Das Gesundheitssystem quietscht an allen Ecken und Enden. Darüber waren sich beim Politik-Talk mit Bernhard Seidenath, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, alle einig. Seidenath präsentierte die aus seiner Sicht wichtigsten Baustellen und ein Maßnahmenbündel, um die Herausforderungen zu meistern.
Eine kleine Runde von Ärzten, Pflegefachleuten und Kommunalpolitikern war der Einladung des Landtagsabgeordneten Andreas Schalk zum Politik-Talk im Autohof Aurach gefolgt. In seinem Statement ging Bernhard Seidenath zum Auftakt auf den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und den Mangel an Materialien wie Schutzausrüstung und Medikamenten ein.
Der Gesundheitspolitiker meinte, es seien „signifikant mehr Studienplätze“ für angehende Ärzte nötig. Für Hebammen habe man das Studienangebot schon ausgebaut, bei den Notfallsanitätern sei man zumindest auf dem Weg, auch wenn die Kapazitäten „nicht bedarfsdeckend“ seien. In diesen Bereichen seien die Probleme hausgemacht, weil es zwar viele Interessenten, aber zu wenig Ausbildungsplätze gebe.
Anders sehe es bei der Pflege und in therapeutischen Berufen aus, wo es zu wenig Bewerber gebe. Diese Berufe müsse man mit Hilfe verschiedener Maßnahmen attraktiver machen.
„Wir brauchen Datenspenden von den Menschen“
Die Digitalisierung sieht Seidenath als Innovationstreiber, der unter anderem eine personalisierte Medizin und die Nutzung Künstlicher Intelligenz ermögliche. Er plädierte für eine Widerspruchslösung bei der Nutzung von anonymisierten Patientendaten. „Wir brauchen Datenspenden von den Menschen“, sagte er.
Um den Mangel bei vielen Medikamenten zu bekämpfen, ist laut Seidenath kurzfristig ein leichterer Import erforderlich. Mittelfristig müsse aber vor allem die Produktion von Antibiotika wieder nach Europa geholt werden. Dies habe auch eine verteidigungspolitische Komponente, denn „was ist, wenn China uns den Antibiotika-Hahn zudreht?“, fragte er.
MdL Schalk lenkte die Diskussion anschließend auf die Krankenhausreform. Bernhard Seidenath begrüßte es, dass der Bund künftig Vorhaltekosten für die Krankenhäuser übernimmt. Ansonsten enthalte der Gesetzentwurf aber „viel Murks, der zu Verunsicherung führt“. Die Ziele seien unklar und die Folgewirkungen nicht ausreichend berücksichtigt.
Der Umbau der Krankenhausstrukturen, den die Länder bezahlen sollen, werde sehr teuer. Gleichzeitig habe das Sterben der Krankenhäuser schon begonnen: „Der schwächste Träger gibt als erstes auf“. Bayern fördere kleine Krankenhäuser zum Beispiel bei der Geburtshilfe. Insgesamt gebe es aber eine „schwierige Gemengelage“. Die Qualität der Versorgung, die Wohnortnähe, die Verfügbarkeit von Fachkräften und die finanzielle Auskömmlichkeit müssten bedacht werden.
Andreas Schalk kritisierte, dass es bei den Verhandlungen über die Zuschusshöhe bei Investitionen manchmal „wie auf einem orientalischen Basar“ zugehe. Außerdem dauerten die Prozesse zu lange.
Bezirksrat Herbert Lindörfer bezweifelte, dass durch Klinikschließungen eine nennenswerte Zahl von Pflegekräften auf den Arbeitsmarkt kommen würde. Vielmehr würden Pflegerinnen und Pfleger eher ihren Beruf aufgeben als über lange Strecken zu pendeln. Ohne Pflegekräfte aus dem Ausland werde es nicht gehen, ergänzte Bernhard Seidenath. Um diese gebe es aber einen „weltweiten Kampf“. Er erwartet eine Insolvenzwelle bei ambulanten Pflegediensten und bei der geriatrischen Rehabilitation, die nicht ausreichend refinanziert würden.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Situation auch für die selbstständig geführten Hausarztpraxen schwierig ist. Ganz zum Schluss machte Seidenath ein bisschen Werbung für ein wenig bekanntes Hilfsangebot: Unter der Nummer 0800/653000 ist der psychiatrische Krisendienst erreichbar, der für den Notfall auch mobile Teams hat.