Die sorgfältige Vorbereitung des Gottesdienstes und die ideenreiche Gestaltung des Festplatzes in der Dorfmitte von Wallmersbach (Stadt Uffenheim) durch die Landjugend und den Kirchenvorstand wurden belohnt. Zahlreiche Erwachsene und Jugendliche aus Wallmersbach und den umliegenden Dörfern, ja sogar Gäste aus Australien, waren gekommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.
Dieser wurde von der Bläsergruppe aus Gülchsheim musikalisch gestaltet. Vor dem Regenbogen, der Flagge der Bauern im Bauernkrieg von 1525, stellte Pfarrer Gerhard Schick, klar, dass die Bauern, denen damals durch Knechtschaft und Ausbeutung durch die weltliche und geistliche Obrigkeit der Feudalgesellschaft das Wasser bis zum Hals stand, keinen Krieg wollten.
Unterstützt von der Reformation, waren sie bereit, für ein menschenwürdiges Leben in Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen – nur mit Worten und durch Verhandlung, ist einer Pressemitteilung zu entnehmen. Alles sollte „in brüderlicher Liebe geschehen“, so das Ziel der Bauern. Erst nach der schroffen Zurückweisung durch die Obrigkeit, das arrogante Verweigern jeglicher Verhandlungsbereitschaft, sei es zu Aufruhr und zum Aufstand gekommen, so Schick. Schließlich gab es Gewalt und Krieg. Die Bauern stürmten Burgen und Schlösser. In Aub wurde die Reichelsburg zerstört. Unter Führung des Wallmersbacher Pfarrers stürmten Bauern aus dem gesamten Gollachgau das Kloster Frauental. Doch gegen die gut gerüsteten Söldnerheere der Fürsten, Grafen und Bischöfe hätten die mit Sensen, Dreschflegeln und Mistgabeln kämpfenden Bauern keine Chance gehabt.
Sie wurden besiegt, ihre Anführer brutal ermordet, betonte Pfarrer Schick, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist. Trotzdem sei der Aufstand der Bauern für eine bessere Welt nicht umsonst gewesen, resümierte der Geistliche in seiner Predigt. Dass die Menschen in Deutschland in einer Freiheit leben dürften, von der die meisten auf der Erde nicht zu träumen wagen, sei auch ein Verdienst der damaligen Bauern.
Dass unser Grundsatz in Artikel 1 mit den Worten beginne „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sei wie ein „fernes Echo“ auf den Einsatz der Bauern von 1525. „Sie waren Pioniere der Menschenrechte“, unterstrich Schick.
Er appellierte an die Gottesdienstbesucher und ganz besonders an die Jugendlichen: „Um einer guten Zukunft willen für uns und unser Land, lasst uns, so wie die Bauern damals, Pioniere der Menschenrechte sein!“ Was könne schöner sein als dies.
Dem besonderen Gottesdienst, der durch Beiträge der Landjugend und des Kirchenvorstands sehr lebendig gestaltet wurde, schloss sich ein geselliges Beisammensein an, für das die Landjugend Essen und Getränke bereitgestellt hatte. Das war ein schöner Abschluss für einen besonderen Gottesdienst, der etliche Besucher angelockt hatte.