Pfarrer gegen Bürgermeister: In Altershausen brodelt es | FLZ.de

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Pfarrer gegen Bürgermeister: In Altershausen brodelt es

Das potenzielle Neubauareal soll nach den Vorstellungen des Gemeinderats vom Beachvolleyplatz am Holzhaufen (links) anfangen und dann (rechts) bis zum Ende des Fußballtores reichen. (Foto: Mark Oliva)
Das potenzielle Neubauareal soll nach den Vorstellungen des Gemeinderats vom Beachvolleyplatz am Holzhaufen (links) anfangen und dann (rechts) bis zum Ende des Fußballtores reichen. (Foto: Mark Oliva)
Das potenzielle Neubauareal soll nach den Vorstellungen des Gemeinderats vom Beachvolleyplatz am Holzhaufen (links) anfangen und dann (rechts) bis zum Ende des Fußballtores reichen. (Foto: Mark Oliva)

Seit Beginn des Sommers brodelt es in Altershausen. Eine Mehrheit der Dorfbewohner will die Entscheidung des Münchsteinacher Gemeinderats zum Standort des neuen Dorfhauses am Rand des Ortes nicht akzeptieren.

Seit Montag wird die Debatte noch ein wenig heftiger geführt. Grund ist ein Schreiben von Dorfpfarrer Georg Salzbrenner, das am Monatsende im Gemeindeblatt veröffentlicht werden soll. „Unser Gemeinschaftshaus darf nicht auf dem Bolzplatz stehen“, schreibt der Geistliche da und listet etliche Punkte gegen die Entscheidung des Gemeinderats auf. Die Altershäuser Bürgerinitiative begrüßt das Schreiben. Bürgermeister Jürgen Riedel zweifelt die Argumente des Pfarrers hingegen an.

Unfrieden schon seit der Dorferneuerung 2019

Der Brief des Pfarrers ist das neueste Kapitel in der komplizierten Beziehung zwischen Ortsteil und Gesamtgemeinde. Datieren lässt sich der „Unfrieden“ auf den Beginn der Dorferneuerung Altershausen-Neuebersbach im Jahr 2019, in deren Verlauf es immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen kam.

Nun also die Eskalation: Statt das Dorfhaus im historischen Faust-Anwesen in der Dorfmitte zu platzieren, entschieden sich Bürgermeister Jürgen Riedel und eine Ratsmehrheit dafür, einen Teil des Altershäuser Sportplatzes zu versiegeln und dort eine Kombination von Gemeinschafts- und Feuerwehrhaus zu errichten. In Altershausen gründete sich daraufhin prompt eine Interessensgemeinschaft, man wählte den Dorf- und Feuerwehrvereinsvorstand Erich Wacker zum Vorsitzenden und sammelte 161 gültige Unterschriften für ein Bürgerbegehren.

Am 8. Oktober, am Tag der bayerischen Landtagswahl, sollen nun die Wähler aller fünf Ortsteile Münchsteinachs die Entscheidung treffen. Zur Wahl steht einerseits das Bürgerbegehren mit dem Faust-Anwesen, andererseits das Ratsbegehren, dass dem Gemeinderat freie Bahn zur Auswahl eines Standorts gibt.

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In einer schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion erklärte Bürgermeister Jürgen Riedel nun: „Der Umgang mit dem Thema sorgt mich als Bürgermeister sehr. Durch die äußerst emotionale Diskussion sehe ich die Gefahr, dass sowohl die Dorfgemeinschaft wie auch die Gemeindeteile gespalten werden. All unsere Bemühungen und Erfolge, die diesbezüglich in den vergangenen Jahren erzielt wurden, wären damit zunichte gemacht“.

Emotionen wichtig für die Entscheidung?

Erich Wacker sieht das naturgemäß anders: „Bürgermeister Riedel argumentiert immer damit, die Emotionen aus dem Thema rauszuhalten und das alles rein faktenbasiert zu bewerten. Kerwa, Gesangverein, Stammtisch, Dorffest, Jugendclub, Kinderfasching – eine Dorfgemeinschaft besteht doch aus Emotionen. Ich denke deshalb, dass bei solchen Entscheidungen auch Emotionen eine Rolle spielen dürfen, sogar müssen, „sagt Wacker. „Emotionen sind für die Dorfgemeinschaft bei der Gestaltung eines Ortes, dem Ausrichten von Veranstaltungen, dem Erhalt von Traditionen unerlässlich. Würden wir alles emotionslos bewerten, hätte die Gemeinde kein Schwimmbad, keine Kulturscheune und keine Steinachgrundhalle“.

