Kinder unterschiedlicher Schulen, mit und ohne Beeinträchtigung, machen zusammen Sport: Diesen inklusiven Gedanken verfolgen die Verantwortlichen des Förderzentrums St. Laurentius in Neuendettelsau mit einem Judo-Projekt, das in diesem Schuljahr gestartet ist. Die Resonanz darauf ist groß.
„Hajime“: Dieser japanischen Begriff, der übersetzt „Anfang“ bedeutet, wird in diesem Schuljahr in der Sporthalle des Förderzentrums häufiger zu hören sein. In Kampfsportarten gilt das Wort als Kommando dafür, dass eine Übung begonnen wird. Zweimal in der Woche wird Judo-Unterricht angeboten, geleitet von Lehrer Patrick Seitz.
„Es ist ein riesen Inklusionsprojekt“, sagt Manuela Militsch, Leiterin des Förderzentrums. 40 Schüler nehmen daran teil. Sie stammen aus den Förderzentren St. Laurentius und St. Martin, aus den Grund- und Mittelschulen Neuendettelsau und Petersaurach, aus der Grundschule Heilsbronn sowie aus der Laurentius-Realschule und dem Laurentius-Gymnasium. Es sind jüngere und ältere Schüler vertreten sowie Kinder, die eine Beeinträchtigung haben.
Von welcher Schule die Kinder kommen, spielt laut Militsch untereinander keine Rolle. „Sie kommen rein und fühlen sich sofort zugehörig.“ Dass man sich für Judo entschieden hat, hat mehrere Gründe. Einerseits hat man mit Patrick Seitz, der selbst Träger des schwarzen Gürtels ist, einen Mann vom Fach in der Schule. Andererseits hat man bereits eine Judo-AG gehabt.
Unterstützt wird das Förderzentrum bei dem Projekt im Rahmen des Kooperationsmodells „Sport nach 1“ vom TV 1848 Schwabach. Die Regierung von Mittelfranken und Diakoneo als Träger fördern den Judo-Unterricht mit insgesamt 10.000 Euro.
Das Geld kommt gerade richtig, immerhin sind Judo-Matten in der Anschaffung durchaus kostspielig. Zudem will man den Judo-Sport jedem Kind zugänglich machen, ohne dabei finanzielle Hürden bewältigen zu müssen, wie Leiterin Militsch weiter ausführt. Das zeigt auch die Tatsache, dass die Schüler die Anzüge gegen eine einmalige Leihgebühr gestellt bekommen. Das Projekt ist Militsch zufolge zunächst einmal auf das Schuljahr 2024/25 ausgelegt. Das perspektivische Ziel ist es aber, dass es weiterläuft.
Judo ist mehr als eine Kampfsportart, wie Patrick Seitz betont. „Es ist eine Lebenseinstellung.“ Es sei eine Haltung seiner Umwelt und seinen Mitmenschen gegenüber, erklärt Seitz. Es gehe darum, sich an Regeln zu halten, Werte zu verkörpern und gleichzeitig auch souverän aufzutreten.
Für den Lehrer ist dieses Projekt „eigentlich die Perfektion von Inklusion“. Kinder verschiedener Schulen und Kinder mit einem Handicap treiben zusammen Sport. „Man sieht ihnen nicht an, was sie für Probleme im Alltag haben.“ Seitz, der auch von anderen Lehrkräften unterstützt wird, unterrichtet „klassisches Standard-Judo“. Sprich: Das, was sie im Rahmen bekommen, lernen sie auch in einem Verein oder in einer normalen Kampfsportschule.
Zwei Anpassungen hat der Fachmann aber doch vorgenommen. Einerseits wurden ein paar Übungsformen angepasst, sodass auch Inklusionskinder Erfolge erzielen können. Andererseits gibt es die Drucksituation bei Gürtelprüfungen nicht. „Es ist ein laufender Prozess.“ Was Seitz damit meint: Er verfolgt den Fortschritt seiner Schüler im laufenden Prozess, sammelt Pluspunkte. Sind genügend zusammengekommen, steigen die Schüler eine Gürtelfarbe auf. Aber egal, welche Schule oder welche Gürtelfarbe: Die Schüler wollen zusammen Sport machen. Getreu dem Motto, das auf ihren Anzügen steht: „Viele Schulen. Ein Judo“.