Alexander Weiß hat ein noch kaum erforschtes Gebiet beleuchtet. In seiner Bachelorarbeit im Studiengang „Angewandte Kunststofftechnik” widmete der 43-jährige Ansbacher sich der Kunststoffbelastung der Fränkischen Rezat. Seine Ergebnisse weckten auch das Interesse der Behörden.
Das Foto für diesen Artikel entstand an einem Freitagvormittag an der Rezatbrücke bei Wasserzell. Hier sei der Fluss schön zugänglich und das Fotomotiv vielversprechend, hieß es. Während der Redakteur nun mit Fotokamera in der Hand durchs hohe, feuchte Gras stiefelt und die Entscheidung gegen wasserdichte Schuhe bereut, erinnert sich Weiß an seine Begehung der gegenüberliegenden Uferseite vor rund einem halben Jahr. Im Gegensatz zum damaligen Wetter strahlt die herbstliche Sonne. Die nassen Schuhe dürften also zügig trocknen – immerhin.
Im Anschluss berichtet Weiß von seiner exakt hundert Seiten umfassenden Bachelorarbeit (inklusive Deckblatt und Anhang): von der initialen Idee über die Planung und Durchführung der Begehung der Rezat bis hin zu den Ergebnissen und seinen Ableitungen daraus.
Der 43-jährige Ansbacher hat vor fünf Jahren den berufsbegleitenden Bachelorstudiengang „Angewandte Kunststofftechnik” am Kunststoffcampus Weißenburg angefangen. Dies ist eine gemeinsame Bildungseinrichtung der Hochschule Ansbach und der Technischen Hochschule Deggendorf. Für Weiß, der bereits Betriebswirtschaft an der Hochschule Ansbach studiert hatte und seit fast 20 Jahren in leitenden Funktionen in der Kunststoffindustrie angestellt ist, war das Zweitstudium eine Weiterbildungsmaßnahme – ein Hobby, wie er es selbst nennt.
Passend dazu wählte er mit seiner Abschlussarbeit „Praktische Untersuchung und Bewertung der makroskopischen Kunststoffbelastung der Fränkischen Rezat“ ein Thema, das ihn selbst interessierte und zugleich einen Beitrag leiste. „Ich möchte keine Bachelorarbeit schreiben, die nur in der Schublade landet”, sagt Weiß, der in seine Arbeit mehrere Monate seiner Freizeit investiert hat.
Basis seiner Bachelorarbeit ist eine umfassende Datenerhebung. Zehn Geländebegehungen der Rezat-Ufer über insgesamt 50 Kilometer an verschiedenen Stellen sollten dokumentieren, mit wie viel Kunststoff und anderen Fremdkörpern der Fluss belastet ist. Während seiner Expeditionen fand Weiß gemeinsam mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern über 250 Kunststoffteile. Diese wurden sorgfältig erfasst und nach Verwitterungsgrad analysiert, um Rückschlüsse auf die Verweildauer im Fluss zu ziehen. Damit, so Weiß, konnte er nicht nur Mengen erheben, sondern auch Muster sichtbar machen – etwa ob die Verschmutzung überwiegend aus Alltagsabfällen oder aus langlebigen Materialien besteht.
Die Ergebnisse zeigen: Die Belastung mit Plastik ist ein relevantes Problem der Rezat. Bei seiner Erhebung fand Weiß besonders häufig Verpackungsmaterialien, Folienreste und PET-Flaschen. Mit rund 70 Prozent Kunststoff liege der Anteil an den gesamten Abfällen im Fluss in einem Bereich, der im internationalen Vergleich als überdurchschnittlich gilt, erklärt der Absolvent.
Auffällig, aber wenig überraschend sei zudem, dass die Verschmutzung in Siedlungsnähe deutlich höher ist. „Dies verdeutlicht den Einfluss menschlicher Aktivitäten wie Freizeitnutzung, unsachgemäßer Abfallentsorgung oder städtischer Oberflächenabfluss. Darüber hinaus wiesen viele Kunststoffteile starke Verwitterungsspuren auf – ein Hinweis auf lange Verweildauern im Fluss”, zieht Weiß Rückschlüsse aus seinen Funden.
Die erhobenen Stichproben können nicht die gesamte Belastung der Rezat abbilden, ordnet er ein. Dennoch liefern sie wertvolle erste Daten, die eine Grundlage für weitere Forschung bilden. Der Ansbacher würde sich eine weiterführende Studie wünschen, etwa eine Analyse der Belastung durch Mikroplastik.
Nur wenn wir lokal Verantwortung übernehmen, können wir global etwas bewegen.
Interesse an seiner Arbeit habe bereits das Wasserwirtschaftsamt und die Stadt Ansbach bekundet. Auch von einigen lokalen Parteien und Gemeinden, an die Weiß seine Ergebnisse gesendet hatte, habe er Rückmeldungen erhalten. Wichtig sei für ihn eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Umweltorganisationen. Ziel müsse es sein, Verschmutzungen „frühzeitig zu verhindern, statt sie im Nachhinein zu beseitigen”.
Denn: „Jeder kleine Fluss ist Teil des globalen Wassersystems”, betont Weiß. Was in der Rezat liegen bleibt, könne über Rednitz, Regnitz und Main letztlich bis in die Nordsee gelangen. Plastik im Fluss sei demnach kein Randproblem, fasst Weiß zusammen: „Nur wenn wir lokal Verantwortung übernehmen, können wir global etwas bewegen.”