann zum Beispiel in einem Staubraum das sichere Arbeiten in durch Asbest kontaminierten Bereichen trainiert werden und ein Tinitussimulator lässt direkt erleben, wie wichtig Gehörschutz beim Arbeiten mit Kreissägen ist.
Weitere Praxisbereiche sind Flach- und Steildach, Netze, Gerüst, Schalungssystem, Tiefbau, persönliche Schutzausrüstung sowie Ergonomie. In einem Übungsturm können geeignete Rettungsmethoden gelernt werden: Was ist im Ernstfall zu tun, wenn eine Kollegin oder ein Kollege Hilfe benötigt.
„Wir sind breit aufgestellt“, hoben Werner-Stolba und Klement hervor. Und: „Das Praxiszentrum ist dynamisch.“ Es gehe darum, sich an den Bedürfnissen der Teilnehmenden zu orientieren, bei den speziell auf die jeweiligen Gewerke zugeschnittenen Sicherheitsmaßnahmen aktuell zu bleiben.
Neben der Halle gibt es auch Seminarräume für die theoretische Wissensvermittlung. Wer eine weite Anreise hat oder mehrtägige Lehrgänge und Weiterbildungen wahrnehmen möchte, kann in einem der 13 angeschlossenen Appartements übernachten.
Sowohl die Teilnahme an den Seminaren als auch die Unterbringung und Verpflegung sind für Mitgliedsunternehmen der BG BAU kostenlos, hieß es.
Bürgermeister Patrick Ruh sieht das Praxiszentrum als „Aufwertung“ – insbesondere vor dem Hintergrund der Vision, Feuchtwangen zu einem „Baukompetenzzentrum“ entwickeln zu wollen. Das Praxiszentrum sei eine „Superergänzung“ zur Bayerischen Bauakademie und dem örtlichen Campus der Hochschule Ansbach mit seinen Masterstudiengängen Smart Energy Systems und Sustainable Building Systems. Er sei schon gespannt, welche Synergieeffekte sich ergeben, so Ruh.
Dritter Bürgermeister Herbert Lindörfer nutzte die Gelegenheit und machte in seiner Funktion als Sprecher des Organisationsteams auf die Orientierungsmesse „Ausbildung und Beruf“ des Zweckverbands Interfranken aufmerksam, die auf dem Gelände der Bayerischen Bauakademie stattfindet. Vielleicht könne ja im nächsten Jahr auch das Praxiszentrum mit einbezogen werden, meinte er. Führungen seien sicher möglich, stellte Robert Klement in Aussicht.
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) ist eine der großen Berufsgenossenschaften in Deutschland.Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und für baunahe Dienstleistungen betreut sie nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen Versicherte, rund 592.000 gewerbsmäßige Unternehmen und zirka 60.000 private Bauvorhaben.Im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags fördert die BG BAU Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, um Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu vermeiden. Kommt es dennoch zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, bietet die BG BAU umfassende medizinische Betreuung und Rehabilitation mit allen geeigneten Mitteln. Zudem sorgt sie für die Wiedereingliederung der Betroffenen in das berufliche und soziale Leben und leistet finanzielle Entschädigung.