Trotz teilweise heftigen Regens und Kälte harrten am Sonntag in Dinkelsbühl bei der Kundgebung des Heimattages der Siebenbürger Sachsen Tausende Menschen aus, um das kurze Grußwort von Peter Maffay zu hören. Der Musiker wurde 1949 im siebenbürgischen Kronstadt geboren. Maffay bezeichnete die Siebenbürger Sachsen als Beispiel, wie gemeinsam Zukunft in friedfertiger Art gestaltet werden könne.
Maffay drückte aber auch Dankbarkeit gegenüber der Gesellschaft aus, „die uns aufgenommen und uns ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht hat”. Bereit vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben viele Angehörige der deutschstämmigen Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen ihre Heimat unter dramatischen Umständen verlassen.
Dinkelsbühl bezeichnete der 75-jährige Musiker als „Beispiel der Koexistenz”, die hochzuhalten eine Verpflichtung sei. Nur im Frieden sei es möglich, zusammenzukommen wie beim Heimattag. Er hoffe, dass sich „positive Einsichten und Gefühle, Vernunft und Lebensfreude” durchsetzen.
Für Peter Maffay gab es tosenden Applaus. Vor dem Grußwort sprachen auf der Kundgebung Rainer Lehni, der Vorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der hessische Innenminister Roman Poseck und der rumänische Außenminister Emil Hurezeanu - in Kronstadt/Siebenbürgen geboren - der Dinkelsbühl auch in seiner früheren Funktion als rumänischer Botschafter zwischen 2015 und 2021 bereits mehrfach besucht hatte. Für ihn seien die Pfingsttreffen stets ein „Wiedersehen mit Freunden”, bekannte er bei der diesjährigen Auflage.
Vor der Kundgebung zogen rund 3100 in siebenbürgische Trachten gewandete Menschen durch die Dinkelsbühler Altstadt. Der Umzug gilt alljährlich als Höhepunkt des Heimattages, der in diesem Jahr zum 75. Mal gefeiert wurde. Die113 Gruppen hatten mit zum Teil heftigen Regengüssen und starken Windböen zu kämpfen. Das Wetter trübte die Stimmung jedoch nicht.
Die Großveranstaltung steht 2025 unter dem Motto „Zusammen Seite an Seite”. Besonders gedacht wurde der Ereignisse, die laut Bundesvorsitzenden Rainer Lehni die Siebenbürger Sachsen entscheidend geprägt hätten: die Deportation von rund 70.000 Deutschen aus Südosteuropa im Januar 1945, darunter 70.000 Menschen aus Siebenbürgen, in die damalige Sowjetunion. Bis zu fünf Jahren Zwangsarbeit hätten die Betroffenen dort leisten müssen. Lehni sprach von einem „Trauma, das sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt” habe. Die Betroffenen, auch jene, die nicht mehr in Rumänien leben, und deren Kinder erhielten als politische Opfer Entschädigungszahlungen vom rumänischen Staat.
Lehni ging auch auf die enge Verbundenheit des Verbandes der Siebenbürger Sachsen mit der Stadt Dinkelsbühl ein. Die Stadt sei zum „Symbol des Zusammenhalts der Siebenbürger Sachsen in der ganzen Welt” geworden, zitierte Lehni Altbürgermeister Dr. Jürgen Walchshöfer. In Dinkelsbühl lebe seit bald 80 Jahren eine große siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft und seit 20 Jahren pflege die Stadt eine Partnerschaft mit Schäßburg.
In Richtung der neuen Bundesregierung in Berlin richtete Lehni Kritik: Im Koalitionsvertrag fehle die „seit Jahren ungelöste Problematik der Kürzungen im Fremdrentenrecht”. Das stehe im „krassen Gegensatz” zu dem Beitrag, den viele Aussiedler und Spätaussiedler in das bundesdeutsche Sozialsystem leisteten.
Der hessische Innenminister Dr. Roman Poseck betonte den Zusammenhalt, den Heimat schaffen könne. Er forderte dazu auf, in Europa das Verbindende zu suchen und würdigte die Vertriebenenverbände, die einen großen Anteil an der Völkerverständigung hätten.
Eröffnet worden war der Heimattag am Samstag. Der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer drückte in seinem Grußwort seine Freude über die jahrzehntelange Verbundenheit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland aus und ging auf das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren ein, das für die Siebenbürger Sachsen Leid, Flucht und Vertreibung verbunden gewesen sei.
Der OB ging auch auf die 20-jährige Städtepartnerschaft mit Schäßburg ein. In diesen zwei Jahrzehnten „hat sich etwas entwickelt“, war er überzeugt. Er sei von der Freundschaft mit den Menschen in der siebenbürgischen Stadt angetan. Erst vor einigen Tagen sei er mit einer Dinkelsbühler Delegation dorthin gereist. „Es war wie ein Nach-Hause-Kommen. Das Wesentliche waren die Begegnungen mit den Menschen.“
Die Festansprache hielt Dr. Petra Loibl. Die bayerische Landtagsabgeordnete ist Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene. Sie würdigte den Beitrag der Siebenbürger Sachsen für die Völkerverständigung und als Brückenbauer. Die versicherte in Dinkelsbühl, die Staatsregierung werde sich nachhaltig in Berlin für eine „gerechte Fremdrentengesetzgebung“ einsetzen, als Zeichen der „Wertschätzung für eine großartige Volksgruppe“.
Dr. Bernd Fabritius, der seit dem Regierungswechsel in Berlin wieder Bundesbeauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ist, betonte die Rolle des Verbands der Siebenbürger Sachsen bei der Regelung der Entschädigungszahlungen des rumänischen Staates für Opfer politischer Verfolgung, Deportierte und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und ihre Kinder.