Regionale Politiker von SPD und CSU schlagen Alarm: Die Bahn hängt Ansbach vom Fernverkehr ab, befürchten sie. Was ist dran an den Vorwürfen?
Die Deutsche Bahn (DB) weist die Kritik auf Anfrage der FLZ zurück. Zunächst hatte sich die Ansbacher SPD-Stadtratsfraktion an die Öffentlichkeit gewandt. Nachdem bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember etliche Fernverkehrsverbindungen in Ansbach gestrichen worden seien, gehe die „Streichorgie” der Deutschen Bahn weiter. Ab Anfang Februar werde eine weitere ICE-Verbindung von und nach München gestrichen. Es verbleibe nur noch eine einzige ICE-Verbindung um 13.29 Uhr von Ansbach nach München und um 14.52 Uhr von München nach Ansbach.
„Noch dramatischer” entwickele sich die Situation zwischen Nürnberg und Stuttgart. Hier würden sämtliche IC-Verbindungen ersatzlos gekappt. Bisher seien acht IC-Züge verkehrt. „Die Deutsche Bahn hängt die Region Ansbach vom Fernverkehr ab. Diese Entwicklung ist dramatisch und schadet dem Wirtschaftsstandort und der Tourismusregion“, so der Fraktionsvorsitzende Martin Porzner.
Die Co-Fraktionsvorsitzende Kathrin Pollack fordert: „Wir benötigen einen gemeinsamen Pakt von allen Politikerinnen und Politikern und Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um die Region Ansbach, sondern um alle Regionen entlang der Bahnstrecken.“ Als Quelle ihrer Befürchtungen gibt die SPD-Fraktion einen Hinweis von einem Beschäftigten der Firma Airbus am Standort Donauwörth an, der täglich von München mit dem ICE pendle.
Für die Nord-Süd-Strecke sollte ebenfalls eine Interessengemeinschaft Schiene gegründet werden, regt die SPD an. Für die Ost-West-Strecke sollte die bestehende Interessengemeinschaft aktiviert werden. Besonders ärgerlich sei, dass es noch im Dezember vonseiten der Deutschen Bahn geheißen habe, dass zwar die Verbindung Nürnberg–Leipzig weitgehend gestrichen werden soll, die Verbindung Stuttgart–Nürnberg aber erhalten bleibe. Die SPD-Fraktion fordert Oberbürgermeister Thomas Deffner auf, sich dringend um diese wichtige Angelegenheit zu kümmern. Dabei sollte auch der CSU-Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr, Ulrich Lange, einbezogen werden.
Der Landtagsabgeordnete Andreas Schalk, Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Oberbürgermeister Thomas Deffner (alle CSU) wandten sich wegen der aufkeimenden Gerüchte wenig später an den Konzernbevollmächtigten der DB in Bayern, Heiko Büttner. In ihrem Schreiben warnen sie vor negativen Folgen für Wirtschaft, Pendler und Tourismus in der Region durch die Kürzungen und fordern von der DB eine verbindliche, zukunftssichere Fernverkehrsanbindung für den Verkehrsknotenpunkt Ansbach.
Die CSU-Politiker baten Büttner um eine Stellungnahme, welche konkreten Maßnahmen beim Fernverkehr geplant sind und wie künftig eine verlässliche und transparente Kommunikation mit den kommunalen und regionalen Akteuren sichergestellt wird.
Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigte auf Anfrage der FLZ, dass eine ICE-Verbindung in Nord-Süd-Richtung ab Samstag, 7. März, wegfällt. Dies stehe im Kontext der Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Passau, die sich ab Februar über viele Monate hinziehen werde. Ob der ICE nach der Sanierung zurückkehrt, blieb in der Antwort der Bahn offen.
Etwas besser sieht es für die Intercity-Züge zwischen Nürnberg und Stuttgart über Ansbach aus. Nach Auskunft der Bahn werden diese zwar auch wegen Bauarbeiten eingestellt, aber nur vom 24. Februar bis zum 24. März.