„Pele“ Wollitz - der Letzte seiner Art? | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 07.08.2026 08:47

„Pele“ Wollitz - der Letzte seiner Art?

Trainer, Party-Tier und Identifikationsfigur: Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz.  (Foto: Jens Niering/dpa)
Trainer, Party-Tier und Identifikationsfigur: Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz. (Foto: Jens Niering/dpa)
Trainer, Party-Tier und Identifikationsfigur: Energie-Coach Claus-Dieter Wollitz. (Foto: Jens Niering/dpa)

Es gibt Trainer, die reden in Floskeln. Geben Interviews, in denen sich Fans kaum wach halten können. Und es gibt Claus-Dieter Wollitz. Wenn der Coach vom FC Energie Cottbus über Fußball spricht, klingt das selten nach einstudierten Sätzen, sondern eher nach Thekenrede, Familienrat oder Generalabrechnung.

Dass er aneckt, gehört fast zum Markenzeichen. Genau wie seine unkonventionellen Grundsätze. „Wenn ich höre, die Jungs waren abends unterwegs und erzählen mir, sie waren um drei Uhr erst zu Hause, frage ich: 'Warum nicht erst um fünf?'“, sagte er im Interview des Magazins „11 Freunde“. 

Wollitz kann innerhalb weniger Minuten herzlich, humorvoll, emotional und aufbrausend sein. Seine Pressekonferenzen in Überlänge entwickeln sich mitunter zu Monologen, Interviews zu Grundsatzdebatten. Kurz gesagt: „Pele“ Wollitz ist ein Unikat im deutschen Profifußball. Dass Energie am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gegen Hannover 96 erstmals seit zwölf Jahren auf die Zweitliga-Bühne zurückkehrt, hat viel mit dem Trainer zu tun.

„Pele hat sieben Minuten gebraucht – dann hatte er mich“

Der frühere Bundesliga-Profi ist alles andere als ein bloßer Lautsprecher. Spieler beschreiben ihn immer wieder als Menschenfänger, der unheimlich nahbar ist. Wollitz spricht lieber vom „Kennenlernen“ als vom Probetraining, weil für ihn immer auch die Person hinter dem Fußballer zählt.

„Er packt dich irgendwie. Er horcht in seine Spieler hinein, versteht, dass dahinter ein Mensch steckt. Ich habe viele Trainer gehabt – Jürgen Klopp, Julian Nagelsmann, Ole Werner – keiner hat es so verstanden, aus einer Mannschaft eine Einheit zu formen. Wollitz-Mannschaften werden zu Familien“, schwärmte Leonardo Bittencourt. 

Der frühere Offensivspieler von Werder Bremen hatte im Sommer zahlreiche Angebote aus dem Ausland, entschied sich aber für die Lausitz und für Wollitz. „Auf einmal hat mein Handy geklingelt: Pele hat sieben Minuten gebraucht – dann hatte er mich“, berichtete der 32-Jährige. 

Wollitz: „Die sollen über mich ablästern“

In Cottbus ist Wollitz Cheftrainer, Identifikationsfigur und Blitzableiter zugleich. Wenn Energie gewinnt, spricht er von der Mannschaft. Wenn es schlecht läuft, stellt er sich meist vor sie. Gleichzeitig scheut er sich nie, Missstände offen anzusprechen – egal ob es um Transfers, Infrastruktur oder finanzielle Möglichkeiten geht. „Dieser Typ hat mich richtig berührt“, sagte der damalige FCE-Profi Tolga Cigerci im Mai.

Solange die Spieler es auf dem Platz mit Leistung zurückzahlen, lässt Wollitz sie an der langen Leine. „Ich will gar nicht wissen, wie die Jungs über mich reden, wenn die Kabinentür zugeht. Aber ich sag' Ihnen was: Ich will, dass sie es tun. Das muss raus! Die sollen über mich ablästern, wenn’s hilft“, erklärte Wollitz. 

Für das Team: Wollitz schiebt Operation auf

Nach 2009 bis 2011 und 2016 bis 2019 übernahm der gebürtige Nordrhein-Westfale 2021 zum dritten Mal das Traineramt der Lausitzer. Im Mai 2024 hatte der Verein eigentlich schon bekanntgegeben, dass Wollitz nach dem Saisonende aufhört. 

„Aber was soll ich machen? Ich habe eine Verantwortung – dem Verein gegenüber, den Fans gegenüber. Im Sommer hätte ich mich eigentlich unters Messer legen müssen. Meine Sehne in der Schulter ist komplett durch. Aber das kann ich nicht bringen. Dann wäre ich ein paar Monate krankgeschrieben“, berichtete der frühere Profi von Schalke 04, Leverkusen und dem 1. FC Köln.

Voller Fokus auf das Team. Voller Angriff auf die 2. Liga. „Wir wollen weiterhin Spektakel, wir wollen modernen, attraktiven, offensiven Fußball spielen. Die Menschen kommen nicht hierhin, um 0:0-Spiele zu sehen“, kündigte Wollitz an.

© dpa-infocom, dpa:260807-930-496289/1


Von dpa
north