Teil einer Gemeinschaft sein, zusammen spielen, basteln, die Natur erkunden sowie Abenteuer erleben: Das begeistert junge Menschen und bewegt sie, Mitglied bei den Pfadfindern zu werden. „Hier lernt man fürs Leben”, betonen Finja Rosenbaum, Anna-Lena Hofmann und Thilo Meinecke von den Christlichen Pfadfindern Diespeck.
Den drei jungen Leuten – 16, 19 und 23 Jahre alt – ist die Begeisterung förmlich anzumerken. Sie brennen für das Ganze, leben es. Für sie bedeutet das Pfadfinderdasein mehr als nur Hobby oder Mitgliedschaft in einer Freizeitgruppe. „Man lebt danach, auch wenn man später nicht mehr aktiv dabei ist”, sagt Thilo Meinecke, der in Erlangen an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Informatik studiert.
70 aktive Mitglieder im Alter von sechs Jahren bis Anfang 20 zählt ihr Stamm, benannt nach ihrem 1612 in Baudenbach geborenen Namenspatron Veit vom Berg. Neben Spiel, Spaß, Action und Zeltlagerromantik spielt der christliche Glaube eine große Rolle und bildet die Grundlage ihrer Arbeit. „Wir sind Teil der evangelischen Jugend. Unsere einzelnen Gruppen wirken aktiv in der örtlichen Kirchengemeinde.” Wert legt man auf ökumenische Offenheit, christliche Werte geben die Pfadfinder weiter.
Der Diespecker Pfadfinderstamm ist in Meuten und Sippen aufgeteilt. In Meuten treffen sich die jüngsten Mitglieder im Alter von sieben bis elf Jahren. Als deren Vorbild nennt Anna-Lena Hofmann, die ihr Bauingenieurwesen-Studium abgeschlossen hat, die Wölfe aus Rudyard Kiplings „Dschungelbuch”, bei denen der kleine Mogli aufwuchs. Das Ziel: Schon die Jüngsten (die Wölflinge) sollen lernen, wie wichtig es ist, in einer Gruppe zusammenzuhalten, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Regeln zu beachten. Zu kurz kommt dabei auch eine gehörige Portion Abenteuer nicht.
„Man gewinnt Vertrauen zueinander und in sich selbst”, betont Finja Rosenbaum, die ab September die FOS besuchen wird. Aus eigener Erfahrung wissen sie und die anderen, dass hier der Grundstein gelegt wird, um Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Bei den Pfadfindern ist Alkohol tabu. Das Handy hat in den Gruppenstunden, Zeltlagern und bei sonstigen Aktivitäten nichts zu suchen. Treffpunkt für die Gruppen ist das Diespecker Mesnerhaus an der Straße „Am Kirchberg”. Neben den beiden Meuten-Gruppen (Ikki und Balu) für die Jüngeren, wo Neuzugänge willkommen sind, gibt es noch zwei Sippen-Gruppen – für Mädchen und Jungen ab elf Jahren (Eichhörnchen und Turmfalke.)
Was bei den Meuten besonders gut ankommt, sind die gemeinsamen Lager in Selbstversorger-Übernachtungshäusern in der Umgebung. Die Gruppenleiter übernehmen dann auch das Kochen. Zeltlager und Wanderfahrten sind das Privileg der Sippen, die in diesem Jahr nach Schweden fahren. Große Bedeutung hat hier das Leben mit und in der Natur, Elemente der Erlebnispädagogik kommen zum Tragen. Die Verbindung zur Natur sieht man auch bei den Zelt- und Lagerbauten. Beim Pfingstlager entstanden etwa aus Holzstangen und Seilen (ganz ohne Schrauben oder Bohrungen) Türme, eine funktionierende Zugbrücke und Tische für die Zubereitung des Essens.
Jeder kann das Lagerleben mitgestalten, verzichtet gerne auf Komfort, nimmt schlechtes Wetter in Kauf, um eine Welt voller Abenteuer zu schaffen. Kein Thema ist, dass das Handy daheim bleibt. „Wir hatten deshalb noch nie Konflikte”, merkt das Trio an. Die Teilnehmenden wissen, worauf sie sich einlassen. Fahrten führten schon nach Finnland, Schottland, Polen und Griechenland. „Dabei lernt man Land und Leute kennen”, schwärmt Anna-Lena Hofmann. Man komme mit einem Sack voller Erinnerungen heim. Die Teilnehmenden der Fahrten machen sich mit ihrem Rucksack und dem Wissen auf den Weg, nicht genau zu wissen, wo die nächste Übernachtungsstation ist – das ist Abenteuer pur.
Als großes Plus nennen die drei jungen Leute, dass zusammengewachsene Gruppen fahren. „Man kennt sich, kann sich aufeinander verlassen. Viele Teilnehmende wachsen über sich hinaus.” Das tun auch die Gruppenleiter. Diese werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und geschult. Hervorgehoben wird im Gespräch auch, dass sich die Chefs um die Vorbereitung der Touren kümmern, Eltern informieren, Tickets buchen, Preise kalkulieren und all die vielen anderen Aufgaben übernehmen, die nötig sind, damit die Fahrten wirklich zu einem Erlebnis werden.
Gerne denken Finja Rosenbaum, Anna-Lena Hofmann und Thilo Meinecke an die Bundeslager zurück. Rund 4000 bis 5000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder kommen dort zusammen und bauen gemeinsam ein großes Lager, in dem man während der kommenden zwei Wochen lebt. „Das ist echt cool”, resümiert Meinecke.
Beim Treffen mit Finja Rosenbaum, Anna-Lena Hofmann und Thilo Meinecke sticht ihre einheitliche Bekleidung ins Auge, die sie als Zeichen der Gemeinschaft ihres Bundes sehen. Ihre Kluft besteht aus einem grauen Hemd und einem Halstuch. Das der Wölflinge ist grün, das der Pfadfinder blau. Zu den Hemden werden robuste Hosen in gedeckten Farben wie blau oder schwarz getragen
Das ganze Engagement erfolgt ehrenamtlich. „Es ist toll, was die jungen Leute leisten und mit den Kindern machen”, betont Andrea Hofmann-Popp. Sie ist die Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Neustadt und Umgebung. Dieser unterstützt ideell und materiell, ohne in die Stammesarbeit einzugreifen. Bisher unterstützt der Förderverein den Diespecker Stamm bereits durch die Anschaffung von Material und praktischen Hilfen. Bei Bedarf gibt es ferner Unterstützung, wenn sich Familien eine Fahrt nicht leisten können.