Pinsel-Hochburg in Bechhofen: Museum erinnert an über 235 Jahre Tradition | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.04.2025 09:00

Pinsel-Hochburg in Bechhofen: Museum erinnert an über 235 Jahre Tradition

Die ältesten Pinsel des Museums stammen von 1830 und sind eine Spende aus Ravensburg. (Foto: Stefan Neidl)
Die ältesten Pinsel des Museums stammen von 1830 und sind eine Spende aus Ravensburg. (Foto: Stefan Neidl)
Die ältesten Pinsel des Museums stammen von 1830 und sind eine Spende aus Ravensburg. (Foto: Stefan Neidl)

Bechhofen war und ist eine Hochburg der Pinselherstellung. 42 Firmen beschäftigten sich einst in akribischer Kleinarbeit mit der Produktion des Werkzeugs und verkauften es in die ganze Welt. Heute gibt es noch zehn Hersteller mit 2000 Mitarbeitern. Das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum widmet sich der Geschichte des Werkzeugs.

Warum reitet die Hexe eigentlich auf einem Besen? Woher kommt der Spruch „Saufen wie die Bürstenbinder“? Und wann wurde der Pinsel überhaupt erfunden? Vielleicht hat sich der eine oder andere diese Fragen schon mal gestellt. Die überwiegende Mehrheit aber wahrscheinlich nicht.

Dabei stecken in den Werkzeugen Geschichten, die so alt sind wie die Menschheit selbst. „Die ältesten gefundenen Pinsel sind fast 20.000 Jahre alt“, informiert Hans Zahn, Geschäftsführer des Deutschen Pinsel- und Bürstenmuseums. Der Name Zahn ist tief mit der Historie der Stadt Bechhofen verwurzelt: 1907 gründete die Familie eine Pinselmanufaktur. Hans Zahn führte lange die Geschicke des Unternehmens, bevor er an seinen Sohn übergab.

Dachs oder Mader: Pinsel sind aus Tierhaaren

„Jeder Haushalt hat 15 Produkte aus unserer Branche“, erklärt er, „es geht schon morgens mit dem Zähneputzen los.“ Auf vier Stockwerken und 400 Quadratmetern zeigt das Museum über 3000 Exponate. Die Galerie im zweiten Dachgeschoss zeigt alte Besen und Bürsten, sogar aus Walhaar. Im ersten Dachgeschoss werden die Standesorganisationen der Bürsten- und Pinselmacher vorgestellt. In einem anderen Bereich sind die Ursprünge der Materialien und die Rohstoffe zu sehen.

Das ist nicht unbedingt etwas für Tierfreunde: Früher war es üblich, Dachs-, Eichhörnchen- oder Mader᠆haar für Pinsel zu verwenden. Ausgestopfte Modelle der Tiere präsentieren deren Ursprung.

Das Obergeschoss zeigt die verschiedenen Herstellungstechniken, meist noch für die Verarbeitung in Handarbeit. Und im Erdgeschoss stehen schließlich Maschinen für die industrielle Fertigung. Die Brücke von gestern zu heute weiß Zahn immer wieder geschickt zu bebildern: „Würde eine Zahnbürste heute noch in Handarbeit wie damals gefertigt, kostet sie 15 Euro.“

Die ganze Welt kaufte Produkte aus Bechhofen

Die Tradition des Pinselhandwerks entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Erste schriftliche Hinweise auf einen Pinselmacher stammen von 1785. Um 1790 trug sich Johann Kaspar Bühler in das Kirchenbuch von Königshofen, heute ein Ortsteil von Bechhofen, als Schreinermeister und Pinselmacher ein. Er gilt als Begründer des Feinhaarpinselhandwerks in Deutschland.

Viele Betriebe folgten seinem Beispiel und ab Mitte des 19. Jahrhunderts waren Feinhaarpinsel aus Bechhofen in der ganzen Welt gefragt. Mit der Ansiedlung von Zulieferern entstand ein Boom in der Stadt.

Bechhofen ist immer noch geprägt von der Pinselindustrie, auch wenn mit der Zeit viele Firmen wegbrachen. Um der Tradition zu gedenken, gründete sich 1985 der Verein Deutsches Pinsel- und Bürstenmuseum.

Kurz nach seiner Gründung fand er eine Heimat in der ehemaligen Post in der Dinkelsbühler Straße. Das Gebäude gehört der Stadt und wird dem Verein überlassen. „Jährlich haben wir rund 3000 Besucher“, sagt Zahn. Oft sind es Reisegruppen, die in der Gegend sind.

Markus Söder erhielt Erotikpinsel

Seit etwa 15 Jahren verweist ein Schild an der Autobahn A6 auf das Museum. „Dies brachte noch einmal einen Schub“, erklärt Zahn. Der Verein arbeitet rein ehrenamtlich. Eine der Führerinnen ist Annemarie Lang: „Wir haben Sonntags regulär geöffnet. An anderen Tagen können Interessenten uns einfach anrufen. Sofort ist jemand da.“ Dabei kommen die Gäste aus der ganzen Republik. „In dieser Art sind wir einzigartig in Deutschland“, sagt Zahn.

Der Verein finanziert sich neben Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuschüsse durch den Pinselshop im Erdgeschoss. Von Malpinseln über Straßenbesen bis hin zu Mascara-Bürstchen gibt es dort alle möglichen Arten zu kaufen.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums seit der Gründung plant der Verein nun einige Aktionen. Auch ist es möglich, die Räume für Veranstaltungen zu mieten.

Das Museum erreicht auch die große Politik. „Als Markus Söder 2023 Bechhofen besuchte, überreichten wir ihm einen Erotikpinsel“, erzählt Zahn mit einem Grinsen, „der lachte darüber und sagte, den gibt er dem Hubert Aiwanger.“

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