Zum Punkt „Erhalt der demokratischen Regeln“ hatte Pfarrer Salzbrenner geschrieben: „Bei der großen Ortsversammlung in Altershausen (im Juni; Anm. d. Red.), die vom Bürgermeister selbst geleitet wurde, haben in guter demokratischer Tradition und bei freier Abstimmung weit mehr als 70 Prozent der Anwesenden für den Standort Faust-Anwesen gestimmt“. Dies bestätigte Riedel nun zwar gegenüber der Redaktion, sprach aber auch davon, dass nur rund 70 Personen von den insgesamt rund 1450 Bürger der Gesamtgemeinde Münchsteinach anwesend gewesen seien. Riedel wörtlich: „Der Gemeinderat entscheidet als demokratisch gewähltes Gremium im Interesse der Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger nach Tatsachen und Fakten und lässt sich nicht von Emotionen leiten.“

Darüber hinaus bezweifelt Riedel die Stichhaltigkeit eines weiteren Argumentes des Pfarrers an. Dieser hatte formuliert, dass der vom Gemeinderat gewählte Standort am Ortsrand das Tierwohl „durch laute Blasmusik oder starke Bässe, wie sie bei einer Kirchweihfeier normal sind“ gefährdet werde. Riedel erklärte dazu, dass es gegenüber des Faust-Anwesens ebenfalls Tiere gebe – deutlich näher, als die Stallungen im Außenbereich jenem vom Rat favorisierten Standort seien.

Zuschuss der Kirche ist noch offen

Darüber hinaus hatte Pfarrer Salzbrenner die Möglichkeit der Nutzung des Faust-Anwesens durch die Kirchengemeinde, wegen dessen unmittelbarer Nähe zur Kirche betont – auch dies stellt für Riedel kein Problem dar: „Eine Nutzung durch die Kirchengemeinde für deren Veranstaltungen ist auch in einem Dorfgemeinschaftshaus mit dem Sportplatz-Standort, der lediglich etwa 150 Meter von der Kirche entfernt liegt, durchaus möglich”, so der Bürgermeister. „In einem persönlichen Gespräch mit Herrn Pfarrer Salzbrenner wurde im Zusammenhang mit der gemeinsamen Nutzung des Gebäudes zudem über einen Zuschuss von Seiten der bayerischen Landeskirche gesprochen, eine Antwort zu diesem Thema steht aber leider bis heute aus. Unabhängig von einer finanziellen Unterstützung durch die Evangelisch-Lutherische Kirche wird von Seiten des Gemeinderats eine gemeinsame Nutzung ausdrücklich begrüßt“.

Aus Sicht des Geistlichen ist der Erhalt des für das Altershäuser Ortsbild prägenden Faust-Anwesens wichtig für das Ortsbild, was Riedel prinzipiell nicht in Abrede stellt: „Der Erhalt des Ortsbildes ist auch im Sinne des Gemeinderates. Das Gebäude muss aber, wenn es die Gemeinde nicht erwirbt, nicht zwangsläufig abgerissen werden.“

So sei Wohnraum durchaus vorstellbar, während das Anwesen für das Aufstellen eines Kirchweihzeltes denkbar schlecht geeignet sei: Für den Aufbau müsse „regelmäßig die Straße in vollem Umfang gesperrt werden.“ Eine innerörtliche Umleitung für den Schwerlastverkehr sei nicht vorhanden und müsse demnach über etwa zehn Kilometer über Schornweisach, Vestenbergsgreuth und Kienfeld „mit großem Aufwand ausgeschildert werden“.

Das letzte Wort haben die Wähler

Das letzte Wort haben allerdings weder der Pfarrer noch Bürgermeister, sondern am 8. Oktober die Wähler in dem Ort im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.


Von Mark Oliva
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