Wie viele Parkplätze benötigt die Stadt? Gibt es ausreichend oder zu viele Stellflächen? Und ist es sinnvoll, in den unterschiedlichen Zonen verschieden hohe Gebühren zu verlangen? Das sind allesamt Fragen, die das neue Parkraumbewirtschaftskonzept beantwortet. Das wurde nun vorgestellt und enthielt einige Überraschungen.
Angeregt worden war der Auftrag zu einem für das gesamte Stadtgebiet gültigen Parkraumbewirtschaftungskonzept bereits im März 2021. Nun, knapp dreieinhalb Jahre später, wurden die Erkenntnisse aus diesem Exposé im Umwelt- und Verkehrsausschuss präsentiert. Vorrangiges Ziel war es laut Vorlage der Verwaltung, den Ist-Zustand zu ermitteln, die Prognose des ruhendes Verkehrs sowie die Überarbeitung des bisher gültigen Parkraumbewirtschaftungskonzeptes.
Die von einem Vertreter der Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH (VFI) aus Braunschweig vorgestellten Ergebnisse sorgten bei den Mitgliedern im Ausschuss doch für den einen oder anderen erstaunten Gesichtsausdruck. Dabei stand die Auslastung der Flächen in der Innenstadt im Zentrum: 3785 Parkplätze, aufgeteilt auf Parkhäuser (761), Großparkplätze (1776) und den Straßenraum (1248), wurden bei der Zählung erfasst.
Das Ergebnis: „Trotz Parkleitsystem und zum Teil sehr niedriger Gebühren“ ist die Auslastung der Parkhäuser wie etwa am Bahnhof und der Großparkplätze gering. Der öffentliche Raum wird dagegen von Autofahrern mehr in Anspruch genommen – über den gesamten Tag hinweg liegt allerdings auch hier die Auslastung unter 80 Prozent. Durchaus bemerkenswert ist das, weil in die als „Altstadt“ und „Innenstadt West“ genannten Zonen auch der politisch heiß diskutierte Rezatparkplatz sowie der (ehemals beschrankte) Parkplatz West fallen.
„Für mich ist ganz klar: Wir haben sehr, sehr viele, zu viele Parkplätze in der Innenstadt“, schlussfolgerte Boris-André Meyer von der Offenen Linken. Meike Erbguth-Feldner (Grüne) pflichtete ihm mit einem Hinweis auf die angedachten Renaturierungsflächen am Rezatparkplatz so augenzwinkernd wie keck bei: „Wir müssen also keine Sorge haben, wenn einige der Parkplätze verloren gehen.“
Das stieß eine Diskussion an, die streng genommen erst im Stadtrat zu führen ist – wenn darüber abgestimmt wird, ob das neue Konzept tatsächlich umgesetzt wird, wie es der Ausschuss mit seinem Votum empfahl. Erwartungsgemäß stießen die Schlussfolgerungen der Grünen und der OLA auf Widerspruch.
Jochen Sauerhöfer (CSU), bekanntermaßen kein Freund der Renaturierung des Rezat-Areals, brachte die vielen Besucher aus dem Landkreis ins Spiel, die allesamt mit dem Auto nach Ansbach kämen. „Wenn die Flächen an der Rezat wegfallen, haben wir zu wenige Parkplätze.“ Zudem gebe es im nahen Rügländer Viertel durch die Hochschule ohnehin schon einen hohen Parkdruck. „Es geht doch nur um den östlichen Bereich des Rezat-Parkplatzes und nicht darum, 300 Parkplätze zu streichen“, stellte Boris-André Meyer klar.
Kritische Stimmen gab es aber auch vom Planungsbüro selbst. Neben den bis dato „zu geringen Parkgebühren“ stießen gerade die derzeit fünf Parkzonen mit teils sehr unterschiedlichen Tarifen innerhalb der Stadtgrenzen auf Unverständnis. Angeraten wurde deshalb, dass künftig nur noch drei Zonen als Grundlage der Parkgebühren gelten. „Es ist bisher schwer greifbar, an welchen Stellen welcher Tarif gilt. Eine Vereinheitlichung würde die Transparenz verbessern“, schlug der Vertreter der VFI vor.
Ein Ziel müsse es zudem sein, „die großen Parkflächen in die großen Parkhäuser“ zu verlagern, befand der Experte. Nicht aufgeführt wurden in dem Zusammenhang die 1800 Stellplätze im Brücken-Center. In der Vergangenheit gab es eine Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Einkaufszentrum, wonach die Stellplätze bei Großveranstaltungen genutzt werden konnten.