Photovoltaik auf Denkmal-Gebäuden tabu: Was man in Rothenburg alternativ fordert | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.08.2025 10:00

Photovoltaik auf Denkmal-Gebäuden tabu: Was man in Rothenburg alternativ fordert

An der Blinksteige befindet sich eine städtische Photovoltaikanlage. Eventuell wäre hier das Modell „Energiesharing” möglich. (Foto: Simone Hedler)
An der Blinksteige befindet sich eine städtische Photovoltaikanlage. Eventuell wäre hier das Modell „Energiesharing” möglich. (Foto: Simone Hedler)
An der Blinksteige befindet sich eine städtische Photovoltaikanlage. Eventuell wäre hier das Modell „Energiesharing” möglich. (Foto: Simone Hedler)

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach hat, kann durch den selbst erzeugten Strom einen Teil der teuren Energie aus dem öffentlichen Netz einsparen. Allerdings: Für denkmalgeschützte Gebäude gilt das nicht.

Nur in Ausnahmefällen dürfen PV-Module angebracht werden. Ein Nachteil also für Eigentümer und Eigentümerinnen solcher Gebäude. Sowohl Eduard Knoll, Architekt und Experte für historische Gebäude, als auch Dr. Hellmuth Möhring als Vorstand des Vereins Alt-Rothenburg drängen daher darauf, dass für die Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden eine Lösung gefunden werden muss. Sonst drohe der Altstadt zunehmend der Leerstand.

Die kommunale Gestaltungssatzung in Rothenburg schließt die Anbringung von Modulen auf einsehbaren Dächern oder Balkonen konsequent aus. Rothenburgs Altstadt steht – ähnlich wie zum Beispiel Dinkelsbühl oder Nördlingen – komplett unter Ensembleschutz. Zum Vergleich: In den meisten anderen Städten Deutschlands sind lediglich ein bis zwei Prozent des gesamten Gebäudebestands denkmalgeschützt. Einzelfalllösungen wurden in Rothenburg bislang abgelehnt. Laut Knoll zu Recht, denn dies würde zu einer Ungleichbehandlung führen: Wer Pech hat und keine Ausnahmeregelung erhalte, müsse in Kauf nehmen, dass sein Anwesen dadurch einen Wertverlust erleidet.

Die Satzung deswegen aufweichen und PV-Anlagen erlauben? „Das ist keine Lösung”, sind sich Knoll und Möhring einig. Als Begründung verweisen die beiden auf die besondere Bedeutung, die die Dächerlandschaft der Altstadt für Rothenburg hat. „Die darf man nicht mit PV-Anlagen verschandeln.” Auch spezielle eingefärbte Solarmodule, die unauffälliger und daher erlaubt wären, sind für ihn keine Lösung: „Die bringen lange nicht den gleichen Ertrag wie herkömmliche Module und sind dazu noch teuer.”

Freiflächenanlagen außerhalb der Altstadt

Zahlreiche Hauseigentümer in der Rothenburger Altstadt sind betroffen. Doch wie könnte eine Lösung aussehen? Zum Beispiel, indem PV-Anlagen vor den Altstadttoren installiert werden, an denen sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen können, sagt Knoll. In Form einer Bürgerenergiegemeinschaft oder Erneuerbare-Energien-Gemeinschaft.

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Eigentlich eine schöne Sache: Wer keine eigene PV-Anlage errichten darf, verlagert die Stromerzeugung und kann so von den Vorteilen profitieren und gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen. Auch Oberbürgermeister Dr. Markus Naser hat diese Option immer wieder ins Spiel gebracht. Die Sache hat allerdings einen Haken, das wissen sowohl Naser als auch Knoll und Möhring: Derzeit könne nämlich der Strom aus Freiflächenanlagen nicht ohne Umgehung der teuren Durchleitungsgebühren der großen Stromversorger verwendet werden. Dadurch profitieren die Mitglieder einer Bürgerenergiegemeinschaft nicht direkt von der vor Ort erzeugten Energie.

Dabei haben denkmalgeschützte Gebäude meist ohnehin noch weitere energetische Nachteile: Eine Fassadendämmung ist aus denkmalpflegerischen Gründen kaum möglich, auch der Einbau alternativer Heizungsanlagen, zum Beispiel Wärmepumpen, ist Knoll zufolge weder möglich noch sinnvoll.

Es bestehe die Gefahr, dass sich die Menschen den Unterhalt eines denkmalgeschützten Hauses nicht mehr leisten können, befürchtet der Architekt. Und dann? Dann entscheiden sich viele für ein Haus außerhalb der Altstadt. Spätestens beim Generationenwechsel zieht niemand mehr ein. Die Folgen: Wertverlust und Leerstand. „Jahrhundertealte Gebäude drohen damit zu zerfallen.”

Eine dringende Bitte an die Politik

Die dringende Bitte an die Politik lautet, nicht auf bestehenden Bestimmungen zu beharren, sondern alles zu versuchen, um die Städte mit einem schützenswerten Erscheinungsbild vor einer nachteiligen Entwicklung zu bewahren. Ziel müsse es sein, sagen Knoll und Möhring, für die Eigentümer von Altstadthäusern eine annähernd vergleichbare Situation zu schaffen wie für Eigentümer nicht denkmalgeschützter Gebäude.

Nicht nur Knoll hat bereits verschiedene politische Stellen angeschrieben, auch die Oberbürgermeister von Rothenburg und Dinkelsbühl hatten sich im vergangenen Jahr an die Regierung gewandt. Die Antworten seien durchwegs enttäuschend gewesen, so Knoll. Der damals noch amtierende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck beispielsweise habe lediglich Belehrungen zur aktuellen Gesetzeslage geschickt.

Energiesharing als Übergangslösung

Dabei verpflichtet die Europäische Union in ihrer Erneuerbare-Energien-Richtlinie (die dritte Neuerung wurde 2023 beschlossen) ihre Mitgliedsländer, alternative Energiegewinnung zu fördern. Bis Mitte 2025 hätte diese Richtlinie in den Ländern umgesetzt werden müssen, in Deutschland wird der entsprechende Gesetzesentwurf derzeit noch diskutiert.

„Wir liegen hinter zahlreichen Ländern zurück”, so Knoll. Zum Beispiel sei es in Österreich, Italien, Portugal oder Spanien bereits möglich, außerhalb der Städte PV-Anlagen aufzustellen und den Strom zu gleichen Konditionen zu nutzen, wie wenn PV auf dem eigenen Dach wäre.

Knoll und der Verein Alt-Rothenburg fordern: Städte mit einer denkmalgeschützten Altstadt müssen sich zusammentun und sich an die Politik wenden. „Sie müssen daran arbeiten, dass zügig eine Lösung gefunden wird.”

Weil solche Gesetzesänderungen dauern können, schlägt Eduard Knoll eine Übergangslösung vor: Energiesharing könnte eine Vorstufe der echten Bürgerbeteiligung sein. An der Blinksteige hat die Stadt zum Beispiel schon eine eigene PV-Anlage. Diesen Strom könnte sie zum Vorzugspreis an die Altstadthausbesitzer verkaufen. „Das ist eine kleinere Lösung, nicht perfekt”, so Knoll. „Aber besser als nichts.” Er und seine Familie wohnen und arbeiten seit vielen Jahren in Rothenburg, daher ist Knoll kämpferisch: „Ich gebe die Altstadt nicht auf.”

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